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Welche Rechte hat der Flugpassagier?: Beruhigt in den Urlaub und zurück
Geht das Gepäck am Heimatflughafen verloren, wird es hingegen schwierig, eine Erstattung von Noteinkäufen geltend zu machen.

Welche Rechte hat der Flugpassagier?: Beruhigt in den Urlaub und zurück

Chris Karaba
Geht das Gepäck am Heimatflughafen verloren, wird es hingegen schwierig, eine Erstattung von Noteinkäufen geltend zu machen.
Lokales 5 Min. 21.07.2017

Welche Rechte hat der Flugpassagier?: Beruhigt in den Urlaub und zurück

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Mit dem Flugzeug in den Urlaub, das steht bei vielen Luxemburgern derzeit auf dem Programm. Doch was, wenn das Gepäck nicht ankommt oder das Flugzeug überbucht ist?

Von Cheryl Cadamuro

Das ganze Jahr wartet Familie Müller aus Luxemburg auf ihren wohlverdienten Urlaub. Mit dem Flugzeug soll es nach Sizilien gehen. Doch leider läuft es nicht so, wie geplant. Das Flugzeug hebt aufgrund eines technischen Defekts mit Verspätung ab, der Anschlussflug ist so nicht mehr zu erreichen, mehr als vier Stunden später als ursprünglich geplant, kommt die Familie am Urlaubsziel an.

Kann sie nun Beschwerde einreichen? Oder müssen sie das einfach so hinnehmen? „In diesem konkreten Fall steht den Reisenden eine finanzielle Entschädigung über 400 Euro zu. Allerdings nur, da die geplante Ankunftszeit um mehr als drei Stunden überschritten wurde und der Grund 
für die Verspätung zudem ein technischer Defekt war.“

Der Familie stehen in diesem Fall auch kostenlose Betreuungsleistungen zu, also Mahlzeiten, Getränke, zwei Telefonanrufe, E-Mails oder Faxe sowie, falls notwendig, eine Hotelunterbringung sowie die Beförderung zwischen Flughafen und Hotel.

Auf den Einzelfall kommt es an

Wichtig sei laut EVZ aber zu wissen, dass die Höhe und Art der Entschädigungen von der Flugverspätungsursache und der Reisedistanz bzw. der Flugdauer abhängen.

Konkret bedeutet dies Folgendes: Bei allen Flügen von einer Entfernung bis zu 1 500 Kilometer steht den Betroffenen eine Summe über 250 Euro zu, bei allen Reisen innerhalb der EU über 1 500 Kilometer sowie allen anderen Reisen zwischen 1 500 und 3 500 Kilometer sind es bereits 400 Euro und bei allen anderen Flügen, die die geplante Ankunftszeit um mehr als drei Stunden überschreiten, sind es 600 Euro, die die Reisenden beantragen können.

Allerdings gibt es einen Haken: „Der Grund für die Verspätung ist entscheidend dafür, ob eine Entschädigung ausgezahlt wird – oder eben nicht“, so Philippe Bernard. Führen demnach außergewöhnliche Umstände, wie etwa extreme Wetterbedingungen, Personalstreik oder terroristische Anschläge zu einer Verspätung, darf die Fluggesellschaft laut geltendem Recht eine Ausgleichszahlung verweigern.

Wenn der Flug sich um mindestens fünf Stunden verspätet, können Passagiere laut EVZ auf die Fortführung ihrer Reise verzichten und eine Erstattung der Ticketkosten sowie gegebenenfalls den Rückflug zum ersten Abflugort verlangen.

Doch was, wenn das Flugzeug gar nicht erst abhebt – und die Reise buchstäblich ins Wasser fällt? „Den Betroffenen stehen auch hier Entschädigungen sowie Betreuungsdienstleistungen am Flughafen zu“, erklärt Bernard. Wie bei Flugverspätungen auch, wird die Höhe der Entschädigung aufgrund der Zieldistanz berechnet.

Und auch hier kann die Fluggesellschaft in Fällen von höherer Gewalt den Betroffenen die Auszahlung von Entschädigungen verwehren. Ein Anspruch auf Ausgleichszahlung besteht jedoch nicht, wenn der Passagier mindestens zwei Wochen vor der Abflugzeit über die Annullierung des Fluges unterrichtet wurde oder ihm ein ähnlicher Flug angeboten wurde.

