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Wetterbilanz 2019: Hitze, Dürre und ein Tornado
Lokales 6 Min. 06.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Wetterbilanz 2019: Hitze, Dürre und ein Tornado

Abgedeckte Dächer, Trümmer in den Straßen: Der Tornado hinterließ im Süden des Landes eine Spur der Verwüstung.

Wetterbilanz 2019: Hitze, Dürre und ein Tornado

Abgedeckte Dächer, Trümmer in den Straßen: Der Tornado hinterließ im Süden des Landes eine Spur der Verwüstung.
Foto: Laurent Blum
Lokales 6 Min. 06.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Wetterbilanz 2019: Hitze, Dürre und ein Tornado

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Temperaturrekorde im Februar, Juli und Dezember, Dürre im Sommer und ein Tornado, der Hunderte Häuser beschädigte. Das Wetter zeigte sich 2019 nicht immer von seiner besten Seite. Eine Bilanz.

Innerhalb von Sekunden hinterließ ein Tornado am frühen Abend des 9. August 2019 im Süden des Landes eine Schneise der Verwüstung. Es war zweifelsohne das markanteste Wetterereignis des vergangenen Jahres. Doch auch die Hitze – im Juli wurde der wärmste Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen registriert – und Dürre hatten im Sommer ihre Auswirkungen, führten sie doch zu gleich mehreren Bränden.

Es sind nur zwei Beispiele von vielen. Denn auch im vergangenen Jahr sorgte das Wetter wieder für reichlich Gesprächsstoff. Ein Überblick über die einzelnen Monate.

Januar: weißer Jahresanfang

Viel winterlicher hätte 2019 nicht beginnen können: Auch wenn es mit 49,6 Litern Niederschlag pro Quadratmeter etwas zu trocken war, so wurden im Januar dennoch 14 Schneetage an der Station des staatlichen Wetterdienstes in Findel gemessen. Bei durchschnittlich 0,6 Grad Celsius und 20 Tagen, an denen die Minimaltemperaturen unter dem Gefrierpunkt lagen, blieb die weiße Pracht zudem liegen: Die maximale Schneedecke betrug am letzten Tag des Monats 16 Zentimeter.


Lokales, Sommer, Sonne, Wetter, Wetterbilanz, Parc central, photo Anouk Antony
19,8 Grad: Temperaturrekord für Februar
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Februar: vorgezogener Frühling

Mit der Kälte war es im Februar schnell vorbei. Mit einer Mitteltemperatur von 5,3 Grad Celsius schaffte es der zweite Monat des Jahres auf Rang drei der wärmsten Februarmonate. Unvergessen bleibt der 27. Februar: Mit 19,8 Grad Celsius war es in Findel so warm wie nie zuvor zu dieser Jahreszeit. Einher mit den recht hohen Temperaturen gingen 151,4 Sonnenscheinstunden – fast doppelt so viele, wie vorauszusehen waren – und recht wenig Niederschlag.

März: stürmische Zeiten

Auf den frühlingshaften Februar folgte ein wechselhafter März, der zudem mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam machte. Am 4. März fiel in Blumenthal bei einem Sturm ein Baumstamm auf einen Traktor und ein Auto. Der Fahrer des Wagens verstarb an seinen Verletzungen. Keine Woche später wurde bei einem Sturm mit Windspitzen von über 100 km/h eine weitere Person verletzt. Zudem fielen einige Burgbrennen und die Kavalkade in Schifflingen dem Wind zum Opfer. Insbesondere in der ersten Monatshälfte war der Regenschirm zwar eine willkommene Begleitung. Alles in allem war es dennoch im März milder und sonniger, als dies zu erwarten gewesen wäre.

April: durchwachsene Tage

Der April weiß nicht, was er will. 2019 traf dies so zu, wie selten zuvor. Und so lösten sich nicht nur Sonne und Regen ständig ab, auch die Temperaturen fuhren mehr als ein Mal Achterbahn. Mal luden Werte von über 20 Grad Celsius dazu ein, den Tag im Freien zu verbringen und ein Eis zu genießen, mal musste bei Minusgraden die Winterjacke wieder aus dem Schrank genommen werden und ein Tee beim Wiederaufwärmen helfen.

Mai: ein Auf und Ab

Auch der Mai bot nur wenig Vorgeschmack auf den Sommer. Mit durchschnittlich 11,5 Grad Celsius war es deutlich kühler als im langjährigen Schnitt der Jahre 1981 bis 2010. Auch wenn die Temperaturen an keinem Tag unter den Gefrierpunkt fielen, so schafften sie es am Mai doch nicht richtig in die Höhe. Der wärmste Tag des Monats, der 24. Mai, war mit maximalen 22,9 Grad kühler als der wärmste Apriltag. Sonne und Regen blieben unterdessen hinter dem Soll zurück.

