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Wie die Differdinger E-Busse Europa inspirieren könnten
Lokales 3 Min. 16.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Wie die Differdinger E-Busse Europa inspirieren könnten

Beim Parc Gerlache in Differdingen steht eine der Aufladestationen der vier Diffbusse.

Wie die Differdinger E-Busse Europa inspirieren könnten

Beim Parc Gerlache in Differdingen steht eine der Aufladestationen der vier Diffbusse.
Foto: Nicolas Anen
Lokales 3 Min. 16.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Wie die Differdinger E-Busse Europa inspirieren könnten

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
In Zukunft werden öffentliche Träger wie Gemeinden oder Transportunternehmen wie der TICE verpflichtet werden, Elektrofahrzeuge anzuschaffen. Laut Claude Turmes, Berichterstatter des Direktivenvorschlags, könnte sich Europa hierfür am Differdinger Beispiel inspirieren.

„So wie Differdingen auf die Elektromobilität gesetzt hat, so wollen wir, dass in ganz Europa darauf gesetzt wird“, sagte am Montag der Europa-Abgeordnete Claude Turmes (Déi Gréng) bei Gelegenheit einer Pressekonferenz, die in einem der vier elektrischen Diffbusse bei der Ladestation am Parc Gerlache abgehalten wurde.

Für ClaudeTurmes stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Elektromobilität sich durchsetzen wird. Sondern wo die Elektrofahrzeuge gebaut werden.
Für ClaudeTurmes stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Elektromobilität sich durchsetzen wird. Sondern wo die Elektrofahrzeuge gebaut werden.
Foto: Chris Karaba

105 000 Liter Treibstoff eingespart

„Seit Inbetriebnahme konnten wir innerhalb von elf Monaten 105.000 Liter Treibstoff einsparen. Das entspricht 310.000 Tonnen CO2, die nicht ausgestoßen wurden“, fügte der Differdinger Bürgermeister Roberto Traversini (Déi Gréng) hinzu. Die Elektrobusse seien in etwa zehn Prozent teurer als Dieselbusse.

Die Diffbusse werden nicht von der Stadt Differdingen selbst, sondern von Sales-Lentz betrieben.
Die Diffbusse werden nicht von der Stadt Differdingen selbst, sondern von Sales-Lentz betrieben.
Foto: Nicolas Anen

Im Falle von Differdingen mache dies etwa 40.000 Euro mehr pro Bus und pro Jahr aus. Einen Preis, den Roberto Traversini aber gerne bereit zu zahlen ist. „Geld für die Gesundheit auszugeben, das kann keine falsche Investition sein.“

Die Bürger würden das Mehr an Lebensqualität merken. In erster Linie dank der Lärmreduzierung. „Die Busse fahren von früh morgens bis abends in die Wohnviertel“, betont er.

Dass Fahrverbote erwägt werden, zeige, dass man an eine Grenze gekommen sei, so Roberto Traversini.
Dass Fahrverbote erwägt werden, zeige, dass man an eine Grenze gekommen sei, so Roberto Traversini.
Foto: Guy Jallay

Ein weiterer großer Vorteil sei die Reduzierung an Stickoxiden. Eine Gefahr, die zu sehr unterschätzt werde. Jährlich sterben in Europa 400.000 Menschen an den Folgen schlechter Luftqualität, sagt Claude Turmes und bezieht sich dabei auf Zahlen der European Environmental Agency.

An der Grenze angelangt

Die Reaktionen in manchen Großstädten, in denen Fahrverbote für verschiedene Typen von Fahrzeugen erwogen werden, zeigten, dass man an einer Grenze angelangt sei, so der Differdinger Bürgermeister Roberto Traversini weiter.

Neue EU-Direktive

Dieser Ansicht ist Claude Turmes auch. Der EU-Abgeordnete ist der Berichterstatter im Industrieausschuss des Europaparlaments für einen Direktivenvorschlag der Europäischen Kommission über die Förderung sauberer Straßenfahrzeuge.

E-Busse ab 2020 obligatorisch?

In Zukunft sollen öffentliche Träger wie Staat oder Gemeinden, aber auch öffentliche Busunternehmen wie zum Beispiel der TICE verpflichtet werden, bei der Erneuerung ihres Fuhrparkes auf Elektromobilität umzustellen.

So schlägt Turmes in seinem Bericht vor, dass ab 2020 bei öffentlichen Trägern rund ein Viertel der Busneuanschaffungen aus Elektrobussen bestehen müssten. 2025 sollten es dann 75 Prozent sein und 2030 nur mehr Elektrobusse. Diese Ziele sind höher als die, die der Vorschlag der Europäischen Kommission enthielt. Sie wollte erst ab 2025 verbindliche Beschaffungsziele festlegen.

Definitiver Text bis Ende 2018

Nun gilt es zu verhandeln. Bis vor den Sommerferien hofft Claude Turmes auf eine Einigung im Europaparlament. Danach soll der Direktivenvorschlag mit den Regierungsvertretern im Europäischen Rat verhandelt werden. Einen finalen Text erhofft er sich für Ende des Jahres. Von Seiten der Automobilindustrie habe er positive Rückmeldungen erhalten.

Neue Chance für Automobilindustrie

Die Elektromobilität sei von den europäischen Produzenten verschlafen worden. „In China gibt es heute über 400 000 E-Busse. In Europa, die vier Diffbusse inbegriffen, knapp 2 000“, sagte Turmes. Mit dieser Direktive würden der Industrie klare Aussichten gegeben.

Saubere Batterien  „Made in Europe“

Bleibt das Problem der Batterieproduktion. Doch auch hier sieht Claude Turmes eine Chance für die europäische Industrielandschaft. Eine europäische Batterieallianz soll gefördert werden. Dies unter anderem durch das Label „green batteries for the EU“. Um dieses zu erhalten, müssen die hergestellten Batterien hundertprozentig recycelbar sein, und Materie wie Kobalt, Lithium oder Nickel müssen aus Europa oder aus zertifizierten „sauberen“ Minen stammen.

Außerdem muss bei der Produktion auf erneuerbare Energiequellen zurückgegriffen werden. Dadurch könnte in Europa ein geschützter Markt für „grüne Batterien“ erschaffen werden, erhofft sich Turmes. Denn die Frage sei heute nicht mehr, ob Elektrofahrzeuge sich durchsetzen werden, sondern, wo sie gebaut werden.

„Die Zukunft ist elektrisch“, schließt er ab. Davon ist Claude Turmes fest überzeugt.


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