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Willibrord: Ein Mensch in seiner Zeit
Lokales 2 Min. 24.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Willibrord: Ein Mensch in seiner Zeit

Willibrord: Ein Mensch in seiner Zeit

Foto: Steve Eastwood
Lokales 2 Min. 24.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Willibrord: Ein Mensch in seiner Zeit

Anne-Aymone SCHMITZ
Anne-Aymone SCHMITZ
Unter dem Titel „Willibrord und Echternach. Die Springprozession“ ist ein neuer Comicband über den Missionar und sein Wirken erschienen.

Am Pfingstdienstag nehmen alljährlich Tausende Menschen an der Springprozession teil und ziehen vom Hof des Lyzeums aus durch die Gassen von Echternach bis zur Krypta in der Basilika, in der der heilige Willibrord beerdigt ist. Als Benediktinermönch und späterer Bischof von Utrecht verbreitete Willibrord mit seinen Mitbrüdern im Mittelalter den christlichen Glauben auf dem europäischen Festland und gründete in Echternach eine Abtei mit einem Skriptorium. 

Foto: Steve Eastwood

Seit 2010 Unesco-Kulturerbe

Die erstmals im 11. Jahrhundert vom Echternacher Abt Theofrid beschriebene Springprozession gehört seit dem 16. November 2010 zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe. Anlässlich des Jubiläums, das nächstes Jahr begangen wird, veröffentlicht die Luxembourg School of religion & Society (LSRS) in Zusammenarbeit mit der Nationalbibliothek, dem nationalen Literaturzentrum und dem Echternacher Willibrordusbauverein den Comicband „Willibrord und Echternach. Die Springprozession“. 


Lokales, Springprozession 2019 Echternach, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
Springend und betend durch Echternach
Tausende Pilger zogen am Dienstagmorgen durch die Straßen von Echternach. Obwohl erstmals der Pfingstdienstag ein Schultag war, nahmen viele Kinder und Jugendliche an der Springprozession teil.

Eine Menschenmenge im Abteihof, in Weiß und Schwarz gekleidete in Fünferreihen aufgestellte Kinder und Erwachsene, die sich an weißen Tüchern festhalten und springend unter dem Bogen hindurch in Richtung Rue du Pont den Abteihof verlassen: Dies alles sind bekannte Ansichten, wie sie die Leute alljährlich von der Springprozession her kennen. Und diese gewohnten Perspektiven nutzt der Autor und Zeichner Jean-Marie Cuzin, um wie der junge Mann im Comic es bei einem Besucherpaar tut, dem Leser die Springprozession und deren Ursprung näherzubringen. 

Vater bringt Sohn zu Mönchen

Auf den folgenden Seiten nimmt Jean-Marie Cuzin dann den Leser mit ins Mittelalter, als im Jahr 658 nach Christus im angelsächsischen Northumbrien Wilgis Ehefrau ihren Sohn zur Welt bringt. Der Kleine bekommt von seinen Eltern den Vornamen Willibrord. Nach der Geburt erzählt Wilgis Gattin ihrem Mann von einem Traum, den sie während der Schwangerschaft geträumt hat und in dem ihr ein Mönch begegnete. Beide deuten den Traum als ein Zeichen der Bestimmung ihres Sohnes. Als eines Tages die Mutter des kleinen Willibrord an einer Krankheit verstirbt, bringt Vater Wilgis den Knaben in die Abtei von Rippon, damit die Mönche ihn zu einem „Verteidiger Gottes“ heranziehen. Und so nimmt Willibrords Schicksal seinen Lauf. 

Der "Direktor der Luxembourg School of Religion & Society", Jean Ehret, präsentierte die neue Veröffentlichung.
Der "Direktor der Luxembourg School of Religion & Society", Jean Ehret, präsentierte die neue Veröffentlichung.
Foto: Steve Eastwood

„Der neue Comic ersetzt einen älteren, der vor etwa 30 Jahren veröffentlicht wurde“, sagte Jean Ehret, Direktor der Luxembourg School of Religion & Society. Präsentiert wurde der neue Comicband in der Nationalbibliothek in Luxemburg-Kirchberg, in der auch die einzigen, noch im Großherzogtum verbliebenen Originaldokumente und -schriften aus dem einstigen Skriptorium der Echternacher Abtei aufbewahrt werden.

Kultureller Blickwinkel

Bei seinen Ausführungen wies Jean Ehret darauf hin, dass Willibrord im Comic nicht als Heiliger, sondern als Mensch in seinem historischen, kulturellen und politischen Kontext präsentiert wird. Denn man wolle den Menschen vor allem Willibrord, sein Wirken und die nach seinem Tod entstandene Springprozession aus dem kulturellen, statt dem religiösen Blickwinkel vorstellen, so Jean Ehret.

Foto: Steve Eastwood

Die Publikation wird ergänzt durch ein Themendossier mit historischen, religiösen und kulturellen Informationen zu Willibrord, der Abtei und der Prozession.  

Praktische Informationen

Der 40 Seiten starke Comicband „Willibrord und Echternach. Die Springprozession“ wurde in einer deutschen, einer französischen und einer englischen Fassung bei den Editions du Signe veröffentlicht. Später soll auch noch eine luxemburgische Übersetzung hinzukommen. 

Der Comic ist zum Preis von 16,90 Euro im Besucherzentrum in der Echternacher Basilika sowie bei der Librairie Ernster erhältlich.


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