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Wildschweinplage in Monnerich
Lokales 3 Min. 06.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Wildschweinplage in Monnerich

In Monnerich müssen manche Einwohner ungebetene Gäste in ihren Gärten dulden.

Wildschweinplage in Monnerich

In Monnerich müssen manche Einwohner ungebetene Gäste in ihren Gärten dulden.
Foto: Privat
Lokales 3 Min. 06.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Wildschweinplage in Monnerich

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Über umgewühlte Gärten beschweren sich mehr und mehr Leute in Monnerich. Die Gemeinde will nun aktiv werden. Und gibt sich die Möglichkeit, ein Jagdlos zu ersteigern.

Eigentlich mag Max Munhowen (27) Tiere. Doch nun wurde es ihm des Guten zu viel. „Seit jeher wohne ich in Monnerich“, erzählt der junge Lokomotivführer. 

Zuletzt hat er es mit ungebetenen Besuchern in seinem Garten zu tun. Regelmäßig finde er seine Wiese „ganz wüst aufgewühlt“ wieder. Dann weiß er: Wildschweine waren wieder am Werk. 

In diesem Zustand hat Max Munhowen aus Monnerich seinen Garten zuletzt öfters vorgefunden.
In diesem Zustand hat Max Munhowen aus Monnerich seinen Garten zuletzt öfters vorgefunden.
Foto: Privat

Dies in der Grand-Rue, nahe am Ortszentrum. „Ich dachte nie, dass es solche Ausmaße annehmen würde“, sagt er. 

Angefangen habe es vor etwa einem Jahr. Seitdem hat er öfters, wenn er von seiner Nachtschicht nach Hause kam, in der Ortschaft Wildschweine am Straßenrand bemerkt. 

Angst auf der Terrasse

„Derzeit, während des Confinement, wohnen wir zu dritt im Haus. Wir bleiben abends auch mal gerne länger auf der Terrasse. Doch da bekommt man es schon ein wenig mit der Angst zu tun“. Die Wildschweine würden ihre Scheu vor dem Menschen nach und nach verlieren. 

Ein Wildschwein im Schwimmbecken

Im Frühjahr 2019 fand Max Munhowen ein Wildschwein in seinem Schwimmbecken wieder.
Im Frühjahr 2019 fand Max Munhowen ein Wildschwein in seinem Schwimmbecken wieder.
Foto: Privat

Das Fass lief jedoch bereits über, als er im vergangenen Frühling ein totes Wildschwein in seinem Schwimmbecken gefunden hatte – dies, als er die Plane wegzog.

„Es war kein schönes Bild und der Gestank war fürchterlich“, erinnert er sich. Wie lange das Schwein drin gelegen habe, wisse er nicht. 

Neugierige Nachbarn

Zuletzt hat er vor wenigen Tagen einen Keiler im Feld hinter seinem Haus gesehen. „Er war etwa in 30 Meter Entfernung. Es war ein mächtiges Tier. Es hat uns angesehen, ist aber nicht weitergezogen. Also sind wir schnell fortgegangen“, erzählt er. Sein Bruder schoss Fotos. 

Um sich gegen die Wildschweine zu schützen, hatte er im Winter seinen Garten mit Holzpaletten geschlossen, dort wo keine Hecken waren. Doch auch das half nichts. Die Wildschweine kommen durch die Hecken durch. 

Der Förster hatte ihm geraten, seinen Garten zu umzäunen. Doch dafür müsste er die Hecken entfernen. Das will er nicht. „Das wäre nicht im Sinne des Naturschutzes.“ 

Auf dieses Tier stoß Max Munhowen vor nur wenigen Tagen. Das Tier befand sich im Feld hinter seinem Haus.
Auf dieses Tier stoß Max Munhowen vor nur wenigen Tagen. Das Tier befand sich im Feld hinter seinem Haus.
Foto: Privat

Bauschuttdeponie als „Pouponnière“ 

Mit seinem umgewühlten Garten steht Max Munhowen in der Gemeinde nicht alleine da. Auch im Monnericher Rathaus sind die Wildschweine mittlerweile ein Thema. 

Verantwortlich für die erhöhte Wildschweinbevölkerung macht Bürgermeister Jeannot Fürpass (CSV) die gerutschte Bauschuttdeponie. Er spricht davon sogar als „Pouponnière“. Die Wildschweine könnten sich dort ungestört vermehren. 

„Sie laufen über die Rue d'Esch und sogar über die Autobahn“, hatte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärt. 


Drei Jahre nach dem Erdrutsch in Monnerich, Esch-sur-Alzette, le 09 Mars 2017. Photo: Chris Karaba
Drei Jahre nach dem Erdrutsch in Monnerich: Wildschweine erobern Deponie
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Gemeinde wird aktiv

Die Gemeinde habe beim Umweltministerium interveniert, fühlte sich von ihm in dieser Frage aber alleine gelassen. Deshalb will sie nun selbst aktiv werden. 

Konkret hat der Gemeinderat in seiner vergangenen Sitzung einstimmig entschieden, einem Mitarbeiter der Gemeinde eine Vollmacht zu geben, um bei der nächsten Versteigerung der Jagdlose mitzumachen. 

Bis zu einer gewissen Summe, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit festgelegt wurde, soll dieser Mitarbeiter das Jagdlos, auf dem sich die Bauschuttdeponie befindet, für die Gemeinde ersteigern. 

Jungem Jäger Vortritt lassen

Auf Vorschlag von Rat Marc Fancelli (LSAP) wurde zurückbehalten, dass, wenn ein junger Jäger sich dafür interessiere, er den Vorrang erhalten solle. Jeannot Fürpass stimmte dem zu, gab allerdings zu verstehen, dass er nicht daran glaube. 

Wildschäden in Höhe von 20.000 Euro

Denn in den Vorjahren seien auf diesem Los Wildschäden in Höhe von 20.000 Euro angefallen. Für diese riskiere der nächste Losersteigerer auch, geradestehen zu müssen. Kosten, die demnach auf die Gemeinde zukommen könnten. 

Sollte die Gemeinde das Los ersteigern, will sie eine Person mit der Jagd beauftragen. Diese soll dafür eine monatliche Entschädigung in Höhe von 500 Euro erhalten. „Die Gemeinde selbst geht nicht auf die Jagd“, drückte es Jeannot Fürpass aus. 

Zwei bis drei Jahre notwendig

Er stellte aber auch klar, dass die Wildschweinbevölkerung nicht in einem Jahr wieder auf einen „normalen Bestand“ reduziert werden könne. Das werde wohl zwei bis drei Jahre dauern. 

Schießen vom Hochsitz aus

Das Schießen der Wildschweine sei im Bereich der Bauschuttdeponie nur vom Hochsitz erlaubt, erklärte er weiter. Diese kosten pro Stück etwa 400 Euro. Hat sich die Situation wieder normalisiert, will die Gemeinde sich wieder zurückziehen. 


Lok , Monnerich , anc EDiff , jetzt Flüchtlingsunterkunft , Covid-19 , Sars-CoV-2 , Foto:;Guy Jallay/Luxemburger Wort
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Darauf angesprochen, zeigt sich Max Munhowen erfreut. Und erinnert sich daran, dass er nicht ganz so ernst genommen wurde, als er sich bereits vor einem Jahr über die Wildschweine in der Gemeinde beklagt hatte. „Aber nun scheint es ja genügend Leute betroffen zu haben“. 

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