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Wenn Autofahrer Polizisten ins Visier nehmen
Lokales 4 Min. 28.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Wenn Autofahrer Polizisten ins Visier nehmen

Verkehrskontrollen sind im Polizeiberuf alltäglich. Doch in der Routine steckt auch die Gefahr, denn Polizisten müssen jederzeit auf das Schlimmste gefasst sein. Neun Mal haben Autofahrer seit Beginn des Jahres versucht, Beamte bei Verkehrskontrollen zu überfahren.

Wenn Autofahrer Polizisten ins Visier nehmen

Verkehrskontrollen sind im Polizeiberuf alltäglich. Doch in der Routine steckt auch die Gefahr, denn Polizisten müssen jederzeit auf das Schlimmste gefasst sein. Neun Mal haben Autofahrer seit Beginn des Jahres versucht, Beamte bei Verkehrskontrollen zu überfahren.
Foto: Steve Remesch
Lokales 4 Min. 28.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Wenn Autofahrer Polizisten ins Visier nehmen

Autofahrer, die bei Verkehrskontrollen versuchen zu flüchten, gehören immer mehr zum Polizeialltag. Zumeist könnten die Täter bereits nach kurzer Verfolgung gestellt werden. Immer wieder kommt es aber auch vor, dass Autofahrer beim Anblick der Polizisten Vollgas geben, diese mit ihrem Auto ins Visier nehmen und sie sogar zu überfahren versuchen.

Autofahrer, die bei Verkehrskontrollen versuchen zu flüchten, gehören immer mehr zum Polizeialltag. Zumeist könnten die Täter bereits nach kurzer Verfolgung gestellt werden. Immer wieder kommt es aber auch vor, dass Autofahrer beim Anblick der Polizisten Vollgas geben, diese mit ihrem Auto ins Visier nehmen und sie sogar zu überfahren versuchen.

22 Mal sind in den ersten vier Monaten dieses Jahres Autofahrer bei Kontrollen geflüchtet. Das geht aus den täglichen Pressemitteilungen der Polizei hervor. Neun Mal haben Fahrer dabei versucht, einen Beamten zu überfahren. Bilanz: Zwei verletzte Polizisten.

In der Hauptstadt rammte außerdem am 19. Februar ein Täter beim Versuch, den Ordnungskräften zu entkommen, einen Streifenwagen. Bei einer Tanzveranstaltung in Beles erfasste ein Autofahrer einen Tag später auf der Flucht vor der Polizei eine Fußgängerin. Die junge Frau wurde mehrere Meter durch die Luft geschleudert und erlitt schwere Verletzungen.

Über 300 verletzte Polizisten binnen fünf Jahren

Im vergangenen Jahr haben Polizisten vier Mal in einer Notwehrsituation zur Schusswaffe gegriffen und auf ein Auto gefeuert. Dabei wurde niemand verletzt. Konkrete Zahlen zu Fahrern, die bei Kontrollen die Flucht ergriffen, gibt es nicht. Der Versuch, einen Polizisten mit dem Auto anzufahren, wird in den Polizeistatistiken als Rebellion mit Waffengewalt geführt. 114 Angriffe – mit oder ohne Waffen - wurden 2010 gezählt. Mehr als 300 Polizisten wurden in den vergangenen fünf Jahren im Dienst verletzt.

„Immer wieder kommt es vor, dass sich der Polizist bei einer Kontrolle mit einem Sprung zur Seite retten muss, um nicht verletzt oder getötet zu werden“, bestätigt Hauptkommissar Tom Didlinger. Er ist beigeordneter Kommandant des Sondereinsatzkommandos der Polizei und Ausbilder an der Polizeischule. „Der Schusswaffengebrauch ist in solchen Situationen das allerletzte Mittel, auf das der Beamte zurückgreifen kann“, betont der 32-Jährige.

Schuss nur bei absoluter Notwendigkeit

Schießen darf der Polizist beispielsweise, wenn durch die Fahrmanöver deutlich zu erkennen ist, dass der Fahrer einen Polizeibeamten überfahren will. Der Fahrer setzt in dem Fall seinen Wagen als tödliche Waffe ein. „In der Ausübung seines Amtes, in Anbetracht der Verhältnismäßigkeit und im Falle der absoluten Notwendigkeit hat ein Polizist dem Gesetz vom 28. Juli 1973 nach die Möglichkeit, von seiner Schusswaffe Gebrauch zu machen“, erklärt Didlinger die Notwehrsituation. Bei einer besonders großen Gefahrenlage erlaubt es das Gesetz sogar, dem Wagen hinterher zu schießen.

