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Wie Luxemburg am 31. August 1942 für Aufsehen sorgte
Lokales 3 Min. 31.08.2021
Generalstreik

Wie Luxemburg am 31. August 1942 für Aufsehen sorgte

Der Generalstreik ist eine Reaktion auf die Einführung der Wehrpflicht für die Jahrgänge 1920 bis 1924.
Generalstreik

Wie Luxemburg am 31. August 1942 für Aufsehen sorgte

Der Generalstreik ist eine Reaktion auf die Einführung der Wehrpflicht für die Jahrgänge 1920 bis 1924.
Foto: Nico Muller
Lokales 3 Min. 31.08.2021
Generalstreik

Wie Luxemburg am 31. August 1942 für Aufsehen sorgte

Nico MULLER
Nico MULLER
In Wiltz findet eine Gedenkfeier statt: zum 79. Mal jähren sich am Dienstag die schrecklichen Ereignisse.

Der 31. August 1942 ist ein wahrhaft geschichtsträchtiger Tag. Das kleine Luxemburg hatte damals, mitten im Zweiten Weltkrieg, in der ganzen freien Welt für mächtig Aufsehen gesorgt, indem es mit einem Generalstreik auf die tags zuvor von Gauleiter Simon verkündete Einführung der Wehrpflicht für die Jahrgänge 1920 bis 1924 reagierte.

Der Streik war insofern aufsehenerregend, als er im besetzten Europa der bis dahin einzige größere Aufstand gegen die Nazis war. Luxemburg hatte eindrucksvoll seinen Unabhängigkeitswillen gezeigt. Der Streik wurde von den Nazischergen blutig niedergeschlagen.


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Am Dienstag jährten sich die schrecklichen Ereignisse zum 79. Mal. Gestapoführer Fritz Hartmann erkannte die Lage bereits früh und erstattete in den späten Abendstunden Bericht an das Reichssicherheitshauptamt in Berlin. Gegen Mitternacht kam dann der Befehl von SS-Chef Heinrich Himmler, den Ausnahmezustand über Luxemburg zu verhängen. Ein Sondergericht wurde einberufen, und 21 Personen, die sich am Streik beteiligt hatten, wurden zum Tode verurteilt.

Unter den Ermordeten befanden sich ebenfalls sechs mutige Einwohner aus Wiltz, weshalb auch in der Cité martyre jedes Jahr an die Gräueltaten vor nunmehr fast acht Jahrzehnten erinnert wird.

Ein wegweisender Tag

Nach einem Gedenkgottesdienst in der Dekanatskirche in Niederwiltz begaben sich die Ehrengäste zunächst zur ehemaligen Lederfabrik, wo vor der Streik-Gedenktafel Blumengebinde niedergelegt wurden. Von hier ging die Streikaktion damals aus und breitete sich auf die Minettegegend und schließlich das ganze Land aus. Anschließend wurde ebenfalls in Oberwiltz am nationalen Streikdenkmal der unerschrockenen Streikteilnehmer von 1942 gedacht.

Heute und in Zukunft müsse das Gedenken an den exemplarischen Mut und Zusammenhalt der Bevölkerung von damals aufrechterhalten und die kommenden Generationen für diese Werte sensibilisiert werden, meinte zum Auftakt der diversen Ansprachen Gemeindesekretärin Francine Hahn.

Die Ereignisse jährten sich zum 79. Mal.
Die Ereignisse jährten sich zum 79. Mal.
Foto Nico Muller

Nachdem sie die Geschehnisse rund um den 31. August 1942 noch einmal hatte Revue passieren lassen, ergriff Guy Dockendorf, Vize-Präsident des Comité de la mémoire de la Deuxième Guerre Mondiale, das Wort. Der 30. August 1942 sei ein wegweisender Tag gewesen für das Land.

Denn spätestens an dem Tag hätten viele Luxemburger, die bis dahin nur die Faust in der Tasche gemacht hatten, verstanden, was die Uhr geschlagen habe. Ohne jene, die sich mit dem Mut der Verzweiflung gegen einen riesigen Feind aufgelehnt hätten, wäre Luxemburg nach dem Krieg kein unabhängiger Staat mehr geblieben, so Guy Dockendorf.


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Auch Vizepremier Dan Kersch (LSAP) betonte als Regierungsvertreter, dass der Generalstreik ein historisches Zeichen in die ganze Welt gesendet habe, ein Zeichen, das nicht unbedeutend gewesen sei, damit das Großherzogtum auch nach dem Krieg seine Unabhängigkeit bewahren konnte.

Das Besondere an diesem Zeichen sei gewesen, dass es eben nicht von sogenannten Eliten, nicht von Politikern oder einer intellektuellen Minderheit gesetzt wurde, sondern von einer Masse einfacher Leute. Die Wucht des Widerstands habe die Nazis erschreckt und unvorbereitet getroffen, sodass diese grausam und unmenschlich reagiert hätten.

Generationen verbinden

Der Zweite Weltkrieg sei zwar bereits fast 80 Jahre vorbei, allerdings gebe es nach wie vor viele blutige Konflikte in den verschiedensten Teilen der Erde, so Bürgermeister Fränk Arndt (LSAP). 

Aktuell bekomme man zum Beispiel die schrecklichen Ereignisse in Afghanistan über Internet oder Fernseher quasi live nach Hause geliefert. Wenn man die herzzerreißenden Bilder der Verzweiflung sehe, könne man sich aber besser vorstellen, was Krieg bedeutet.

Erinnerungsfeiern wie diejenige an den Generalstreik vor 79 Jahren würden Brücken schlagen zwischen den Generationen, der Vergangenheit und der Zukunft, zwischen Nationen, so Chamberpräsident Fernand Etgen (DP). Sie setzten starke Zeichen für Werte wie Frieden und Freiheit, Demokratie, Menschlichkeit, Toleranz und Respekt. Die Solidarität, die unsere Vorfahren zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg vorgelebt hätten, sollte uns jetzt und in Zukunft im Kampf für Werte wie Respekt, Freiheit und Gleichheit leiten.  

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