Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Wie die Tram das Stadtbild verändert
In zwei Jahren soll es auf der Place de Paris so aussehen.

Wie die Tram das Stadtbild verändert

Grafik: Luxtram
In zwei Jahren soll es auf der Place de Paris so aussehen.
Lokales 1 3 Min. 23.02.2018

Wie die Tram das Stadtbild verändert

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
17.000 Passagiere fahren täglich mit der Tram, und damit deutlich mehr, als erwartet. Schon bald wird sie ins Stadtzentrum vorrücken - und dort auch auf Bäume treffen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, die Bäume in der imposanten Avenue de la Liberté werden ersetzt. Dies hat jedoch seine Gründe, wie die Verantwortlichen am Freitag bei einer Pressekonferenz erklärten.

Verkehrt die Tram derzeit lediglich auf dem Kirchberg-Plateau, so wird sie in den kommenden Monaten weiter Richtung Stadtzentrum vorrücken. Dies zunächst via das Große Theater, durch die Allée Scheffer zur Haltestelle „Faïencerie“ und dann weiter durch die Allée des Résistants et des Déportés bis zur Stäreplaz, wo der nächste Pôle d'échange, den in erster Linie die Busse aus dem Westen des Landes anfahren, entsteht. Die Arbeiten für diesen Streckenabschnitt laufen auf Hochtouren - die Inbetriebnahme ist für Juni geplant.

Bereits auf diesem Teil der Trasse wird die Tram, anders als in Kirchberg, ohne Oberleitung verkehren. Doch erst nach der Stäreplaz geht es für die Straßenbahn in den Kern der Stadt - via die Avenue Emile Reuter, den Boulevard Royal, den Pont Adolphe und die Avenue de la Liberté bis zum Hauptbahnhof.

Von der Stäreplaz aus wird die Tram durch die Avenue Emile Reuter fahren und anschließend nach rechts auf den Boulevard Royal abbiegen.
Von der Stäreplaz aus wird die Tram durch die Avenue Emile Reuter fahren und anschließend nach rechts auf den Boulevard Royal abbiegen.
Grafik: Luxtram

"Wir profitieren von diesen Arbeiten, um den Stadtraum so zu gestalten, dass es kohärent wird", sagte dazu Bürgermeisterin Lydie Polfer. Dazu gehöre auch die Erneuerung der Leitungen: "Alles, was unter der Erde liegt, muss erneuert werden. Stromleitungen, Kanäle und so weiter können nicht unter der Trambahn liegen", unterstrich die Bürgermeisterin.

Genau hier liegt der Knackpunkt. Die bestehenden Leitungen sind nämlich stark mit den Wurzeln der Bäume, die die Avenue de la Liberté säumen, verflochten, wie Luxtram-Direktor André Von der Marck erklärte. Dies bringt mit sich, dass die bestehenden Bäume entfernt - und, falls möglich, umgepflanzt - werden müssen und durch neue Exemplare ersetzt. Ein Umstand, über den RTL bereits in der vergangenen Woche berichtet hatte und der in der Folge unter anderem in den sozialen Netzwerken einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatte.

So wird die Avenue de la Liberté 2020 aussehen:

Wie Camille Gira, Staatssekretär im Nachhaltigkeitsministerium, nun am Freitag erklärte,  handele es sich dabei jedoch um einen unumgänglichen Schritt. Er führte denn auch die recht strengen Regeln auf, die in einem solchen Fall berücksichtigt werden. "Für jeden Baum, der auf einer öffentlichen Fläche entfernt wird, ist laut Naturschutzgesetz eine entsprechende Genehmigung erforderlich. Zudem werden diverse Kriterien beachtet: Die Ursache, ob es keine Alternative gibt, ob die Bäume wieder eingepflanzt werden können, wie alt sie sind und wie hoch ihre Lebenserwartung noch ist", erklärte Gira.

In diesem Fall sei man unter Abwägen dieser Faktoren und nach zahlreichen Unterredungen zum Schluss gekommen, dass es keine andere Möglichkeit gibt: "Es gibt nur dieses eine Szenario", so Gira. "Wir profitieren von der Gelegenheit, um eine neue Baumallee zu pflanzen." Die bestehenden Bäume, denen man eine Überlebenschance zuschreibt, würden derweil an einen anderen Ort verpflanzt werden.

Ausbau der Fahrradwege, Neugestaltung der Fußgängerbereiche

Aktuell stehen in der Avenue de la Liberté 72 Bäume, darunter 49 Platanen und 23 japanische Kirschbäume. Bei der Neubepflanzung will man auf einheimische Bäume, wahrscheinlich wieder auf Platanen, oder aber auf Linden, zurückgreifen. Damit sich die Wurzeln nicht erneut mit den Leitungen verknoten, sollen diesmal spezielle Vorrichtungen, möglicherweise in Form von Becken, zum Einsatz kommen, erläuterte André von der Marck.

Die Baum-Debatte mag zwar für das meiste Aufsehen sorgen. Doch muss dazu auch erwähnt werden, dass die Ankunft der Tram im Stadtkern noch mit zahlreichen anderen, städtebaulichen Umgestaltungen einhergehen wird. Dazu gehören in erster Linie die Anpassung der Fahrspuren, die Erweiterung der Fahrradwege und die Umgestaltung der Bürgersteige. So soll ein heller Steinbodenbelag die Fußgängerbereiche in der Avenue de la Liberté aufwerten.

Die Streckenfortführung von der Stäreplaz bis zum Hauptbahnhof soll bis zum zweiten Semester 2020 bedient werden.

Was den ersten Teilabschnitt zwischen Luxexpo und Roter Brücke angeht, so gab Infrastrukturminister François Bausch am Freitag übrigens erstmals Passagierzahlen bekannt. Wochentags fahren demnach im Schnitt rund 17.000 Fahrgäste mit der Tram - mehr als doppelt so viele, als deren erwartet wurden. Bei den Prognosen war man von etwa 8.400 Passagieren pro Tag ausgegangen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Tram, eine Radpiste und die Platanen
Die Tram wird das Bild in der Avenue de la Liberté komplett verändern. Doch sowohl für die Fußgänger als auch für die Radfahrer wird sich im Zuge der Neugestaltung einiges ändern.
Umzug aus der Neier Avenue
Schritt für Schritt bahnt sich die Erweiterung der Tramstrecke nun auch in der Avenue de la Liberté an. In der ersten Phase sollen nun die bestehenden Bäume umgepflanzt werden.