Juni: Sommer im Anmarsch

Was lange währt, wird endlich gut. Und so wurden spätestens im Juni jene Personen, die sehnlichst auf den Sommer gewartet hatten, belohnt. Gleich siebenmal wurden an der Wetterstation in Findel Temperaturen über 30 Grad Celsius gemessen, an neun weiteren Tagen Werte über 25 Grad. Hinzu kamen zwei Tropennächte, in denen es nicht auf unter 20 Grad abkühlte. Mit durchschnittlichen 19,5 Grad Celsius war der Juni 2019 denn auch der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1947. Hinzu kommen über 300 Sonnenscheinstunden und verhältnismäßig wenig Niederschlag.


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Juli: das große Schwitzen

Auch im Juli blieb es hochsommerlich. Am 25. Tag des Monats sogar bei 39 Grad Celsius – so warm wie nie zuvor. In der folgenden Nacht fiel das Thermometer in Findel nicht unter 24,3 Grad, auch das ist ein Rekordwert, den die zweite Hitzewelle der Saison dem Großherzogtum verschaffte. Während allerdings Temperaturen und Sonnenscheinstunden über dem Durchschnitt lagen, blieb der Niederschlag mit lediglich 17 Litern pro Quadratmeter deutlich unter dem Soll. Diese Kombination sorgte für so manches Feuer – darunter auch ein großflächiger Feldbrand in Luxemburg-Hamm, der die Einsatzkräfte bis zum Rande der Erschöpfung brachte.


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August: brutale Natur

Auch der August zeigte sich alles in allem recht sommerlich. So lagen, wie bereits in den Monaten zuvor, die Temperaturen und die Sonnenscheinstunden deutlich über dem Normwert, während es weiterhin zu trocken blieb. Somit trug der Monat August das Seine dazu bei, dass der Sommer 2019 der zweitsonnenscheinreichste und der drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. In einigen Teilen des Landes herrschte im August allerdings wenig Freude: Denn am 9. August fegte ein Tornado mit einer Windstärke von bis zu 250 km/h über Niederkerschen und Petingen und hinterließ dort eine wahre Schneise der Verwüstung.


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September: herbstliche Stunden

Pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang machte sich die Jahreszeit im vergangenen Jahr auch beim Wetter bemerkbar. War es im September zunächst noch eher sommerlich, so fiel insbesondere das letzte Drittel des Monats regelrecht ins Wasser. Dennoch blieb die Regenmenge mit 57,6 Litern pro Quadratmeter deutlich unter dem Wert des langjährigen Mittels. Die Temperaturen und Sonnenscheinstunden lagen ihrerseits hingegen leicht über dem Sollwert.

Oktober: literweise Regen

Übermäßig nass zeigte sich unterdessen der Oktober. Knapp 130 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, aufgeteilt auf 18 Tage, sind deren deutlich mehr, als zu erwarten waren. Die Natur dürfte es gefreut haben, war es doch erst der zweite Monat im Jahr 2019, an dem es nicht zu trocken war. War es 2018 bereits im Oktober zu ersten Schneefällen gekommen, so blieben diese 2019 aus. Denn für Schnee war es zu mild: An keinem Tag fielen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt.

November: grau dominiert

Dies änderte sich im November. Auch wenn es mit 4,9 Grad Celsius etwas wärmer als im langjährigen Schnitt war, so wurden in Findel doch an sieben Tagen Temperaturen im Minusbereich verzeichnet. Hinzu kamen die beiden ersten Schneetage der Saison. Insgesamt lag der Niederschlag leicht über dem Sollwert. Vielen Menschen aufs Gemüt geschlagen haben dürfte unterdessen das Dauergrau: Nur 34,8 Sonnenscheinstunden wurden an der Wetterstation gemessen. An 13 Tagen war die Sonne gar nicht zu sehen.

Dezember: wenig winterlich

Nur wenig Winterstimmung kam im Dezember auf. Denn es war einfach zu warm. So lagen die durchschnittlichen Temperaturen mit 4,3 Grad Celsius deutlich über dem Sollwert (1,8). Der 17. Dezember schlug mit maximalen 14,7 Grad alle Rekorde: So warm war es im Dezember nie zuvor. An zwei weiteren Tagen wurden Temperaturen im zweistelligen Bereich gemessen. Lediglich nachts kühlte es ab, an zehn Tagen unter den Gefrierpunkt. Die Maximaltemperaturen lagen jedoch an allen 31 Tagen über null Grad. Auch wenn an 21 Tagen Niederschlag verzeichnet wurde, so lag der Gesamtwert dennoch im Normbereich. Sonnenscheinstunden gab es etwas mehr als erwartet, wobei das Wetter insbesondere an den letzten Tagen des Jahres freundlich war.




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