Eine weitere unangenehme Situation, die kein Fluggast erleben möchte: Das Flugzeug ist überbucht, ein Fall von sogenanntem „Overbooking“ also. Laut Europäischem Gesetz gibt es nun zwei Möglichkeiten. Zunächst einmal muss die Fluggesellschaft versuchen Passagiere ausfindig zu machen, die freiwillig von der Flugbuchung zurücktreten.

Diese Passagiere können sodann mit dem betroffenen Luftfahrtunternehmen die Gegenleistungen für den Rücktritt bzw. die Bedingungen, unter denen sie auf den Flug verzichten, aushandeln. Sie erhalten zudem entweder ein Ticket für einen späteren Flug oder aber die Erstattung des 
Tickets – dies, wenn sie vollständig auf die Flugreise verzichten. Finden sich jedoch keine Freiwilligen, die auf den Flug verzichten möchten, so darf das Luftfahrtunternehmen den Fluggästen gegen ihren Willen die Beförderung verweigern.

Aber auch hier gibt es laut Philippe Bernard Entschädigungen: „Die Ausgleichszahlungen werden berechnet wie jene der Flugverspätung bzw. Flugannullierung. Betroffene können demnach zwischen 250 und 600 Euro zurückerhalten.“

Die zurückgewiesenen Passagiere haben zudem Anspruch auf eine Beförderung zum Reiseziel, dies zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Oder aber sie verzichten auf den Flug und erhalten dafür eine Rückerstattung der Ticketkosten sowie eine kostenlose Beförderung zum ersten Abflugort.

Egal ob Flugannullierung, Nichtbeförderung oder Verspätung: Wichtig ist, eine Beschwerde an das Flugunternehmen zu richten. Reagiert dieses nicht innerhalb von acht Wochen oder nicht zufriedenstellend, gibt es eine weitere Lösung. „Passagiere können sich in solchen Fällen an die nationale Behörde des Landes wenden, in dem sich der Vorfall zugetragen hat, die sogenannte „National Enforcement Body“ (NEB), so Philippe Bernard. Diese Behörde ist in jedem europäischen Staat tätig und für die Durchsetzung der Fluggastrechteverordnung zuständig.

Das Gepäck ist weg – und jetzt?

Doch weiter zu einem anderen Szenario, das wohl die meisten Reisenden nicht erleben möchten: Die Passagiere kommen zwar pünktlich am Reiseziel an, dafür taucht ihr Gepäck in beschädigtem Zustand, verspätet oder aber auch gar nicht mehr auf.

Wird das Fluggepäck nachgereicht, gibt es auch hier unterschiedliche Möglichkeiten: Entweder das Flugunternehmen überreicht dem Passagier ein Paket mit den wichtigsten Dingen wie Hygieneartikeln und erstattet ausschließlich die fehlenden Artikel – oder aber die betroffenen Passagiere dürfen sich die notwendigsten Dinge kaufen und erhalten diese Ausgaben gegen Vorzeigen der Rechnungen vom Flugunternehmen zurück.

Geht das Gepäck am Heimatflughafen verloren, wird es hingegen schwierig, eine Erstattung von Noteinkäufen geltend zu machen.

Nicht warten, sofort handeln!

Und auch hier gilt: „Die Passagiere müssen den Verlust bzw. die Beschädigung ihres Gepäcks sofort am Flughafenschalter melden – und sich eine Bescheinigung dieser Beschwerde ausstellen lassen“, so Philippe Bernard.

Zudem müssen die Betroffenen innerhalb von sieben Tagen eine schriftliche Beschwerde beim betroffenen Flughafen einreichen. Nur dann wird ihnen der Schaden erstattet. Taucht das Gepäck nach 21 Tagen immer noch nicht auf, gilt es als verloren gegangen.

In einer solchen Situation steht dem Besitzer eine Entschädigung bis zu maximal 1400 Euro zu, ganz egal, wie hoch der Wert der verlorenen Ware ist. Zudem darf die Fluggesellschaft Nachweise für den entstandenen Schaden verlangen, dies beispielsweise in Form von Rechnungen.

Aus diesem Grund rät Philippe Bernard, Luxusartikel im Handgepäck mitzuführen oder aber eine Zusatzversicherung für die Wertgegenstände abzuschließen.

Es sind indes nicht wenige Passagiere, die in eine der beschriebenen Situationen geraten. Allein im Jahr 2016 beriet die EVZ rund 200 Fälle bezüglich Flug- und Gepäckangelegenheiten.

Weitere Infos unter Tel. 26 84 64–1 sowie auf www.cecluxembourg.lu


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