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Weltkindertag: Hilfe von Schülern für Schüler
Lokales 4 5 Min. 20.11.2019

Weltkindertag: Hilfe von Schülern für Schüler

Auch in einer Grundschule in Ribeira Brava auf der kapverdischen Insel São Nicolau waren die Lehrer und Schüler des hauptstädtischen Kolléisch zu Besuch. (April 2014)

Weltkindertag: Hilfe von Schülern für Schüler

Auch in einer Grundschule in Ribeira Brava auf der kapverdischen Insel São Nicolau waren die Lehrer und Schüler des hauptstädtischen Kolléisch zu Besuch. (April 2014)
Foto: Marc Breyer
Lokales 4 5 Min. 20.11.2019

Weltkindertag: Hilfe von Schülern für Schüler

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Zum Weltkindertag verleiht die Sekundarschule Athénée de Luxembourg einen Einblick in die solidarischen Hilfsprojekte auf den Kapverdischen Inseln.

Kostenloser Unterricht, geregelter Transport, gratis Schulbücher, elektronische Klassenbücher, geheizte Räume, ausgewogenes Essen in den Kantinen – im Großherzogtum wird in das Bildungswesen investiert. Außerhalb der europäischen Grenzen sieht es aber oft anders aus. Viele Schüler haben es dort schwer, eine Ausbildung zu absolvieren. Oft fehlt es an Schulmaterial, Ausstattung oder Lehrkräften. Kurz: Es fehlt allgemein an Mitteln. 

Und so setzen sich europaweit Regierungen, Hilfsorganisationen, Vereine aber auch Schüler mit gezielten Projekten für die Zukunft von Kindern und Jugendlichen in Drittländern ein. So auch die Sekundarschüler des hauptstädtischen Athénée de Luxembourg, dessen ONG seit nunmehr als acht Jahren soziale Hilfsprojekte an Schulen auf den Kapverdischen Inseln fördert.

Zu Gast in Afrika 

Es beginnt im Schuljahr 2011/2012. Damals macht eine 3e-Klasse aus dem Athenäum zusammen mit drei Lehrern – Marianne Dondelinger, Marco Breyer und Danièle Atten – eine Reise in die Ortschaft Ribeira das Patas auf der kapverdischen Insel Santo Antão. Ziel ist es, dort zusammen mit den Sekundarschülern des Lyzeum António Silva Pinto unterschiedliche Baumarten und Hecken zu pflanzen, um, so die Projektbeschreibung, „das allgemeine Bewusstsein für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung zu stärken“. 

Das Projekt bestand darin, die von Dürre geprägte Gegend wieder grüner werden zu lassen. Aus dieser Initiative wurde dann aber viel mehr."

Marco Breyer, Mathematiklehrer im Athénée de Luxembourg

„Das Projekt bestand darin, die von Dürre geprägte Gegend wieder grüner werden zu lassen. Aus dieser Initiative wurde dann aber viel mehr. Denn als unsere Schüler sahen, unter welchen Bedingungen die Jugendlichen vor Ort lebten und lernten, war es für sie ein kultureller Schock. Sie wollten unbedingt etwas für ihre gleichaltrigen Freunde tun“, erinnert sich Mathematiklehrer Marco Breyer.   

Marco Breyer ist Mathematiklehrer im Athénée de Luxembourg. In den vergangenen acht Jahren war er bereits fünf Mal mit Schülergruppen auf die Kapverden.
Marco Breyer ist Mathematiklehrer im Athénée de Luxembourg. In den vergangenen acht Jahren war er bereits fünf Mal mit Schülergruppen auf die Kapverden.
Foto: Pierre Matgé

Den kapverdischen Schülern und dem Lyzeum im Allgemeinen fehlt es vor allem an finanziellen Mitteln. Deshalb entscheidet sich die Gruppe aus Luxemburg zusammen mit den drei Lehrern, zu helfen. „Wir haben uns vorgenommen, zusammen mit dem Lyzeum in Santo Antão ein neues Kooperationsprojekt auf die Beine zu stellen. Konkret wurde es dann aber erst, als wir zurück in Luxemburg waren. Wir haben zunächst definiert, welche Probleme es gibt und daraufhin Verbesserungskonzepte ausgearbeitet. 2013 war es dann so weit – die ONG des Athenäums lancierte das solidarische Projekt ,Cap Vert', für das die Kolléisch-Schüler fleißig Geld sammelten. Unter anderem mit Spendenaktionen, Weihnachtsmarktverkäufen und einem jährlichen Schülerwettlauf“, so Breyer. 

Von Bäumen zu Solaranlagen 

Ziel ist es, den Jugendlichen aus Ribeira das Patas bessere Chancen auf eine Ausbildung zu bieten. So wie in Luxemburg auch, gilt auf den Kapverden nämlich die Schulpflicht. Allerdings müssen die Eltern dort für den Unterricht ihrer Kinder zahlen. „Diese Kosten sind für manche Familien eine hohe Belastung. Viele Kinder gehen oft nur bis zu ihrem 15. Lebensjahr zur Schule, dann ist die Pflichtzeit vorbei“, fährt Jos Salentiny fort, ehemaliger Direktor des Kolléisch und Gründer der ONG-Athénée. 

Im Mai 2017 finanzierte die ONG-Athénée weitere Solaranlagen für die Kapverdischen Inseln.Unter anderem wurden Anlagen auf das Dach der technischen Sekundarschule "Escola Industrial e Commercial do Mindelo-Guilherme Dias Chantre" in der Ortschaft Mindelo auf der Insel  São Vicente angebracht.
Im Mai 2017 finanzierte die ONG-Athénée weitere Solaranlagen für die Kapverdischen Inseln.Unter anderem wurden Anlagen auf das Dach der technischen Sekundarschule "Escola Industrial e Commercial do Mindelo-Guilherme Dias Chantre" in der Ortschaft Mindelo auf der Insel São Vicente angebracht.
Foto: Marco Breyer

Deshalb finanziert das Projekt „Cap Vert“ die Kosten der Einschreibungsgebühren sowie Schuluniformen. Sozial schwache Familien oder Eltern von Elèves méritants werden somit finanziell entlastet. Zusätzlich werden auf dem Dach des Schulgebäudes Solaranlagen angebracht, um die sonst so häufigen Strompannen zu vermeiden. Auch wird die Schulkantine mit neuen Küchengeräten ausgestattet. Das Gehalt einer Köchin übernimmt die ONG bis heute. „Nur so konnten wir garantieren, dass Schüler wenigstens einmal täglich etwas Warmes essen“, so Biologielehrerin Danièle Atten. 

Anpassung der Investitionen 

Danièle Atten ist Biologielehrerin im Kolléisch und an den diversen Hilfsprojekten der ONG beteiligt.
Danièle Atten ist Biologielehrerin im Kolléisch und an den diversen Hilfsprojekten der ONG beteiligt.
Foto: Pierre Matgé

Neben den Solaranlagen und der Umgestaltung der Küche wird auch in den Transport investiert: „Schüler, die weit entfernt wohnten, mussten bereits um 5 Uhr morgens aus dem Haus, um pünktlich um 8 im Unterricht zu sitzen. Einen Schulbus gab es damals nicht“, erinnert sich Danièle Atten.   

Demzufolge wird ein Minibus erworben, der die Jugendlichen in die Schule fahren soll. „Doch nach den ersten Fahrten merkten wir, dass die Umsetzung dieses Konzeptes so nicht möglich war. Um alle Schüler abzuholen, wäre der Fahrer nämlich die ganze Nacht unterwegs. Somit bekam das Fahrzeug eine neue Aufgabe – heute dient es vor allem für den Einkauf von Lebensmitteln oder für die Elternabende, die in den jeweiligen Dörfern der Schüler stattfinden“ erklärt Danièle Atten. 

Selbstständig weiterleben

„Cap Vert“ bleibt aber nicht das einzige Projekt der engagierten Schüler und Lehrer des Athénée. Im Jahr 2016 setzt die ONG ein weiteres Projekt für die Kapverden in die Tat um: „Cap Vert II“, das bis Juni 2019 andauert. „Dabei ging es uns darum, den Einwohnern aus Santo Antão und anderen kapverdischen Inseln zu mehr Autonomie zu verhelfen“, beschreibt Marco Breyer den zweiten Teil der Hilfsarbeit. Unter anderem wird die lokale Ausbildung von Technikern gefördert, die beispielsweise Solaranlagen wie jene, die sich auf dem Dach des Lycée Antonio Silva Pinto befinden, bedienen und reparieren können. 

Insgesamt sind die drei Lehrer Atten, Breyer und Dondelinger in den letzten acht Jahren bereits fünfmal mit Schülern auf die Kapverden gereist. „Wir sind dankbar für diesen Austausch. Unsere Schüler kämpfen sehr hart dafür, dass zusätzlich zu den staatlichen Hilfen, genügend Geld zusammenkommt, um den jungen Menschen auf den Kapverden eine bessere Zukunft zu bieten. Das macht uns stolz“, sagt Marco Breyer.

Maria Lopes istJugendbotschafterin der Unicef. Sie möchte sich auch weiterhin für die Kinder und Jugendlichen dieser Welt einsetzen.
Maria Lopes istJugendbotschafterin der Unicef. Sie möchte sich auch weiterhin für die Kinder und Jugendlichen dieser Welt einsetzen.
Foto: Pierre Matgé

 


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