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Wer darf welche Waffe besitzen?
Lokales 4 Min. 10.01.2013

Wer darf welche Waffe besitzen?

Insgesamt besitzen 15 670 Einwohner in Luxemburg einen Waffenschein.

Wer darf welche Waffe besitzen?

Insgesamt besitzen 15 670 Einwohner in Luxemburg einen Waffenschein.
Foto: Steve Remesch
Lokales 4 Min. 10.01.2013

Wer darf welche Waffe besitzen?

Über 86 000 Waffen in Luxemburg? Für Justizminister Biltgen ist diese Zahl schlicht ''alarmierend''. Wie kann man sich eine Waffe in Luxemburg beschaffen:  wort.lu hat nachgefragt.

(thi) - Über 86 000 Waffen in Luxemburg? Die Zahl mag überraschen und erschrecken. Für Justizminister François Biltgen ist diese Zahl schlicht ''alarmierend''. Wie kann man sich eine Waffe in Luxemburg beschaffen und welche Waffen sind frei zugänglich? wort.lu hat nachgefragt.

Am Dienstagabend meldete das Justizministerium, dass zum 1. Januar dieses Jahres 86 427 Waffen in Luxemburg im Umlauf sind. Seit zehn Jahren sei das Waffenarsenal in Luxemburg um 16,32 Prozent  gestiegen, hieß es weiter. Insgesamt besitzen 15 670 Einwohner in Luxemburg einen Waffenschein.

Doch wer besitzt welche Waffen in Luxemburg? Ein Waffenhändler in Luxemburg beschreibt auf Nachfrage von wort.lu seine Kundschaft: ''40 Prozent unserer Kunden sind Sportschützen, 40 Prozent sind Jäger und 20 Prozent sind Waffensammler''. Welche Waffen dürfen Privatpersonen besitzen? ''Ohne Waffenschein sind nur Luftdruckwaffen, Gewehre und Pistolen mit einer Geschossenergie von weniger als 7,5 Joule zugelassen'', erklärt der Waffenmeister. Der Besitzer muss sich aber an bestimmte Bedingungen halten. Waffen zwischen 05 und 7,5 Joule Geschossenergie sind ohne Einschränkungen zu kaufen. Über 7,5 Joule ist eine Genehmigung erforderlich.

Will ein Jäger oder ein Sportschütze sich eine andere Waffe zulegen, muss dieser strikte Prozeduren einhalten. ''Will ein Kunde eine Waffe bei uns kaufen, müssen wir beim Justizministerium eine Genehmigung anfragen'', sagt der Waffenhändler. ''Das Ministerium untersucht die Anfrage und übermittelt diese an die Polizeibehörden. Diese hören sich den Antragsteller in einer weiteren Phase an, überprüfen dessen Strafregister und übermitteln dem Justizministerium ein Gutachten. Dann erst können wir dem Kunden seine Waffe liefern. Es kann vorkommen, dass unseren Kunden diese Erlaubnis verweigert wird.''

Der Gebrauch und der Transport der gekauften Waffe ist wiederum stark reglementiert. Entweder besitzt der Eigentümer einen Jagdschein oder eine Mitgliedskarte eines Schießvereins. Das erste Jahr darf der Neuling nur mit einem Kaliber 22 schießen, dann erst kann zu größeren Kalibern gegriffen werden.

Scharfe Kontrollen und strenges Waffengesetz

''Die Kontrollen zum Waffenkauf sind strenger als bei einem Motorradkauf, mit dem der Besitzer mit 200 km/h über unsere Straßen flitzen kann'', erzählt der Waffenhändler.

''Wir haben eines der strengsten Waffengesetze in Europa'', beurteilt der Waffenhändler, der daran erinnert, dass bis November 2011 für kleine Luftdruckwaffen in Luxemburg eine Genehmigung notwendig war.

Waffen im Umlauf haben innerhalb der Bevölkerung immer noch etwas Beängstigendes. Die angeführte Zahl von 86 427 Waffen muss relativiert werden, so Paul Frauenberg, Vorsitzender der Luxemburger Vereinigung der ''Armuriers et négociants d'armes''. In Luxemburg werden seit rund fünfzehn Jahren, sämtliche eingetragenen Waffen nach Art und Typ zentral registriert. ''Die Kontrolle wer welche Waffe hier in Luxemburg hat, ist durch dieses Register vereinfacht'', beurteilt Frauenberg.

Minister Biltgen will eine Diskussion über das bestehende Jagdgesetz ins Leben rufen. Paul Frauenberg wundert sich über dieses Vorhaben. ''Wir haben ein sehr gutes und transparentes Gesetz, da in Luxemburg alles kontrolliert wird.''

Gleich nach der Bekanntgabe vom Justizministerium, erinnerte die Polizei in einer Mitteilung am Dienstag, dass außer den Schusswaffen und Luft- und Gasdruckwaffen die einer ministeriellen Genehmigung unterliegen, alle andere Arten verboten sind. Darunter fallen Hieb- und Stichwaffen, Schlagwaffen, sowie Reizgas, Tränengas, Elektroschocker und Pfefferspray.

Da im Ausland, zum Beispiel in Frankreich, verschiedene in Luxemburg verbotene Artikel zum freien Verkauf angeboten werden, haben sich die Waffenhändler jenseits der Grenze auf diesen wohl eher lukrativen Markt spezialisiert. Verschiedene ausländische Kunden, die auf der Suche nach einer Schuss- oder Jagdwaffe sind, wollen ihre Einkäufe in Luxemburg erledigen. Der von wort.lu-befragte Waffenhändler bestätigt diesen Trend.

''Die Hälfte meiner Kunden kommen aus dem nahen Ausland. Auch diese müssen für ihre Waffe eine ministerielle Genehmigung in Luxemburg beantragen, zusätzlich zu einer Anfrage in ihrem Heimatland''. Ob sich Luxemburger im nahen Ausland verbotene Waffen besorgen, bleibt ungeklärt.

Pfefferspray ist verboten

''Viele Menschen wissen nicht, dass zum Beispiel der Besitz von Pfefferspray in Luxemburg verboten ist'', bedauert Vic Reuter. Der Pressesprecher der Polizei erinnert daran, dass allein im Jahr 2012 in 491 Fällen 1 826 Waffen beschlagnahmt wurden. Im Visier der Beamten waren vor allem Messer, Schlaggeräte, Sprays und Elektroschocker. Nach Feuerwaffen wurde in den seltensten Fällen gesucht.

Henri Eippers, Pressesprecher der Luxemburger Justiz, bestätigt: ''Hieb- und Stichwaffen werden bei Delikten öfter eingesetzt als Schusswaffen. Diese Tendenz ist seit ein paar Jahren zu verfolgen''.

Die Zahl der illegalen Waffen im Umlauf in Luxemburg bleibt weiterhin schwer einzuschätzen. Laut Paul Frauenberg, kann man davon ausgehen, dass es pro angemeldete Waffe gleich doppelt soviele illegale gibt. ''Der Waffenschwarzmarkt, obwohl es ihn sicherlich gibt, gehört nicht zu unseren obersten Prioritäten'', berichtet Henri Eippers.


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