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Welttag gegen den Krebs: "Jeder hat sein Schicksal zum Teil selbst in der Hand"
Lokales 3 Min. 04.02.2015

Welttag gegen den Krebs: "Jeder hat sein Schicksal zum Teil selbst in der Hand"

Dr. Marc Diederich ist seit über 20 Jahren in der Krebsforschung tätig.

Welttag gegen den Krebs: "Jeder hat sein Schicksal zum Teil selbst in der Hand"

Dr. Marc Diederich ist seit über 20 Jahren in der Krebsforschung tätig.
Guy Jally
Lokales 3 Min. 04.02.2015

Welttag gegen den Krebs: "Jeder hat sein Schicksal zum Teil selbst in der Hand"

Dr. Marc Diederich ist auf Krebszellenforschung spezialisiert. "40 Prozent aller Krebsfälle sind vom Lebensstil abhängig", sagt er und erinnert in unserem Kurz-Interview vor allem an die Gefahren des Rauchens.

(AH) - Dr. Marc Diederich ist Professor für Biochemie an der „Seoul National University“ in Südkorea und Direktor im Labor für Krebszellenforschung und molekulare Biologie im „Hôpital Kirchberg“. Seit über 20 Jahren ist der ambitionierte Onkologe in der Krebsforschung tätig.

Im Lauf der Geschichte hat sich im Umgang mit Krebs viel getan. Seit wann existiert Krebs als Krankheit im Bewusstsein der Menschen?

Seit der Antike kämpft die Medizin gegen Krebs. Vermehrt präsent wurde die Krankheit aber erst im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im darauffolgenden Jahrhundert hat sich der Krebs zu einer der am meisten verbreiteten Erkrankungen entwickelt. Jahrhundertelang haben Mediziner vergeblich nach einfachen Heilmethoden gesucht, aber ohne Ergebnis. Im Jahr 1971 rief der damalige US-Präsident Richard Nixon zum Krieg gegen den Krebs auf, mit dem Ziel, in den kommenden 25 Jahren eine Heilungsmöglichkeit für die Krankheit zu finden.

Dies war sozusagen die Geburtsstunde der modernen molekularen Krebsforschung. Molekulare Untersuchungen sind ein wesentlicher Bestandteil der medizinischen Krebsforschung. Hier wurden in den vergangenen Jahren bedeutende Erkenntnisse gewonnen. Heute überleben 68 von 100 Menschen ihre Krebserkrankung. In den kommenden Jahren gilt es, in der molekularen Forschung die Mechanismen des menschlichen Körpers noch genauer zu erfassen und effektivere Medikamente zu finden, die Krebs heilen können.

Beeinflussen Ernährung und Bewegung das Krebsrisiko? Welche Zusammenhänge kennt man heute?

Laut der Weltgesundheitsorganisation sind 40 Prozent aller Krebsfälle vom Lebensstil abhängig. Die gefährlichsten und bekanntesten Risikofaktoren sind Tabak und Alkohol. Lungenkrebs zählt neben Bauchspeicheldrüsenkrebs zu den gefährlichsten Arten von Krebs. In den westlichen Ländern ist Lungenkrebs 
sowohl bei Männern als auch Frauen die häufigste Todesursache, gefolgt von Brust- und 
Darmkrebs bei Frauen sowie Prostata- und Darmkrebs bei Männern.

Die krebserregenden Substanzen aus dem Tabakrauch rufen das Tumorwachstum nicht nur in den Lungen, sondern auch in anderen Organen hervor. In den 50er bis 80er Jahren, als die Tabakindustrie boomte, sind extrem viele Männer an Lungenkrebs gestorben. Neben Tabak schaffen auch Fettleibigkeit, wenig Obst und Gemüse sowie geringe physische Betätigung vermeidbaren Nährboden für Krebszellen. Auch langjährig anhaltende Infektionen im Körper stimulieren Krebszellen. Die Menschen haben ihr Schicksal also zum Teil selbst in der Hand.

Krebserkrankungen sind eine der größten Herausforderungen für die moderne Medizin. Konnte die Krebsforschung in den vergangenen Jahren Fortschritte machen?

Neben chirurgischen Entfernungen von Tumoren können Krebszellen mit Bestrahlung oder durch die Zellgifte einer Chemotherapie 
abgetötet werden. Vor allem 
aber für die medikamentöse Krebsbekämpfung aus moleku
laren Präzisionswaffen, die viel präziser auf Krebszellen als die vergleichsweise unspezifischen Chemotherapeutika wirken, waren die vergangenen 15 Jahre enorm aufschlussreich.

Die Erforschung neuer Substanzen und Wirkstoffe aus Pflanzen haben die Behandlung selbst von fortgeschrittenen Tumoren verbessert. 74 Prozent aller krebsbekämpfenden Substanzen stammen aus der Natur. In unserem Labor untersuchen wir tagtäglich Pflanzen auf Substanzen, die Krebs eindämmen und verhindern können. Es gibt Krebsarten, die sehr resistent 
sind und sich nur schwer behandeln lassen.

Durch die über die Jahre hinweg angesammelten Veränderungen im Erbmaterial der Krebszellen, sind sie fast unverwüstlich geworden und werden vom Immunsystem nicht entdeckt. In den vergangenen fünf Jahren haben Mediziner intensiv an einer neuen Methode geforscht: eine Therapie, die es ermöglicht mit der Kraft des Immunsystems eine Reaktion gegen Krebs zu stimulieren.

Mehr zum Thema Krebs auf den Fokus-Seiten der Mittwochsausgabe des "Luxemburger Wort".


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