„Jedem Polizisten ist aber angeraten, sich zuerst in Sicherheit zu bringen“, empfiehlt der Polizeiausbilder. „Es geht schließlich um die eigene Haut. In dieser absoluten Stresssituation bleiben dem Polizisten nur Bruchteile von Sekunden, um eine Entscheidung zu fällen“. Nicht immer ist genug Platz, um zur Seite zu springen. Zudem gilt es die Fahrzeugkennzeichen abzulesen, um eine Fahndung einzuleiten und auch schnellstmöglich die Verfolgung aufzunehmen.

Entscheidung in Sekundenbruchteilen

„Der Gebrauch der Waffe ist für jeden Polizisten eine schwere Belastung“, unterstreicht Tom Didlinger. „Die so genannte absolute Notwendigkeit ist ein sehr schmaler Grat.“ Der Polizist kann nicht wissen, ob es sich bei dem Fahrer etwa um einen Familienvater handelt, der vielleicht nur ein Glas zu viel getrunken hat und in Panik versucht zu entwischen. Genau so gut kann es sich um einen rücksichtslosen und volltrunkenen Raser handeln oder auch um einen Drogenkurier, dem eine langjährige Haftstrafe droht.

Gedanken muss sich der Polizist auch um Querschläger und Kugeln machen, die ihr Ziel verfehlen. Ist der Schuss wirklich das letzte Mittel und der Situation angepasst? Was, wenn sich Kinder auf dem Rücksitz befinden? Was, wenn ein Richter im Nachhinein urteilt, dass der Beamte nicht in absoluter Notwendigkeit geschossen hat? Jeder Schuss aus einer Polizeiwaffe hat ein Verfahren der Inspection Générale zur Folge.

Auch Verfolgungsjagden sind für Polizisten heikel. Die Gefahr für Drittpersonen ist groß. Zudem sind flüchtende Fahrer oftmals durch den Streifenwagen an ihren Fersen geneigt, noch schneller zu fahren und größere Risiken einzugehen. „Ein Auto auszubremsen ist nicht so einfach, wie es sich anhört“, meint Didlinger. „Straßensperren und Kontrollpunkte, die über Funk koordiniert werden, sind da um einiges effizienter.“

Neue Mittel sollen Gefahren dämmen

Im Regierungsrat vor knapp zwei Wochen wurde die Abänderung zweier großherzoglicher Reglemente beschlossen, die in Zukunft helfen sollen, gefährliche Verfolgungsjagden zu vermeiden. So dürfen Polizisten künftig unter bestimmten Voraussetzungen ohne Sirene und Blaulicht die erlaubte Höchstgeschwindigkeit übertreten.

Dies erlaubt den Beamten etwa, sich einem Raser zu nähern und ihn erst bei der ersten günstigen Gelegenheit zu stoppen. Zudem dürfen Polizeibeamte künftig auch andere Mittel als Doppler-Radar- und Lasergeräte zur Geschwindigkeitsmessung verwenden.

Vieles deutet bei diesen Plänen der Regierung auf ein Modell hin, das im Ausland längst gängige Praxis ist: Mit Videokameras ausgestattete Zivilfahrzeuge stellen Gesetzesverstöße im Straßenverkehr auf beweistaugliche Weise fest. Dann nähern sich die Ordnungshüter dem verdächtigen Fahrer und geben sich erst als Polizisten zu erkennen, wenn sie sich in unmittelbarer Höhe des Fahrzeugs befinden.

Keine Panik bei einer Verkehrskontrolle

Autofahrern rät Tom Didlinger sich bei einer Verkehrskontrolle einfach gelassen und ruhig zu verhalten. „Eine derartige Kontrolle ist ja eigentlich einfach zu erkennen. Da sind Polizisten in Uniform mit orangefarbenen Leuchtwesten und einem Leuchtkegel, die den Autofahrern klare Anweisungen geben“, betont der Polizeiausbilder.

Auf keinen Fall sollte man vor einem Kontrollpunkt beschleunigen oder etwa wenden. Auch von hektischen Bewegungen sollte abgesehen werden, um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen.