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Wer Helfer hindert, riskiert Haft
Seit dem 1. Januar dieses Jahres wurden Mitarbeiter der Rettungsdienste bereits 27 Mal verbal angegriffen, 
körperlich attackiert oder mit einer Waffe bedroht.

Wer Helfer hindert, riskiert Haft

Foto: Gerry Huberty
Seit dem 1. Januar dieses Jahres wurden Mitarbeiter der Rettungsdienste bereits 27 Mal verbal angegriffen, 
körperlich attackiert oder mit einer Waffe bedroht.
Lokales 2 Min. 27.06.2018

Wer Helfer hindert, riskiert Haft

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Sie kommen, um zu helfen. Doch werden die Rettungskräfte im Einsatz auch immer wieder beschimpft, angegriffen, bedroht. Künftig stehen darauf bis zu 10 000 Euro Strafe und bis zu fünf Jahre Haft.

Ausschlaggebend war ein besonders schlimmer Vorfall im Mai vergangenen Jahres in Differdingen. Ein Mann hatte damals drei Mitarbeiter der Rettungsdienste über eine Stunde lang in seiner Wohnung festgehalten und sie mit einem Messer bedroht. Die Sanitäter erlitten Todesangst.

Zu Angriffen auf die freiwilligen und hauptberuflichen Helfer der Services de secours kommt es regelmäßig. Seit Jahresbeginn wurden laut Innenminister Dan Kersch bereits 16 verbale Aggressionen gegen Mitarbeiter der Rettungsdienste verzeichnet, neun Fälle von körperlicher Gewalt und zwei Situationen, in denen Einsatzkräfte mit einer Waffe bedroht wurden. Eine Entwicklung, auf die die Politik nun mit einem entsprechenden Eintrag im Strafgesetzbuch reagiert.

Breiter Handlungsspielraum

Wer demnach die Rettungskräfte an ihrer Arbeit hindert, indem er sie angreift oder bedroht, der riskiert künftig eine Geldstrafe von 251 bis 10 000 Euro und acht Tage bis fünf Jahre Haft. Wie Justizminister Felix Braz erklärt, gilt dasselbe Strafmaß laut Code pénal bereits heute bei den sogenannten „Abstentions coupables“, sprich, wenn jemand einem Menschen in Gefahr nicht hilft, obwohl er die Gelegenheit dazu hätte. Einen spezifischen Eintrag für den Fall, dass man sogar verhindert, dass Hilfe ankommt – indem man eben die Rettungskräfte angreift – gab es bislang aber nicht.


Nationalfeiertag 2018/Fête nationale 2018/PARADE/ Photo: Blum Laurent
Die Jahrhundertreform
Am 1. Juli ist offiziell die Reform des Rettungswesens in Kraft getreten: Feuerwehren und Zivilschutz sind im "Corps grand-ducal d'incendie et de secours" vereint. Bis dahin war es ein langer Weg.

„Ziel ist es, sicherzustellen, dass eine Person, die Hilfe benötigt, diese auch bekommt, und gleichzeitig die Einsatzkräfte zu schützen“, so Felix Braz. Angesichts des breiten Spielraums, den das Gesetz vorsieht, sei es zudem möglich, jeweils die spezifische Situation zu beurteilen – unter der Berücksichtigung der Konsequenzen, die das Fehlverhalten des Beschuldigten letztendlich mit sich gebracht hat.

Die Gesetzesanpassung ist eine von mehreren Maßnahmen, mittels derer man dem mitunter aggressiven und respektlosen Verhalten gegenüber den Rettungshelfern entgegenwirken will. Unter dem Motto „Respektéiert déi, déi Iech hëllefen“ hatte das Innenministerium erst vor wenigen Wochen zusammen mit den Services de secours die Kampagne #Respekt112 lanciert.

Interne Notrufprozedur verbessert

Laut dem Direktor der Verwaltung der Rettungsdienste, Paul Schroeder, werden die Einsatzkräfte im Zuge der neuen Ausbildungen des Corps grand-ducal d'incendie et de secours (CGDIS), das am 1. Juli operationell wird, zudem verstärkt auf brenzlige Situationen vorbereitet. Deeskalationsstrategien werden in die Basisausbildung der Helfer integriert.

Dan Kersch zufolge sei ferner die juristische und psychologische Nachbetreuung der Betroffenen verbessert worden – und die interne Notrufprozedur bei den Rettungsdiensten adaptiert. Letzteres mit Erfolg, wie sich bereits herausstellen musste. Erst vor wenigen Tagen sei es nämlich erneut zu einem Zwischenfall gekommen, bei dem zwei Helfer attackiert wurden – diesmal im Norden des Landes. Dank des verbesserten Verfahrens seien zusätzliche Kollegen und die Polizei binnen weniger Minuten zur Verstärkung vor Ort gewesen.


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