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Weltnichtrauchertag am 31. Mai: "Wort"-Mitarbeiter erzählen, wie sie Nichtraucher wurden
Die Letzte! Mehr als jeder zweite Raucher in Luxemburg möchte gerne mit dem Rauchen aufhören.

Weltnichtrauchertag am 31. Mai: "Wort"-Mitarbeiter erzählen, wie sie Nichtraucher wurden

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Die Letzte! Mehr als jeder zweite Raucher in Luxemburg möchte gerne mit dem Rauchen aufhören.
Lokales 4 Min. 30.05.2015

Weltnichtrauchertag am 31. Mai: "Wort"-Mitarbeiter erzählen, wie sie Nichtraucher wurden

Seit 1987 gibt es den von der Weltgesundheitsorganisation ins Leben gerufenen Weltnichtrauchertag. Am Sonntag jährt er sich zum 28. Mal. Es rauchen zwar weniger Menschen als damals, aber alleine in Luxemburg immer noch jeder fünfte.

(jsf) - Als Marc Willière 1977 beim „Luxemburger Wort“ in der Lokalredaktion anfing, war weniger die Frage, ob man rauchte, sondern eher welche Marke. „Die Mehrheit hat damals geraucht“, erinnert sich Willière. Am Schreibtisch, im Flur, in der Kantine. Rauchfreie Bereiche gab es praktisch nicht. Und das blieb sehr lange so – in vielen Betrieben.

Ein Umdenken kam erst im Juni 1994, als die Regierung ein Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden eingeführte. Beim „Luxemburger Wort“ nahm man sich daran ein Beispiel. Bis zum nächsten Gesetz dauerte eine Weile. 2006 wurde ein Rauchverbot in Restaurants eingeführt. Seit Januar 2014 darf auch in Kneipen, Diskotheken und Bars nicht mehr geraucht werden.

Geschätzt 96.000 Luxemburger rauchen. Das sind 21 Prozent der Bevölkerung. 2006 waren es noch 25 Prozent. Mehr als die Hälfte der Raucher, 55 Prozent bzw. 53.000 Menschen, würde allerdings gerne mit dem Rauchen aufhören. Das ergab vergangenes Jahr eine von der Fondation Cancer bei TNS Ilres in Auftrag gegebene Studie. Nicht ohne Grund: Allein hierzulande sterben laut einer Nationalstatistik jährlich etwa 1000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums – zumeist in Folge einer Krebserkrankung.

Informationen zum Rauchstopp gibt es unter der Nummer 45 30 331 und online unter www.info-tabac.lu

Wie Mitarbeiter des „Luxemburger Wort“ mit dem Rauchen aufgehört haben

Mitarbeiter des "Luxemburger Wort". Obere Reihe von links: Ralf Reisdorf, Marc Willière, Xavier Lulof. Untere Reihe ab links: Pierre Leyers, Andreas Holpert, Jan Söfjer.
Mitarbeiter des "Luxemburger Wort". Obere Reihe von links: Ralf Reisdorf, Marc Willière, Xavier Lulof. Untere Reihe ab links: Pierre Leyers, Andreas Holpert, Jan Söfjer.
Fotos: LW

Ralf Reisdorf, 51: Meine erste Zigarette hatte ich mit zwölf Jahren, nachdem ich auf das Lyzeum gekommen war. Ein Klassenkamerad rauchte und ich wollte es auch ausprobieren. Anfangs habe ich nur wenig geraucht, aber es wurde schnell mehr. Allerdings bekam ich wenig Taschengeld. Mit 14 kaufte ich mir immer am Anfang der Woche ein Päckchen Tabak zum Drehen. Das musste für die Woche reichen. Ende der 70er-Jahre rauchten viele, die Hälfte der Klasse. Ein Lehrer rauchte sogar während des Unterrichts am Pult.

Mit 22 Jahren entwickelte ich mich zum Kettenraucher. In einer Nacht am Wochenende waren schnell zwei, drei Päckchen weg. Da merkte ich, dass es überhand nahm. Wie der Marlboro-Mann mit einem Loch im Hals wollte ich nicht enden. Zwei Jahre lang versuchte ich, aufzuhören. Silvester 1985 sagte ich mir: Jetzt ist Schluss. Nach dem Essen habe ich zwar noch mal hier und da eine geraucht, mich aber schnell an dem Qualm und Gestank gestört und ganz aufgehört.

