Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Wie Dörfer und Städte grüner werden sollen
Lokales 3 Min. 18.08.2022
Ratgeber für mehr Artenvielfalt

Wie Dörfer und Städte grüner werden sollen

In Anwesenheit von Umweltministerin Joëlle Welfring (Mitte) wurde am Donnerstag die zweite Auflage des Ratgebers präsentiert.
Ratgeber für mehr Artenvielfalt

Wie Dörfer und Städte grüner werden sollen

In Anwesenheit von Umweltministerin Joëlle Welfring (Mitte) wurde am Donnerstag die zweite Auflage des Ratgebers präsentiert.
Foto: Gilles Kayser
Lokales 3 Min. 18.08.2022
Ratgeber für mehr Artenvielfalt

Wie Dörfer und Städte grüner werden sollen

Glenn SCHWALLER
Glenn SCHWALLER
Dem Schutz der Artenvielfalt kommt in der Klimakrise eine steigende Bedeutung zu. Sicona und Umweltministerium zeigen den Weg vor.

Hitze und Dürre haben der Natur in diesem Sommer stark zugesetzt. „Das zeigt ganz deutlich, dass wir uns mitten in einer Klima- und Biodiversitätskrise befinden“, erklärt Umweltministerin Joëlle Welfring (Déi Gréng) am Donnerstag bei einem Pressetermin. Hintergrund ist die Vorstellung der zweiten Auflage des Ratgebers „Naturnahe Grünanlagen im Siedlungsbereich“, der Kommunen helfen soll, ihren Teil zum Kampf gegen die Klimakatastrophe beizutragen

„Luxemburg ist besonders gefordert, da naturnahe Flächen bei uns rasch verschwinden“, fährt sie fort. „Wir müssen weitere Anstrengungen unternehmen, um versiegelte Flächen zu begrünen. Da haben wir noch enormes Potenzial“, erklärt Welfring weiter.

Mehr Grünflächen in Siedlungsgebieten

Die aktuelle Hitzewelle verdeutliche umso mehr, wie wichtig Grünflächen in Siedlungsgebieten seien. „Wenn es warm ist, sind viele Stadt- und Dorfbewohner froh, sich auf grüne Flächen zurückziehen zu können“, führt Welfring aus. Neben dem Kühleffekt, der von solchen Anlagen ausgeht, bieten diese zudem einen Lebensraum für zahlreiche Insekten- und Pflanzenarten.


Warum Insekten verschwinden – und was man dagegen tun kann
Viele Insektenarten sind bedroht – dazu gehören nicht nur Bienen. Ein näherer Blick auf Ursachen und Gegenmaßnahmen in Luxemburg.

Ein weiterer Vorteil der Grünflächen in den Dorf- und Stadtkernen: Flächen, die wild wachsen, brauchen nur wenig Unterhalt und benötigen oftmals weniger Wasser als gepflegte Gärten oder Grünanlagen, wie Simone Schneider von Sicona erklärt: „Die Flächen müssen nur angelegt werden, anschließend erfordert ihre Instandhaltung keinen großen Aufwand mehr“.

Gemeinden sollen mit dem Naturpakt unterstützt werden

Um den Biodiversitätsschutz im kommunalen Raum voranzutreiben, hat das Umweltministerium 2020 den Naturpakt ins Leben gerufen. Dessen Ziel ist es, die nachhaltige Entwicklung sowie den Natur- und Artenschutz gemeinsam mit den Gemeinden zu fördern.

Rund um den Sitz von Sicona wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, beispielsweise Wildblumenwiesen.
Rund um den Sitz von Sicona wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, beispielsweise Wildblumenwiesen.
Foto: Gilles Kayser

Engagierte Gemeinden werden hierbei mithilfe eines Punktesystems belohnt. Neben dem Startgeld für die Zertifizierung werden für alle umgesetzten Maßnahmen im Bereich des Naturschutzes, beispielsweise indem die Versiegelung von Böden vermieden oder die Lichtverschmutzung bekämpft wird, Punkte vergeben. Insgesamt 77 Maßnahmen werden im Naturpakt aufgelistet, allein 20 davon zielen auf den Schutz der Artenvielfalt im Siedlungsgebiet ab.

Unterstützung erhalten die Kommunen zudem in Form einer staatlichen Beteiligung an den Kosten der Naturpakt-Berater, die allen teilnehmenden Gemeinden zur Verfügung stehen. Diese können intern sein, also selbst aus der Gemeindeverwaltung oder einem kommunalen Syndikat kommen, oder extern sein.

Über 80 Prozent der Gemeinden nehmen teil

84 der insgesamt 102 Gemeinden in Luxemburg haben den Naturpakt mittlerweile unterschrieben. 76 Gemeinden verfügen aktuell über einen internen, acht über einen externen Berater, wie Fenn Faber, Direktor der Klima-Agentur, die als zentraler Ansprechpartner für jegliche Fragen rund um den Naturschutz fungiert, erklärt.


Warum die „Minetter Schof“ so wichtig sind
Neben dem Erhalt der Biodiversität verfolgt das Projekt „Minetter Schof“ seit Neuestem ein weiteres Ziel.

Aktuell liegt der Fokus bei der Umsetzung des Naturpaktes auf der Bestandsanalyse und der Auswertung der bisher umgesetzten Maßnahmen, berichtet Fenn Faber weiter. Wenn diese Phase abgeschlossen ist, können die ersten Audits stattfinden. Dies ist für Oktober dieses Jahres vorgesehen.

Zweite Auflage des Ratgebers

Als zusätzliche Hilfestellung bei der Bewahrung der Artenvielfalt in Dörfern und Städten stellte das Sicona am Donnerstag zudem die zweite Auflage seines Ratgebers „Naturnahe Grünanlagen im Siedlungsbereich“ vor. 

Der Ratgeber, der 65 Seiten umfasst, jedoch auch online abrufbar ist, richtet sich sowohl an Gemeinden als auch an Privatpersonen und enthält zahlreiche Tipps zur Förderung der Artenvielfalt.

Tipps zur Bewahrung der Artenvielfalt

Enthalten sind mehrere Maßnahmen, mit denen Dorf- und Stadtzentren grüner gestaltet und die Biodiversität in den Siedlungsgebieten wieder hergestellt werden können, erläutert Lisa Siebenaler vom Sicona. Hierzu zählen beispielsweise die Begrünung von Dächern und Fassaden, die Schaffung von Wildblumenwiesen, das Zulassen von Spontanvegetation oder das Einrichten von Nisthilfen für verschiedene Vogelarten. 


Lokales,PK.Projekt. Typische Ackerwildkräuter. Wo sind sie geblieben..Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Wie Kartierungen zum Schutz von Ackerwildkräutern beitragen
Kartierungen von Äckern sollen dabei helfen, die wertvollen Ackerwildkräuter auf Luxemburgs Fluren vor dem Aussterben zu bewahren.

Grundprinzip vieler Maßnahmen: Die Natur wachsen lassen, statt gleich alles wegzuschneiden und ästhetisch herzurichten. 

„Wir machen dabei nichts anderes, als uns an der Natur zu orientieren“, erklärt Simone Schneider weiter. In der Broschüre enthaltene Fotos und praktische Anleitungen sollen bei der Umsetzung der jeweiligen Maßnahmen und somit beim Schutz der Artenvielfalt helfen. 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema