Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Wie die transnationale Partei "Volt" Europa reparieren will
Lokales 1 3 Min. 15.04.2019

Wie die transnationale Partei "Volt" Europa reparieren will

Mitglieder der proeuropäischen Partei Volt laufen in Amsterdam über eine Brücke.

Wie die transnationale Partei "Volt" Europa reparieren will

Mitglieder der proeuropäischen Partei Volt laufen in Amsterdam über eine Brücke.
Foto: Fons Janssen/Volt/dpa
Lokales 1 3 Min. 15.04.2019

Wie die transnationale Partei "Volt" Europa reparieren will

Links, Rechts, Mitte? Von klassischen politischen Positionen will „Volt“ nichts hören. Stattdessen will die Bewegung als erste echte europäische Partei ins EU-Parlament.

(dpa/SC) - Die Geschichte von „Volt“ beginnt an dem Morgen, an dem ein ganzer Kontinent ungläubig auf seine größte Insel schaut. Es ist der 24. Juni 2016. Die Briten haben entschieden: Wir wollen uns trennen.

Der Stein des Anstoßes: Nach dem Brexit-Referendum wurde die transnationale, pro-europäische Partei "Volt" gegründet.
Der Stein des Anstoßes: Nach dem Brexit-Referendum wurde die transnationale, pro-europäische Partei "Volt" gegründet.
Foto: Angelos Tzortzinis / AFP

Während die meisten Europäer sich noch verwundert die Augen reiben und den Ausgang des Brexit-Referendums betrauern, fassen ein paar Freunde den Entschluss: In der Politik läuft etwas mächtig schief. Wir müssen es wohl selbst machen.  

Wenige Monate später ist „Volt“ geboren. Der harte Kern: der italienische Andrea Venzon, die Französin Colombe Cahen-Salvador und der deutsche Damian Boeselager. Bei der Europawahl Ende Mai will „Volt“ als erste transnationale Partei ins Europaparlament einziehen.     

Das heißt: keine Zweckgemeinschaft aus ähnlich gesinnten, nationalen Parteien - wie sonst auf europäischer Ebene üblich -, sondern eine homogene, von Grund auf europäische Partei. 

„Ob Klimawandel, Migration oder Zukunft der Arbeit - die Probleme, die wir heute haben, sind Probleme, die ganz Europa betreffen“, sagt Boeselager. Dass herkömmliche Parteien vor allem ihre nationalen Ziele verfolgten und in Europa nur nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner suchten, bremse die Politik.


Damian Boeselager, einer der Gründer der proeuropäischen Partei Volt, steht in Amsterdam bei einer Kundgebung auf der Bühne.
Damian Boeselager, einer der Gründer der proeuropäischen Partei Volt, steht in Amsterdam bei einer Kundgebung auf der Bühne.
Foto: Fons Janssen/Volt/dpa

Ein paar Monate vor der Wahl steht die Bewegung unter Hochspannung - und das nicht wegen ihres Namens. In einer Brüsseler Altbauwohnung sitzen rund ein Dutzend „Volt“-Mitglieder zusammen und beraten, was bis zur Europawahl noch alles passieren muss: Abstimmungen, Kandidaten, Flyer, ein Webvideo? Die To-do-Liste ist lang, die Zeit kurz.


Volt stellt Liste für Europawahl auf
Energie für Europa als Generationenaufgabe, so etwa lautet die Maxime der paneuropäischen Bewegung, die auch in Luxemburg eine Liste für den 26. Mai aufstellen will - und schon Kandidaten gefunden hat.

Wer kümmert sich um die rechtlichen Details? Wie organisieren wir die Ausbreitung im Land? Wie kommen wir an Spenden? Die Diskussion ist konstruktiv, Entscheidungen fallen zügig. Viele der „Volter“ arbeiten bei der EU oder sind anderweitig politisch vernetzt. Sie kommen aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, USA, alle sprechen fließend Englisch.

Auch in Luxemburg präsent

Was in Brüssel passiert, findet gleichzeitig an vielen anderen Orten Europas statt. Mittlerweile ist „Volt“ in mindestens zehn Ländern als Partei eingetragen. Auch in Luxemburg ist die Volt-Partei bereits auf den Wahlzetteln zu finden.