Marc Willière, 58: So mit 18 habe ich ernsthaft angefangen zu rauchen, vorher nur gelegentlich. Es war Mitte der 70er-Jahre. Rauchen war cool. Du bist nirgends hingekommen, wo nicht geraucht wurde. Rauchen war noch nicht verpönt, es gehörte zum guten Ton. Auch im Büro rauchten sehr viele Kollegen. Manchmal steckte ich mir eine am Schreibtisch an und merkte erst dann, dass schon eine angezündete Zigarette im Aschenbecher lag.

Mit Mitte 30 wurde mir klar, dass ich zu viel rauchte – ein Päckchen pro Tag. Einen rauchenden Nachbarn hörte ich morgens durch sieben Wände husten. Bei einer Feier sagte mir dann ein Kollege, er wolle versuchen, sich akkupunktieren zu lassen, um vom Rauchen loszukommen. Ich ging mit zum Arzt und es funktionierte. Besonders die Zigarette nach dem Essen vermisse ich noch ab und zu, aber es ist nur ein kurzer Gedanke, der schnell vorbeizieht.

Xavier Lulof, 39: Ich habe mit 16 mit dem Rauchen bei den Pfadfindern angefangen – aus Neugier. Ich stieg schnell auf Zigarillos um. Ich habe der Entspannung halber geraucht. Ich habe kaum auf Lunge geraucht, aber trotzdem gemerkt, dass es sich auf meine sportliche Leistung und Ausdauer auswirkte. Das hat mich gestört. Ich bin damals viel Rad gefahren und gewandert. Mit 18 habe ich aufgehört. Es fiel mir nicht schwer.

Andreas Holpert, 46: Meine letzte Zigarette habe ich auf dem Balkon geraucht. Am Tag danach ging es mit 
meiner Freundin in den Urlaub nach Spanien. Ich war Mitte 30 und hatte seit ich 16 war geraucht. Im Urlaub hatten wir schöne Tage und Abende. Das Wetter war toll, wir haben gut gegessen und getrunken. Viele rauchten um mich herum. Es war hart. Ich hätte am liebsten an meinen Fingern gesogen. Ohne meine Freundin, die mich unterstützt hat, hätte ich es nicht geschafft. Nachdem ich es durchgehalten hatte, den ganzen Urlaub nicht zu rauchen, ging es. Im Alltag war es kein Problem mehr. Ich bin nie rückfällig geworden und vermisse es auch nicht.

Pierre Leyers, 55: Meine beiden Kinder haben mich „ausgeräuchert“. Das war vor zehn Jahren. Ich rauchte seit Anfang 20. Durch die „Sendung mit der Maus“ hatten sie gelernt, dass Zigaretten Teer enthalten. Fortan wurde ich bei jeder Raucherpause auf unserer Terrasse darauf aufmerksam gemacht, dass ich „Plättchen von der Straße“ in meine Lungen bekäme. Damit nicht genug.

Im Flur hing auf einmal ein gemaltes Poster mit einer Zigarette und einem Totenkopf 
darauf. Danach verschwanden meine Schachteln, um dann plötzlich, mit einer durchgestrichenen Zigarette, wieder aufzutauchen. Das Ganze ging mir zwar auf die Nerven, ich konnte den kleinen Tyrannen aber nicht wirklich böse sein. Mir wurde bewusst, dass ich zwar gerne rauchte, aber nicht bereit war, die gesundheitlichen Konsequenzen davon in Kauf zu nehmen. Also hörte ich auf.

Jan Söfjer, 35: Ich fing mit 17 auf einer Sportklassenfahrt im Gymnasium an zu rauchen. Es war eine bewusste Entscheidung, war aber natürlich davon beeinflusst, dass viele rauchten. Ich stieg gleich voll ein, drehte selbst, rauchte ohne Filter. Ein Jahr später hörte ich mich am Morgen nach einer Party an wie Darth Vader. Ich dachte ein paar Stunden darüber nach, warum man eigentlich raucht und beschloss bewusster zu rauchen, um für mich herauszufinden, was mir das Rauchen wirklich bringt. Bei der nächsten Zigarette nahm ich drei, vier intensive Züge und merkte: Es gibt mir gar nichts. Ich warf die Zigarette weg und es war vorbei.



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