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Windräder sprießen im Hinterland der Mosel
Vier Windräder bei Mompach. Sie werden durch eine einzige, leistungsfähigere Anlage ersetzt.

Windräder sprießen im Hinterland der Mosel

Foto: Lex Kleren
Vier Windräder bei Mompach. Sie werden durch eine einzige, leistungsfähigere Anlage ersetzt.
Lokales 2 Min. 22.03.2018

Windräder sprießen im Hinterland der Mosel

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Luxemburg muss bei der erneuerbaren Energie einen Zahn zulegen. An mehreren Orten im Osten sollen Windräder in die Höhe wachsen – wenn die Bedingungen stimmen.

Wenn man dieser Tage von Hassel in Richtung Dalheim fährt, sieht man auf freiem Feld ein ungewöhnliches Objekt stehen. Der Mast ist 120 Meter hoch – höher als der Turm des Europäischen Gerichtshofes in Kirchberg. An seiner Spitze misst ein Gerät die Windgeschwindigkeit in diesen Luftschichten.

In den nächsten Monaten liegen die Messergebnisse vor. Wenn alle Rahmenbedingungen stimmen und die Genehmigungsverfahren abgeschlossen sind, können bei Dalheim Windräder gebaut werden. Windkraft könnte nun den Südosten erobern – allein das wäre eine Neuigkeit. Bisher dreht nur ein einziges Windrad über Remerschen einsam seine Rotorblätter. Die nächsten Windräder stehen viel weiter nördlich bei Mompach.

Schon länger hat die Soler, eine gemeinsame Tochtergesellschaft von der Société Electrique de l'Our (SEO) und Enovos, über Windräder in Dalheim nachgedacht. Dem standen noch Bedenken des Flughafens entgegen. „Wir hatten befürchtet, dass die Windräder die Radargeräte am Findel stören würden. Aber Ende 2017 hat eine Studie gezeigt, dass es da keine Auswirkungen gibt“, erklärt Laurent Winkin. Er ist Verantwortlicher für erneuerbare Energie bei der SEO. Wenn die Anlage bei Dalheim technisch möglich ist und wirtschaftlich betrieben werden kann, will Soler eine Bürgerversammlung einberufen und das Projekt im Detail vorstellen.

Durch die ständige Weiterentwicklung kommen Windräder heute für Standorte in Frage, die früher ausgeschieden sind. „Damals baute man nur Windräder in Gebieten mit Windgeschwindigkeiten von mindestens fünf Meter pro Sekunde in 30 Metern Höhe“, erklärt Winkin. „Das Gutland ist genau genommen ein Schwachwindgebiet, aber es gibt mittlerweile auch dafür geeignete Anlagen.“

Die Zeit drängt

Luxemburg hat sich das – immer noch bescheidene – Ziel gesetzt, bis 2020 elf Prozent seiner Elektrizität aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Bisher sind erst 6,7 Prozent erreicht. Gerade bei der Windenergie könnte es in den nächsten Jahren also einen Boom geben.

Auch die Geräuschbelästigung ist geringer geworden. Firmen wie Soler stellen fest, dass es deshalb kaum noch Widerstände bei den Anwohnern der betroffenen Gemeinden gibt. „Wir sehen, dass die Akzeptanz gestiegen ist, sowohl bei den Bürgern als bei den Gemeindeverantwortlichen“, sagt Winkin. In Dalheim hat Bürgermeister Jos Heisbourg nichts gegen die Windräder einzuwenden – wenn keine Störungen für die Anwohner zu erwarten sind.

Untersuchungen in Flaxweiler

Noch nicht ganz so weit ist die Soler in Flaxweiler. Dort hat die Gesellschaft sechs mögliche Standorte für Windräder ausgemacht: drei mitten auf Gemeindegebiet, drei an der Grenze zu Wormeldingen. „Realistisch betrachtet werden es wohl weniger als sechs Windräder. Die Machbarkeitsstudie ist noch nicht abgeschlossen“, sagt der SEO-Experte. Bürgermeister Roger Barthelmy steht dem Projekt ganz aufgeschlossen gegenüber: „Nur die Mindestabstände zu Wohnhäusern müssen eingehalten werden.“

Neuigkeiten gibt es auch für den Pafebierg bei Mompach. Dort steht Luxemburgs älteste Anlage aus dem Jahr 1997. Die vier Räder werden durch ein leistungsstarkes Windrad mit einer Nabenhöhe von etwa 140 Metern ersetzt. Die produzierte Strommenge steigt dann von zwei auf drei Millionen Kilowattstunden im Jahr.

Auch in weiteren Orten im Bezirk Osten könnte es neue Windräder geben. Wo, darüber hüllt sich die SEO noch in Schweigen.


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