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Wer nicht hören will, ...
Lokales 3 Min. 29.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Mord in Brasilien

Wer nicht hören will, ...

Am Donnerstag werden erstmals die Ermittler der Kriminalpolizei zu Wort kommen.
Mord in Brasilien

Wer nicht hören will, ...

Am Donnerstag werden erstmals die Ermittler der Kriminalpolizei zu Wort kommen.
Foto: Steve Remesch
Lokales 3 Min. 29.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Mord in Brasilien

Wer nicht hören will, ...

Es ging wohl ums Geld und nicht um Liebe: Henri Z. aus Senningerberg sollte nie wieder von seiner Hochzeitsreise aus Brasilien zurückkehren. Bereits bei der Heirat kamen Freunden und Verwandten Zweifel an den Absichten der Braut.

(dhay) - Es ging wohl ums Geld und nicht um Liebe: Henri Z. aus Senningerberg sollte nie wieder von seiner Hochzeitsreise aus Brasilien zurückkehren. Bereits bei der Heirat kamen Freunden und Verwandten Zweifel an den Absichten der Braut. Sehr verdächtig machten sich Tania M. und ihr Sohn Diego aber auch durch ihre Lügen.

Am Mittwoch, am dritten Verhandlungstag im Mordfall des 71 Jahre alten Luxemburgers, der in Brasilien durch mehrere, aus nächster Nähe abgefeuerte Kopfschüsse ermordet wurde, wurden lediglich zwei weitere Zeugen angehört. Bei ersterem wurde die Befragung des Vortages fortgesetzt.

Hierbei handelt es sich um den Noch–Ehemann der Angeklagten Tania M. Er wies während seiner Befragung durch den vorsitzenden Richter Prosper Klein und die drei Anwälte umfangreiche Gedächtnislücken auf. Er weigerte sich zudem, auf die Frage zu antworten, ob er seine Frau fähig und in der Lage glaubt, einen solchen Mord vorzubereiten und ausführen zu lassen.

Der Zeuge selbst hat das Opfer nicht sehr gut gekannt. Es habe nur ein längeres Gespräch zwischen ihnen gegeben, sagt er. Das habe auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen stattgefunden, als er das spätere Opfer, dessen Ehefrau sowie seine eigene Frau zum Flug nach Brasilien brachte.

Guter Rat ist teuer

Auf dem Weg dorthin habe er – er ist selbst ein regelmäßiger Brasilien-Urlauber – das Opfer darauf aufmerksam gemacht, es in Brasilien doch besser zu unterlassen mit seinem Vermögen zu prahlen. Die dortige Bevölkerung sei recht arm. Den gut gemeinten Ratschlag, seinen Reichtum nicht zu sehr nach außen zu tragen, habe der ältere Mann leichtfertig abgewunken. Keine der beiden Frauen habe sich im Auto zu diesem Thema geäußert.

Wie sich im weiteren Verlauf der Verhandlung zeigte, wurde das spätere Mordopfer auch mehrmals von Ortskundigen darauf aufmerksam gemacht, dass es sehr bedenklich sei, in dieser sehr gefährlichen Gegend abends alleine spazieren zu gehen. Doch auch diese Warnung schlug er in den Wind und entfernte sich fast fünf Kilometer in nördlicher Richtung vom Hotel. In dieser unbewohnten und unbeleuchteten Gegend, abseits der Hauptstraße, wurde ihm seine unerschütterliche Selbstsicherheit zum Verhängnis.

Der Zeuge traut dem sportlichen Opfer zu, es darauf angelegt zu haben, die zwei Angreifer, die ihn vier Tage zuvor dort mit einem Messer angegriffen hatten, erneut zu konfrontieren. Nach diesem ersten Überfall war er im Wasser liegen geblieben und hatte sich tot gestellt. 

Rückkehr hätte Mord womöglich verhindert

Als der Zeuge durch Diego M., dem Sohn seiner Frau, davon erfuhr, schaltete er die „Luxembourg Air Rescue“ ein. Diese sollte das Opfer schnellstmöglich zurück in die Heimat fliegen. Eine Überprüfung im Krankenhaus überzeugte die Verantwortlichen der Luxemburger Flugrettung allerdings davon, dass die Verletzungen nicht so schlimm seien. Der Mann könne die Heimreise sehr wohl in einem regulären Passagierflugzeug antreten.

Vom unnatürlichen Tod von Henri Z. aus Senningerberg erfuhr der Zeuge durch seine Frau Tania M. Bizarr fand er nur, dass seine Frau anderen Menschen gesagt hatte, das Opfer sei an Prostatakrebs gestorben. Der zweite Zeuge, ein Cousin des Opfers und einziger Hochzeitsgast aus dem Familienkreis hob wie andere Zeugen vor ihm ebenfalls hervor, dass es wohl keine echten Gefühle zwischen den Frischvermählten gegeben habe. Er umschrieb deren Beziehung als kalt und distanziert.

Der Anwalt von Tania M. ließ überdies verlauten: „Tout est basé sur les écoutes“. Daher verspricht der Verhandlungstag am Donnerstag vielversprechend zu werden, da ausschließlich die Ermittler zu Wort kommen sollen. Alle weitere Zeugen werden erst kommende Woche in den Zeugenstand gerufen. Bislang war nämlich nur sehr wenig über die Tat selbst und die Ermittlungen zu erfahren.


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