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Wenn der Richter mit den Anwälten...
Lokales 06.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Korruptionsvorwürfe gegen Magistraten

Wenn der Richter mit den Anwälten...

Am Donnerstag hatte die Justiz über Ermittlungen gegen einen Magistraten informiert.
Korruptionsvorwürfe gegen Magistraten

Wenn der Richter mit den Anwälten...

Am Donnerstag hatte die Justiz über Ermittlungen gegen einen Magistraten informiert.
Foto: Anouk Antony
Lokales 06.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Korruptionsvorwürfe gegen Magistraten

Wenn der Richter mit den Anwälten...

Bei dem von der Justiz suspendierten Magistraten handelt es sich um einen Vormundschaftsrichter, dem Korruption bei der Verteilung von Vermögensverwaltungsmandaten vorgeworfen wird.


UPDATE 9.11.15: "Tutelle"-Affäre: Richter hatte irreguläre Beziehung

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(str) - Hausdurchsuchungen am Wohnsitz und am Arbeitsplatz eines Magistraten, das ist alles andere als alltäglich. Wie die Pressestelle der Justiz am Donnerstag mitteilte, gab es ebensolche bereits am vergangenen 20. Oktober. Über die Kriminalermittlungen hinaus wurde eine Disziplinarprozedur gegen den Mann eingeleitet und dieser vorläufig seines Amtes enthoben. Laut Pressemitteilung wird dem Magistraten Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Vorliegenden Informationen zufolge soll es sich um eine Korruptionsaffäre größeren Ausmaßes handeln. In mehreren Fällen soll ein Vormundschaftsrichter einem auserwählten Kreis von Anwälten die Betreuung von Personen zugeteilt haben, die selbst nicht mehr in der Lage waren, ihr Vermögen zu verwalten. Die Anwälte sollen die Not dieser Menschen dann ausgenutzt haben, um sich durch Eigenaufträge selbst zu bereichern.

Dem „Luxemburger Wort“ ist ein Fall bekannt, bei dem einer Familie binnen acht Monaten offenbar ein Schaden von rund 200 000 Euro entstanden ist. Eine 50-jährige Frau hatte, wie es heißt, die Vormundschaft über ihren demenzkranken 76-jährigen Ehemann beantragt. Das Paar habe bereits im Vorfeld schriftlich festgehalten, dass im Krankheitsfall der jeweils andere sich um den erkrankten Ehepartner und dessen Geschäfte kümmern sollte.

Der Vormundschaftsrichter habe dann allerdings nicht nur den Mann, sondern auch die Frau entmündigt und einem Anwalt eine umfassende Vormundschaft erteilt. Der Verwalter habe alle gemeinsamen, privaten und Firmenkonten der Eheleute übernommen – ohne die 50-Jährige darüber zu informieren. Er habe Rechnungen beglichen und sein Honorar für jeden Schritt gleich abgebucht.

Als die Frau sich gegen diesen Anwalt zur Wehr setzen wollte, habe der Richter ihr wörtlich gesagt, sie solle schweigen und verschwinden. Dem Vernehmen nach habe der Sachverwalter ihr nach sechs Wochen schließlich 3000 Euro zugestanden, damit „sie sich seidene Höschen kaufen“ könne.

Die Ermittlungen gegen den Richter und die verdächtigen Anwälte sind auf Anzeige bei der Staatsanwaltschaft aufgenommen worden. Das Verfahren dürfte sich als sehr umfangreich gestalten.


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5.02.2014 luxembourg, ville, tribunal, affaire Bommeleeer, Bommeleeer, Zeugen, Gericht,  photo Anouk Antony