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„Wenn euer Glaube solche Taten ermöglicht, dann ist er lebendig.“ : Jugenkolumne: Das Leben der Armen teilen
Lokales 2 Min. 19.08.2017 Aus unserem online-Archiv

„Wenn euer Glaube solche Taten ermöglicht, dann ist er lebendig.“ : Jugenkolumne: Das Leben der Armen teilen

„Wenn euer Glaube solche Taten ermöglicht, dann ist er lebendig.“ : Jugenkolumne: Das Leben der Armen teilen

Lokales 2 Min. 19.08.2017 Aus unserem online-Archiv

„Wenn euer Glaube solche Taten ermöglicht, dann ist er lebendig.“ : Jugenkolumne: Das Leben der Armen teilen

Diese Geschichte muss ich einfach erzählen. Meine beiden Schwestern haben sich für ein Leben in einem ganz besonderen Kloster entschieden und so teilen sie das Leben der Armen, schreibt Paul Galles in seiner Jugendkolumne.

Diese Geschichte muss ich einfach erzählen. Zumal sie aus meiner Familie stammt und mich zutiefst berührt.

Ich habe zwei Schwestern. Beide haben sich für ein Leben in einem ganz besonderen Kloster entschieden. Mit ihrer Gemeinschaft teilen sie das Leben der Armen. Der Menschen auf der Straße. Jener, die alleine sind. Oder die verzweifelt sind. Sie beten für sie, begegnen ihnen, haben Zeit für sie, teilen das Essen mit ihnen. Jetzt kam eine neue Aufgabe hinzu.

Meine ältere Schwester lebt in Kansascity in den USA, wo viele Mexikaner aus sehr ärmlichen Verhältnissen sich niedergelassen haben. Auf Umwegen hat sie immer wieder Kontakt bekommen mit Menschen, die zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Einer von ihnen sogar zum Tode. Es sind Menschen, von denen einige denken: „Selber schuld!“ Nicht so meine Schwester. Sie hat hinter die Kulissen der Familien gesehen. Sie hat die Spirale der Ungerechtigkeit erlebt. Mittellose Eltern, schlechte Ausbildung, kein Job, Frustration, Drogen, Gang, Lebensgefahr … Eine Spirale, die es überall gibt, aber die nur wenigen von uns bewusst ist.

Selber schuld?“ „Nein!“, sagte sich meine Schwester mit ihrer Gemeinschaft. Sie haben begonnen, in die Gefängnisse zu gehen, um diese Menschen zu treffen. Harte Burschen wie in „Prison Break“. Um ihnen zu zeigen, dass es noch jemanden gibt, dem sie wichtig sind. Nicht fallen gelassen und vergessen. Sondern immer noch wichtig. Oder wie es in der Bibel steht: „Wertvoll in den Augen Gottes! (vgl. Jesaja 43,4)

Foto: Guy Wolff

Ich bin immer wieder sehr beeindruckt. Als meine Schwester mir erzählt hat, dass sie einen Häftling bis zum Tag der Hinrichtung begleiten durfte, trieb es mir die Tränen in die Augen. Weil dies ein Ausdruck einer unendlichen Liebe ist. Oder wie Jesus es sagte: „Was ihr einem der unauffälligsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, bedenkt, ihr habt es für mich getan!“ (vgl. Matthäus 25,40). Es sind Taten voller Hoffnung, voller Erlösung, voller Segen. Oder wie meine Schwester es am Telefon sagte: „Jeder lebt nur einmal! Dieses eine Leben müssen wir bis zum Äußersten verteidigen!“

Ich habe ihren Alltag ab und an für ein paar Tage geteilt. In Kansascity und in Wien bei meiner jüngeren Schwester. Was ich gesehen habe, hat mich verändert. Es hat mir gezeigt, dass meine Schwestern viel mutiger sind als ich. Und es hat mich daran erinnert, welche Menschen mir zur Seite standen, als ich „arm dran“ und verzweifelt war. Und vor allem hat es mich daran erinnert, wie viel Potenzial in den jungen Menschen steckt. Denn in die Gemeinschaft meiner Schwestern treten viele junge Menschen ein.

Und bei „Pimp my church“ und „Young Caritas“ und überall sonst habe ich immer versucht, euch, den Jugendlichen, etwas mit auf den Weg zu geben: Wenn euer Respekt auch die Verachtetsten der Gesellschaft einschließt, dann ist er wirklich stark! Wenn euer Glaube solche Taten ermöglicht, dann ist er lebendig. Oder anders gesagt: Vergesst die Armen nicht! Wer an die Armen denkt, der ist wirklich der Freund aller Menschen!

Paul Galles, Dr. theol., Projektmanager bei Young Caritas Luxemburg, paulgalles@gmail.com, www.youngcaritas.lu

Der Autor ist über E-Mail: paulgalles@gmail.com sowie über Briefe an die Zeitung – Redaktion Glaube und Leben – und/oder soziale Netzwerke zu erreichen.

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