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Weinbau im Klimawandel: Anpassen und vorbeugen
Lokales 2 Min. 05.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Weinbau im Klimawandel: Anpassen und vorbeugen

Dürre und verbrannte Trauben: Ein häufiges Bild in den letzten zwei Jahren.

Weinbau im Klimawandel: Anpassen und vorbeugen

Dürre und verbrannte Trauben: Ein häufiges Bild in den letzten zwei Jahren.
Foto: Chris Karaba
Lokales 2 Min. 05.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Weinbau im Klimawandel: Anpassen und vorbeugen

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Eine ganze Reihe von Möglichkeiten haben Weinbaubetriebe, um sich gegen den Klimawandel zu rüsten. Widerstandsfähige Rebsorten sind genauso im Arsenal wie Bewässerung.

Extreme Witterung mit Rekordtemperaturen, Dürre, Frost und Starkregen haben den Winzern in den letzten zwei Jahren das Leben schwer gemacht. Beim Luxemburger Weinbautag in Wormeldingen zeigten folglich die Referenten Strategien auf, wie sich die Betriebe an die veränderten Bedingungen anpassen können.

Auf der Leinwand bekamen die Winzer Bilder von Trockenschäden und von der Sonne verbrannten Trauben zu sehen, wie sie ihnen sicherlich noch in Erinnerung sind. Matthias Petgen, Leiter des Versuchswesens am Dienstleistungszentrum für den Ländlichen Raum Rheinpfalz, berichtete von den drei Hitzewellen des vergangenen Jahres und ihren Konsequenzen. Besonders neu angepflanzte Rebstöcke seien von Hitze und Dürre geschädigt worden. Er erinnerte daran, dass bei einer Lufttemperatur von 38 Grad in Bodennähe am Stock bis zu 50 Grad erreicht werden könnten.

Zur Vorbeugung von Sonnenbrand laufen an seinem Institut Experimente mit Kalk- oder Kaolinlösungen, die auf die Trauben gespritzt werden und dort wie eine Sonnenmilch wirken. Für die Praxisanwendung ist diese Behandlung noch nicht zugelassen.

Tröpfchen gegen die Trockenheit

Auf großes Interesse stießen die Vorschläge zur künstlichen Bewässerung. Als zweckmäßig hat sich in Versuchen die Tröpfchenbewässerung mit fest installierten Rohrleitungen herausgestellt. „Wohl dem, der das benötigte Wasser hat“, meinte Versuchsleiter Petgen. Er hat einen Wasserbedarf von 130 bis 180 Kubikmeter pro Hektar und Monat ausgerechnet. „Das ist schon eine enorme Menge. Dafür ist ein Brunnen nötig, denn so viel Wasser können Sie nicht spazieren fahren“, informierte er die anwesende Winzerschaft.


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Wasser aus der Mosel

Einen Brunnen für Bewässerungszwecke zu bohren, sei mit einer entsprechenden Genehmigung zwar möglich, sagte Luc Zwank vom Wasserwirtschaftsamt. Er dämpfte aber die Erwartungen: „Wir dürfen dem Grundwasser pro Jahr nicht mehr entnehmen, als neu dazukommt.“ Weniger problematisch sei es, das Wasser der Mosel in die Weinberge zu pumpen. Hierfür verlangt das Wasserwirtschaftsamt eine Gebühr. Betriebe könnten außerdem das kaum verschmutzte Abwasser aus der Kellerarbeit speichern und für den Weinberg verwenden.

Weinbauberaterin Sonja Kanthak vom Institut fir Biologësch Landwirtschaft an Agrarkultur (IBLA) widersprach der Sichtweise, den Klimawandel rein mit technischen Anlagen begegnen zu wollen. „Sicher, Bewässerung ist manchmal unumgänglich. Aber besser ist es, das Wasser länger im Boden zu halten.“ Hierzu stellte sie Methoden vor, mehr Humus im Weinberg zu bilden. Selbst gemachter Kompost aus Trester eignet sich dafür zum Beispiel, erklärte die Weinbauberaterin. Humusreiche Böden könnten mehr Feuchtigkeit und Nährstoffe speichern und seien resistenter gegen Starkregen, sodass die Bodenerosion eingedämmt werde.

Häufiger feuchtwarm

Klimaforscher Jürgen Junk vom Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) erinnerte daran, dass in Luxemburg über das Jahr hinweg genug Regen falle, nur die Verteilung verändere sich und vor allem die Extremwetterlagen nähmen zu. Zwar hätten die Winzer die letzten zwei trocken-heißen Sommer noch in Erinnerung. „Doch feuchtwarme Sommer werden in Zukunft wohl noch häufiger werden“, resümierte Jung.


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Sein LIST-Kollege und Weinwissenschaftler Daniel Molitor stimmte ihm zu. Fäulnis werde in den kommenden Jahren zu einem wachsenden Problem. Zudem müssten die Winzer große Schwankungen von Jahr zu Jahr einkalkulieren.

Andere Vorträge drehten sich um technisch ausgefeilte Maschinen zur Unterstockbearbeitung. Dieses Thema gewinnt durch den Verzicht auf das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wachsende Bedeutung. Das Weinbauinstitut IVV zog Bilanz eines dreijährigen Versuchs, bei dem eine landwirtschaftliche Drohne eingesetzt wird, um Weinberge ferngesteuert zu spritzen. Weitere Referenten beleuchteten die hohe Traubenreife und ihre Auswirkungen auf das Weinaroma sowie die Flora und Fauna im Weinberg.


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