Zu den vier Kandidaten Fiona Godfrey, Marthe Hoffmann, Daniel Silva und Rolf Tarrach gesellten sich Ende März Julia Pitterman und Christopher Lilyblad und machten die Liste somit komplett. Lilyblad ist kein neues Gesicht in der luxemburgischen Politikszene: Bis März war er Mitglied der CSV, sitzt im Betzdorfer Gemeinderat und ist Projektleiter bei der EU-Kommission.

Die luxemburgische Liste könnte internationaler fast nicht sein: Die Kandidaten haben ihre Wurzeln in Luxemburg, Italien, Spanien, Frankreich, Amerika, Portugal und Großbritannien, doch was sie eint, ist das Gefühl, durch und durch europäisch zu sein.


IPO , Listennummern Europawahlen 2019 , Ziehung der Nummern , Foto: Guy Jallay/Luxemburger Wort
Listennummern für Europawahlen ausgelost
Die Listennummern für die Europawahlen am 26. Mai wurden am Donnerstag ausgelost.

Um den Sprung ins EU-Parlament zu schaffen, muss die Partei aus mindestens sieben Ländern heraus insgesamt 25 Sitze erreichen. Es wäre eine Premiere.

Ob sich „Volt“ nun in Schengen, Brüssel, Berlin oder Rom trifft - alle verbindet die gleiche Vision. Man will die EU stärker und handlungsfähiger machen, durch digitale Gesetzgebungs-Plattformen dem Bürger mehr Mitsprache ermöglichen, eine nachhaltige, grüne Wirtschaft stärken, die Bedingungen für Start-ups verbessern. Und vieles mehr - das Programm auf der Internetseite umfasst knapp 200 Seiten.  

Bisher sind es vor allem junge, gut gebildete, international vernetzte Leute, die sich bei „Volt“ einfinden. „Um Erfolg zu haben, muss eine Partei aber in der Breite der Bevölkerung Gehör finden“, sagt Urs Pötzsch, am Zentrum für Europäische Politik Experte für EU-Fragen. Boeselager macht sich darüber keine Sorgen. „Unsere Nachricht ist keine Nischen-Nachricht“, meint er.

Dass Politik nicht nur große Vision, sondern auch mühsame Kleinarbeit ist, haben die „Volter“ schnell gemerkt. In Italien müssen Parteien zum Beispiel 150.000 Unterschriften sammeln, bevor sie sich überhaupt eintragen lassen dürfen. In Luxemburg war die Schwelle etwas niedriger, die nötigen 250 Unterschriften kamen recht schnell zusammen.  

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Viele Länder bedeuten auch viele Herausforderungen. „Wir müssen uns mit dem Chaos auseinandersetzen“, sagt Boeselager.

Beim Treffen in Brüssel liegt zwischen Laptops, Handys und Nervennahrung ein Kalender mit dem Aufdruck: „We love the EU. So let's fix it!“. Ein paar Wochen bleiben noch bis zur Wahl.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Volt stellt Liste für Europawahl auf
Energie für Europa als Generationenaufgabe, so etwa lautet die Maxime der paneuropäischen Bewegung, die auch in Luxemburg eine Liste für den 26. Mai aufstellen will - und schon Kandidaten gefunden hat.
„Wir wollen fundamentale Änderung“
Der Niederländer Bas Eickhout (42), der neben der Deutschen Ska Keller Spitzenkandidat der EU-Grünen bei diesen Wahlen sein wird, erklärt, worum es seiner Partei in der anstehenden Kampagne geht.
Wir sind das Volk: Eine Graswurzelbewegung will die EU retten
„Europa wird demokratisiert oder es wird zerfallen“ – die linke paneuropäische Bewegung Diem25 von Yanis Varoufakis, will die Europäischen Union radikal reformieren. Mittlerweile zählt sie rund 70 000 Mitglieder und auch einen Ableger in Luxemburg.
Diem25 - Photo : Pierre Matgé