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Wenn Mensch und Wespe sich in die Quere kommen
Lokales 4 Min. 25.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Wenn Mensch und Wespe sich in die Quere kommen

In Luxemburg gibt es 296 Wespenarten. 15 davon leben in Kolonien zusammen. Für die meisten Konflikte mit dem Menschen sind die Gemeine und die Deutsche Wespe (siehe Foto) verantwortlich.

Wenn Mensch und Wespe sich in die Quere kommen

In Luxemburg gibt es 296 Wespenarten. 15 davon leben in Kolonien zusammen. Für die meisten Konflikte mit dem Menschen sind die Gemeine und die Deutsche Wespe (siehe Foto) verantwortlich.
Foto: Volker Bingenheimer
Lokales 4 Min. 25.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Wenn Mensch und Wespe sich in die Quere kommen

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Wespen verlassen momentan ihre Nester und sind auf Nahrungssuche. So sieht es nach einer hohen Anzahl aus, jedoch ist der Bestand am Abnehmen.

Jeden Sommer beginnt er aufs Neue. Der Kampf mit den Wespen um Eiscreme, Cola und andere Lebensmittel. Und irgendwie kommt dann auch fast jährlich die gleiche Frage auf: „Sind es dieses Jahr nicht besonders viele?“

Diese Frage stellte sich auch der Déi Gréng-Abgeordnete François Benoy und richtete sie in Form einer parlamentarischen Anfrage an Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) und Innenministerin Taina Bofferding (LSAP). Eine wissenschaftlich fundierte Antwort erhält er aber nicht, jedoch eine Erklärung für möglicherweise steigende Populationen. Es gebe noch keine wissenschaftlichen Beobachtungen, jedoch sei nicht auszuschließen, dass der Klimawandel einen leichten Anstieg der Wespenpopulationen zur Folge haben kann, erklären die Ministerinnen. 

Lange, warme und trockene Sommer fördern die Entwicklung von Wespen. Sind die Winter mild und trocken können die jungen Königinnen diese besser überleben. Jedoch sind noch weitere Mechanismen für die Regulierung des Bestandes verantwortlich, sodass eine längere Periode beobachtet werden müsse. 

Arbeiterwespen auf Nahrungssuche

Jede Wespenkolonie, die zu den sozialen Faltenwesen gehört, lebt nur ein Jahr und entwickelt sich besonders gut in warmen und trockenen Sommern. Die Arbeiterwespen verbringen einen Großteil ihres Lebens damit, die Larven mit Insekten oder Aasstücken zu füttern. Am Ende des Sommers reduziert sich die Anzahl der von der Königin gelegten Eier drastisch. Die Anzahl der Larven die gefüttert werden müssen sinkt. Nun verbringen die Arbeiterwespen ihre Zeit außerhalb der Nester, auf der Suche nach zuckerhaltigen Flüssigkeiten, um sich zu stärken. 

Aus diesem Grund sind die Wespen dann häufiger zu sichten, selbst wenn die Kolonie bereits dabei ist zu verschwinden. Am Ende der Saison sterben alle Wespen, mit Ausnahme der neuen Königinnen, die auf der Suche nach einem Unterschlupf sind, um zu überwintern. Ist der Winter regenreich und streng, so stirbt die Mehrheit der jungen Königinnen in dieser Periode. 

Zerstörung der Nester als letzte Alternative

Der Abgeordnete möchte zudem wissen, was zu tun ist, wenn Wespen ein Nest in unmittelbarer Nähe zum Menschen gebaut haben und wie häufig die Rettungskräfte solche entfernen müssen. Die Ministerinnen weisen darauf hin, dass sie bislang lediglich die Zahlen bis 2017 haben, da danach das CGDIS verantwortlich für die Entfernung der Nester wurde. Das aber nur für sehr seltene Fälle. Die Zahlen hier sind noch nicht ausgewertet. 2016 war es zu 2.073 Interventionen gekommen bei der eine Evakuierung oder Zerstörung eines Wespennestes erforderlich war. 2017 waren es 3.751 Einsätze.


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Das CGDIS entfernt nur noch Wespennester im Falle, dass kein anderer Anbieter gefunden werden kann, oder wenn Personen in Gefahr sind. Aus diesem Grund wurden die Mitarbeiter auch darüber aufgeklärt, dass alle Anfragen für die Zerstörung eines Wespennestes an die zuständigen ökologischen Dienstleister, wie etwa das Wespenberaternetzwerk von natur&ëmwelt, weitergeleitet werden. Muss ein Nest zerstört werden, passiert dies mit Insektiziden, die auch von der Umweltverwaltung zugelassen werden mussten.

Für Fragen rund um Wespennester hat natur&ëmwelt ein Netzwerk gebildet, das im vergangenen Jahr 25 freiwillige Berater umfasste. Sie hatten in der ersten Saison zwischen Mai und Oktober 1.200 Anfragen behandelt. Es stellte sich heraus, dass in drei Viertel der Fälle informieren und sensibilisieren ausreichte. Einfachste Umleitungen der Fluglinien der Wespen lösten bereits häufig das Problem. Nur bei einem Fünftel der Fälle musste das Nest entfernt oder zerstört werden. 

Nicht immer die gleichen Vorkehrungen

Was bei einem Wespennest unternommen werden kann, ist unterschiedlich, da sich auch die Wespenarten selbst unterscheiden. Oft hilft es die Fluglinie der Insekten mit Bettlaken oder Insektenschutzgittern zu beeinflussen. Manche Wespen, wie etwa die Langkopfwespe, haben nur einen sehr kurzen Lebenszyklus. So kann es helfen, den Ort wo sie sich befinden einfach zu meiden. In seltenen Fällen kann eine Umsiedlung des Nestes eine Lösung sein.


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Für die Mehrheit der Konflikte sind aber die Gemeine und die Deutsche Wespe verantwortlich. Hier gibt es weniger Lösungen. Die Nester unter den Dächern oder in den Rollladenkästen gelten meist als am problematischsten. Jedoch kann das Anbringen eines Insektengitters am Fenster bereits das Problem lösen. Während das Nest bewohnt ist, sollen die Rollläden nicht bewegt werden. Befindet sich ein Nest dieser Wespenarten im Boden, soll der Bereich gut gekennzeichnet und abgesichert werden. Die Entfernung von Nestern dieser Wespenarten ist in manchen Fällen möglich, jedoch ist dabei Erfahrung gefragt und es wird als letzte Möglichkeit angesehen. 

In seiner letzten Frage informierte sich François Benoy dann auch darüber, ob die Firmen, welche sich um die Entfernung der Wespennester kümmern, denn auch eine Zulassung benötigen und welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen. Wie die beiden Ministerinnen wissen lassen, ist keine Zulassung für solche Firmen notwendig. Die Produkte, also Insektizide, die verwendet werden unterliegen einer europäischen Reglementierung. 

Die Wespenberater der Naturschutzorganisation natur&ëmwelt sind unter der Nummer 621 969 444  zu erreichen. 

www.naturemwelt.lu


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