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Wie der Wald fit für den Klimawandel gemacht werden soll
Lokales 3 Min. 17.03.2021

Wie der Wald fit für den Klimawandel gemacht werden soll

Mit Aufforstungsprojekten sollen abgestorbene Fichtenflächen mit Mischwäldern ersetzt und der Wald fit für den Klimawandel gemacht werden.

Wie der Wald fit für den Klimawandel gemacht werden soll

Mit Aufforstungsprojekten sollen abgestorbene Fichtenflächen mit Mischwäldern ersetzt und der Wald fit für den Klimawandel gemacht werden.
Foto Guy Jallay
Lokales 3 Min. 17.03.2021

Wie der Wald fit für den Klimawandel gemacht werden soll

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Die Fichte gilt als Verlierer des Klimawandels. Der Wald der Zukunft soll resilienter werden. Es kommt auf die richtige Mischung an.

„Der Wald ist unser wichtigster Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel, weil er CO2 binden kann. Aber er leidet auch stark unter dessen Folgen“, sagt  Umweltministerin Carole Dieschbourg. Direkt hinter ihr sind diese Auswirkungen deutlich zu sehen. Abgeholztes Fichtenholz ist auf dem Plateau des Differdinger Thieleberg meterhoch gestapelt. Die Folgen der durch den Klimawandel verstärkten Borkenkäferplage, der inzwischen unzählige Fichten zum Opfer gefallen sind. Allein auf dem Thilleberg-Plateau sind 14 Hektar der eigentlich nicht-einheimischen Baumart in den vergangenen zwei Jahren abgestorben und mussten gefällt werden.


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Jedem Ende wohnt aber auch ein Anfang inne. Und so verbirgt sich auf der Fläche direkt hinter dem abgeholzten und aufgestapelten Fichtenholz auch Hoffnung. Ein neuer Mischwald mit resilienten Laubbäumen soll sich auf dem Thieleberg entfalten. Anlässlich des am kommenden Sonntag stattfindenden internationalen Tags des Waldes stellten die Natur- und Forstverwaltung und die Umweltschutzorganisation natur&ëmwelt gemeinsam mit Partnervereinigungen das Aufforstungsprojekt am Mittwoch vor. 

Die Mischung machts

Wie Michael Leytem, der Oberförster des Südbezirks der Forstverwaltung, bei der Vorstellung erklärt, hätten die Wälder unter den drei vergangenen sehr trockenen Sommerperioden extrem gelitten – mehr als man sich je hätte vorstellen können. Auf dem Thieleberg habe man deshalb nun versucht, in die Zukunft zu denken.

Im Minett erlaube der reiche Boden viele einheimische Bäume zu pflanzen. Die Auswahl sei daraufhin auf die Arten gefallen, die die besten Chancen hätten, um in den derzeit prognostizierten Bedingungen des Klimawandels zu bestehen. Auf einer Fläche von 1,05 Hektar wurden vor allem Traubeneichen und Winterlinden gepflanzt und durch Zäune und Einzelschutzhüllen vor Wildverbiss geschützt.

Die Plastikhüllen sollen die Setzlinge vor Wildfraß schützen.
Die Plastikhüllen sollen die Setzlinge vor Wildfraß schützen.
Foto: Guy Jallay

Es gebe aber auch Überlegungen, Hölzer aus südlicheren Regionen, wie etwa Buchenbestände aus Südfrankreich, bei solchen Projekten zu nutzen. Sie seien nämlich bereits an ein wärmeres Klima gewöhnt.  

Auf kleinen Flächen sollen aber auch alternative, nicht-einheimische Baumarten gesetzt werden. So seien auf dem Thilleberg auch vereinzelt Baum-Haseln gepflanzt worden, so Michael Leytem. Die Entwicklung soll nun dokumentiert und überwacht werden. Denn solche Pflanzungen können eine Chance, aber auch ein Risiko sein, weil nicht eindeutig sei, wie das Ökosystem darauf reagiere. Um den Wald der Zukunft bestmöglich auf den Klimawandel vorzubereiten, sei aber eine Artenvielfalt unabdinglich. 

Nicht ohne Privatbesitzer

„Vor drei, vier Jahren hat, glaube ich, noch niemand daran gedacht, dass wir heute in Luxemburg schon so sehr vom Klimawandel betroffen sein würden“, sagte indes Patrick Losch, der Präsident der Stiftung Hëllef fir d’Natur von natur&ëmwelt. Was innerhalb der vergangenen Jahren in den Wäldern geschehen sei, sei dramatisch. 

Er gab zu bedenken, dass über die Hälfte der Wälder des Landes in Privatbesitz seien. Deshalb sei ein Schutz der Wälder nur mit der Unterstützung der rund 14.000 Waldbesitzer möglich. Die Zusammenarbeit mit den Privatbesitzern und vor allem, die dafür verantwortlichen Stellen, müssten deshalb weiter ausgebaut werden.

Von links nach rechts: Oberförster des Südbezirks der Natur- und Forstverwaltung, Michel Leytem, Präsident der Stifung Hellef fir d'Natur, Patrick Losch, Umweltministerin Carole Dieschbourg und der Direktor der Natur- und Forstverwaltung Frank Wolter.
Von links nach rechts: Oberförster des Südbezirks der Natur- und Forstverwaltung, Michel Leytem, Präsident der Stifung Hellef fir d'Natur, Patrick Losch, Umweltministerin Carole Dieschbourg und der Direktor der Natur- und Forstverwaltung Frank Wolter.
Foto: Guy Jallay

Die Stiftung setze aber auch selbst Aufforstungsprojekte um. Für den Artenschutz sei es notwendig  für einen Ausgleich der absterbenden Fichtenbestände zu sorgen. Als Beispiel führte er eine kleine Population des seltenen Blauschillernden Feuerfalters an. 


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Die Auswirkungen des Klimawandels hätten aber auch besorgniserregende finanzielle Folgen für Waldbesitzer, wie ein Vertreter des vom Wirtschafts- und Umweltministeriums gegründetem Wood Cluster ausführte. Das massive Fichtensterben habe die Holzpreise drastisch reduziert – von 100 auf drei Euro pro Kubikmeter. Deshalb müsste auch in der Forstwirtschaft auf verschiedene resiliente Baumarten gesetzt werden.

Durch das Massensterben der Fichten ist auch der Holzpreis stark gesunken.
Durch das Massensterben der Fichten ist auch der Holzpreis stark gesunken.
Foto: Guy Jallay

Wie die Wälder sich an zukünftige Klimabedingungen anpassen werden, wird sich allerdings nun zeigen müssen. Denn das genaue Ausmaß der Veränderungen und dessen Auswirkungen lassen sich nur bedingt vorhersagen. Am Mittwoch waren sich allerdings alle Verantwortlichen einig, dass mit Schaffung von Mischwäldern die richtigen Weichen gesetzt werden können. Diese können Witterungseinflüssen, Krankheiten oder Insektenbefall nämlich deutlich besser widerstehen als Monokulturen.

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