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Wenn es nicht mehr dunkel wird
Lokales 3 Min. 28.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Wenn es nicht mehr dunkel wird

Die Lichtverschmutzung behindert den freien Blick auf den Sternenhimmel.

Wenn es nicht mehr dunkel wird

Die Lichtverschmutzung behindert den freien Blick auf den Sternenhimmel.
Lex Kleren
Lokales 3 Min. 28.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Wenn es nicht mehr dunkel wird

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Seit der Veröffentlichung der Dark Sky Studie im Jahre 2016 ist klar, dass auch Luxemburg ein Problem mit Lichtverschmutzung hat. Das Nachhaltigkeitsministerium setzt nun auf freiwillige Einschränkungen.

 Seit der Veröffentlichung der Dark Sky Studie im Jahre 2016 ist klar, dass auch Luxemburg ein Problem mit Lichtverschmutzung hat. Das Nachhaltigkeitsministerium setzt nun auf freiwillige Einschränkungen. Die Polemik um das CFL-Containerterminal in Bettemburg hatte die Problematik regelrecht ans Licht gebracht: Taghelle Beleuchtung während der Nachtstunden sorgte dort bei den Anwohnern für schlaflose Nächte.

„Wir haben das Problem mit den Verantwortlichen der CFL besprochen und die Gesamtbeleuchtung durch einzelne Maßnahmen bereits um 20 bis 25 Prozent reduzieren können“, so der frisch ins Amt des Staatssekretärs für Umwelt eingeführte Claude Turmes. Weil man die Problematik aber in ihrer Gesamtheit erkannt hat, wurde bereits 2016 eine Studie in Auftrag gegeben.

Hell wie zwei Vollmonde

Die Organisation Dark Sky Switzerland stellte damals fest, dass das Thema Lichtverschmutzung in Luxemburg bisher unterschätzt wurde. So belasteten 20 Prozent der Gemeinden die Umwelt mit einer durchschnittlichen Leuchtdichte von zwei Vollmonden oder mehr. Das Beleuchtungsniveau liegt also permanent über dem natürlichen Helligkeitsgrad.


In Düdelingen wird die Nacht zum Tage.
Lichtverschmutzung in Bettemburg
Der Mouvement écologique kritisiert die taghellen Nächte rund um die multimodale Plattform der CFL bei Düdelingen. Verlangt wird jetzt ein Beleuchtungskonzept, um die Lichtverschmutzung einzuschränken.

Das bleibt nicht ohne Folgen für Mensch und Tier. Das Kunstlicht destabilisiert die natürlichen Rhythmen und führt zu massenhaftem Insektensterben. Doch auch das Flugverhalten von Vögeln und die Psyche des Menschen werden durch das Fehlen natürlicher Dunkelheit durcheinander gebracht. Dank der Studie konnten aber auch besonders problematische Orte wie Sportplätze, Haftanstalten, Autobahnen, Parkplätze oder Industriegebiete ausfindig gemacht werden

Acht konkrete Empfehlungen

„Um den Gemeinden eine Handhabe zu geben, mit dessen Hilfe sie konkrete Maßnahmen ergreifen können, haben wir einen Leitfaden mit einer Reihe von Empfehlungen erarbeitet“, so Turmes. Der deutsche Experte Uwe Kappschneider zeichnet für die Broschüre verantwortlich. Nach Absprache mit einer Reihe von Ministerien, Verwaltungen und Kommunen konnten schließlich die wichtigsten Empfehlungen zurückbehalten werden.

„Es geht hier in erster Linie darum, zu überprüfen für welche Zwecke die Beleuchtung eingesetzt wird. Dann prüfen wir, welche Intensität und welcher Zeitraum überhaupt zweckmäßig sind. Da kann dann bereits mit Anpassungen sehr viel korrigiert werden“, so Kappschneider. Ziel bleibt dabei immer eine Reduktion der Lichtverschmutzung, die daraus folgende Energieersparnis und eine Reduktion der Kosten sowie eine Verbesserung des Komforts, ohne aber auf Sicherheitsaspekte zu verzichten.

Vor allem soll das Licht bedarfsgerecht eingesetzt werden. So wird geprüft, welche Straßenabschnitte dauerhaft beleuchtet werden müssen, ob eine Ausleuchtung von Parkwegen sinnvoll ist oder die Objektbeleuchtung von historischen Gebäuden nicht diskreter erfolgen kann. Aber nicht nur Schaufenster und Straßenbeleuchtung schaffen Probleme, auch der zunehmende Einsatz von Beleuchtungsanlagen an Privathäusern muss infrage gestellt werden. „Hier sollte man die Notwendigkeit hinterfragen oder aber das Licht zeitlich und räumlich begrenzen,“ so Kappschneider.

Warmes statt kaltes Licht

Aber auch technische Kniffe können die Problematik bereits entschärfen: Blenden, die verhindern, dass das Licht nach allen Seiten abstrahlt oder der Einsatz von sogenanntem warmweißen Licht. Dieses wirkt deutlich weniger anziehend auf Insekten als taghelles, kaltes Weißlicht. „Wir informieren die Gemeinden und Städteplaner im Rahmen eines Seminars, zugleich haben wir aber auch konkrete Aktionen angeschoben“, so Claude Turmes. So wurde in Siebenaler bereits im Jahre 2012 in Zusammenarbeit mit der Straßenbauverwaltung die komplette Straßenbeleuchtung umgestellt.

„Ähnliche Projekte sind für die Aire de Berchem, die Liaison Micheville oder noch den Ban de Gasperich geplant oder bereits ausgeführt. Entlang der A 6 zwischen Strassen und Gasperich werden insgesamt 150 Straßenlampen durch LEDs ersetzt werden. Allgemein wird die Straßenbauverwaltung das Thema Lichtverschmutzung bei künftigen Projekten berücksichtigen. Im Naturpark Our wird zudem mit dem Projekt Night Light ein interregionaler Aktionsplan gegen Lichtverschmutzung umgesetzt, dies bis 2021. Zusammen mit sieben weiteren europäischen Regionen soll versucht werden, den dunklen Nachthimmel zurückzugewinnen. Weitere Beispiele für bereits umgesetzte Maßnahmen sind die Beleuchtungsanlage des Fußballfeldes in Wilwerwiltz sowie die Ausarbeitung eines Lichtmasterplanes in der Gemeinde Clerf. Beide Projekte profitieren von einer Bezuschussung des Nachhaltigkeitsministeriums.


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