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Wenn das Wasser knapp wird
Lokales 2 Min. 20.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Wenn das Wasser knapp wird

Wenn das Wasser knapp wird

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Lokales 2 Min. 20.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Wenn das Wasser knapp wird

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Pessimistische Szenarien sehen die Trinkwasserreserven in einigen Jahren zur Neige gehen. Vorläufig besteht aber noch genug Kapazität.

Es klang wie eine Hiobsbotschaft, die Jean-Paul Lickes, seines Zeichens Direktor des Wasserwirtschaftsamtes und Mitglied des Gemeinderates Habscht, Mitte Juni dort verkündete: Sollte sich die derzeitige Entwicklung fortsetzen, könnte Luxemburg in zwei bis drei Jahren mit Trinkwasserknappheit geschlagen sein. Die Wasserversorgung des Landes werde eine der zentralen Herausforderungen für die kommende Regierung darstellen.


Schon bald könnte das Trinkwasser knapp werden.
Sorge um das Trinkwasser
Das Land werde bereits in zwei bis drei Jahren mit Trinkwasserknappheit zu kämpfen haben, sollte sich die derzeitige Entwicklung fortsetzen, so der Direktor des staatlichen Wasserwirtschaftsamtes, Jean-Paul Lickes.

Ein mögliches Szenario

Von den alarmistischen Tönen aufgeschreckt, wollen die CSV-Abgeordneten Diane Adehm und Gilles Roth per parlamentarischer Frage erfahren, was es mit diesem Schreckensszenario auf sich hat und was man dagegen tun kann. Nun sind die Warnungen des Wasserwirtschaftsamtes und der Umweltabteilung des Nachhaltigkeitsministeriums nicht wirklich neu. Seit Jahren wird angesichts der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung des Landes vor Engpässen gewarnt. Gemeint ist dabei aber vor allem der Spitzenverbrauch, der in den nächsten Jahren angesichts trocken-heißer Sommer das Angebot übersteigen könnte.

Klimawandel und längere Vegetationsperioden sorgen zugleich dafür, dass weniger Wasser in den Boden versickert und damit die Quellen unzureichend aufgefüllt werden. Laut Umweltministerin Carole Dieschbourg seien zusammen mit den Trinkwassersyndikaten zwei Studien durchgeführt worden, dies auf Basis verschiedener Wachstumsszenarien.

Sparpotenzial nutzen

Bei gleichem Wachstum, einer Zunahme wasserintensiver Betriebe und wenig Sparbemühungen könnte es in den nächsten Jahren in der Tat eng werden. Allerdings handelt es sich dabei nur um ein Szenario unter vielen und die Studie zeigt ebenfalls ein Einsparpotenzial von bis zu 20 Prozent.

Rund 176 000 Kubikmeter Trinkwasser können in Luxemburg täglich maximal aufbereitet werden, 72 000 Kubikmeter stammen aus dem Obersauerstausee in Esch/Sauer, 66 000 Kubikmeter können die Gemeinden und Syndikate per Grundwasserentnahme beisteuern und weitere 38 000 Kubikmeter können per Reservebohrungen des Sebes entnommen werden. Aktuell liegt der durchschnittliche Tagesverbrauch bei 120 000 Kubikmetern, das entspricht 202,3 Litern pro Tag und Kopf. Diese Werte steigen in den heißen Sommermonaten um den Faktor 1,3 bis 1,5. Dementsprechend steigt auch der Tagesspitzenverbrauch auf um die 160 000 Kubikmeter.

Wichtige Quellenschutzzonen

Um diesen Verbrauch abzudecken, müssen die Reservebohrungen des Sebes hinzugezogen werden, so Dieschbourg. Negativ wirkt sich die Belastung vieler Quellen durch Pestizide und Nitrate aus. Viele Quellen müssen deshalb geschlossen bleiben, insgesamt könnten mit diesen Ressourcen 50 000 Menschen mit Trinkwasser versorgt werden, so Dieschbourg. Die Regierung setzt jetzt vor allem auf den Ausbau der Sebes-Aufbereitungsanlage. Sie wird ab dem Jahr 2021 die Trinkwasserproduktion aus dem Stausee auf insgesamt 110 000 Kubikmeter täglich steigern.

Eine wichtige Rolle spielt aber auch das Ausweisen der künftigen Trinkwasserschutzzonen. Mittlerweile sind in diesem Sinne elf großherzogliche Verordnungen in Kraft getreten. Für den Schutz des Stausees als größtes Trinkwasserreservoir werden zudem die Schutzzonenregeln rund um den See weiter verschärft.


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