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Wer nichts zahlt, ist selbst das Produkt
Lokales 2 Min. 07.05.2019

Wer nichts zahlt, ist selbst das Produkt

Wer nichts zahlt, ist selbst das Produkt

Foto: Dominic Lipinski/PA Wire/dpa
Lokales 2 Min. 07.05.2019

Wer nichts zahlt, ist selbst das Produkt

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Facebook-Gewinnspiele und Verlosungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch dahinter stecken zumeist Betrüger.

„Lisa H. hat's vorgemacht. In den nächsten Tagen werden wir wieder einen Range Rover im Wert von je 37.500 Euro verlosen“, ist auf Facebook zu lesen. Dazu sind Bilder zu sehen von einer jungen Frau neben einem Geländewagen mit roter Geschenkschleife. Um an der Verlosung teilzunehmen, reicht es, den Beitrag zu teilen und mit dem Wort „SUV“ zu kommentieren.

Verlockendes Angebot: per Mausklick zum kostenlosen Luxus-Geländewagen.
Verlockendes Angebot: per Mausklick zum kostenlosen Luxus-Geländewagen.
Foto: Screenshot / Facebook

Es ist ein Arbeitskollege, der den Traum vom Luxusauto in seiner Timeline weiterverbreitet hat – wie wohl auch Zehntausende Nutzer vor ihm. Einen Tag später im Flur auf betrügerische Facebook-Verlosungen angesprochen, weiß er gleich, worum es geht. Der Sachverhalt ist ihm also dennoch bekannt. Trotzdem, gelernt hat er daraus nicht wirklich, denn mittlerweile versucht er auf gleiche Weise, eines von zehn e-Bikes im Wert von je 2.500 Euro zu gewinnen.

Kein Risiko? Doch!

Derartige Gewinnspiele und Verlosungen haben in sozialen Netzwerken Hochkonjunktur. Mal gibt es Wohnmobile, Autos, Handys, Laptops, Kopfhörer mal auch nur Freikarten für Freizeitparks zu gewinnen. Aber hinter den verlockenden Angeboten stecken sehr oft Betrüger. Zu gewinnen gibt es dann nichts, zu verlieren unter Umständen viel.


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Im Internet wie auch im wahren Leben sollte man eine Grundregel nicht außer Acht lassen: Wer nichts zahlt, ist selbst das Produkt.

In der harmloseren Variante geht es darum, durch eine Konsumententäuschung den Wert einer Facebook-Seite zu erhöhen. Je mehr Likes, Comments und Shares eine Seite bekommt, desto höher wird ihr Marktwert. Angebliche Gewinnspiele sind da natürlich ein vielversprechender Weg zum Ziel.

Hat die Facebook-Seite die gewünschte Reichweite erreicht, werden Inhalt und Titel gelöscht und die Page meistbietend verkauft. Teilweise sogar auf Ebay. Wer dahinter steckt, ist kaum auszumachen.

Die Sache mit dem Formular

Hinter der Gewinnspielmasche können sich aber auch andere, viel böswilligere Absichten verbergen. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn die vermeintlichen Lotterie-Teilnehmer auf einmal persönlich kontaktiert werden. In einer kurzen Nachricht werden sie dann aufgefordert, auf einen Link zu klicken, um die Wettbewerbsteilnahme zu bestätigen – oder möglicherweise auch, um ein Teilnahmeformular auszufüllen.


Das Geschäft mit den Klicks
Geld in den sozialen Netzwerken verdienen? Längst schon möglich, wie das Beispiel der „Influencer“ zeigt. Diese Menschen, die für Firmen und Produkte im Internet werben, werden für ihre Aktivitäten auf Instagram, Snapchat und Co. bezahlt. Und zwar richtig gut.

Wohin dieser Link führt, ist aber auf den ersten Blick nicht erkennbar. So ist es sehr leicht, dahinter einen Trojaner zu starten – einen Virus, der dann den Computer oder das Smartphone infiziert.

In einem anderen Szenario müssen Benutzer, nachdem sie auf den Link geklickt haben, in einem neu aufgehenden Internet-Fenster plötzlich ihren Facebook-Nutzernamen und ihr Passwort erneut eingeben. Dass sie sich längst nicht mehr auf Facebook befinden und gerade Fremden ihre Zugangsdaten, die möglicherweise auch bei anderen Anwendungen genutzt werden, preisgegeben haben, fällt dabei zunächst nicht auf. Die Betrüger haben nun aber zumindest freien Zugang zum Facebook-Profil.

Datenklau und Abofallen

Folgt auf den Link tatsächlich ein Formular, ist davon auszugehen, dass sich dahinter organisierter Datenklau verbirgt. Informationen wie Name, Vorname, Geburtsdatum, Wohnadresse, E-Mail-Adresse und Handynummer können von Menschen mit schlechten Absichten auf vielerlei Art und Weise benutzt werden.

Und auch hierzu gibt es noch eine weitere Variante, die Nutzer teuer zu stehen kommen kann: Hinter Formularen und ellenlangen Allgemeinen Geschäftsbedingungen können sich nämlich auch Abofallen verbergen.

Wer sich selbst und seine Facebook-Freunde schützen will, sollte demnach von dubiosen Gewinnspielen Abstand halten. Und auch jenseits der virtuellen Welt gilt es, achtsam zu sein und stets das Kleingedruckte zu lesen.


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