Wegen Straßensperrung

Kritik aus Differdingen Richtung Sassenheim

Foto: Nicolas Anen

(na) -  Dass die Beziehungen zwischen den Gemeinden Sassenheim und Käerjeng nicht zum Besten sind, dürfte bekannt sein. Doch nun könnten sich die Fronten auch zwischen Sassenheim und Differdingen verhärten.

Straßensperrung nicht abgesprochen

Darauf deutet zumindest ein Facebook-Eintrag vom Differdinger Schöffen Georges Liesch hin, der am Samstag online gestellt wurde. In diesem Beitrag ist zu lesen, dass der Sassenheimer Schöffenrat am Freitag kurzfristig entschieden hat, den Teil der Rue de l'Industrie, der auf der Sassenheimer Seite liegt, für den Verkehr zu sperren.

An dieser Straße, die beide Gemeinden verbindet, liegt der Sitz des Bauunternehmens CBL.

Wegen Lastwagenverkehr

Grund für die Sperrung sei, dass sich Einwohner auf der Sassenheimer Seite über den hohen Lastwagenverkehr beklagt hätten, ist im Beitrag von Liesch nachzulesen. Bisher fuhren die CBL-Laster durch die Rue de l'Industrie in die Route de Niederkorn, von wo aus sie die Autobahnauffahrt der „Collectrice du Sud“ in Sassenheim ansteuern.

Dieser Teil der Rue de l'Industrie soll ab Montag aus Richtung Sassenheim kommend gesperrt werden.
Foto: Nicolas Anen

„Wegen dieser Sperrung müssen die Lastwagen nun die Rue de l'Industrie in Richtung Niederkorn nehmen, die eigentlich auf die gleiche Straße führt. Nur, dass dort das Linksabbiegen Richtung Sassenheim für Lastwagen unmöglich ist“, erklärte der Differdinger Bürgermeister Roberto Traversini "Wort.lu" am Sonntag auf Nachfrage.

Einmal Niederkorn hin und zurück

Hier können die Lastwagen, die aus der Rue de l'Industrie kommen (l.), laut Roberto Traversini, nicht nach links auf die Hauptstraße abbiegen.
Foto: Nicolas Anen

Demnach werde den Lastwagen nichts anderes übrig bleiben als nach rechts bis in den Niederkorner Ortszentrum zu fahren, um dort im Kreisverkehr zu wenden und die gleiche Strecke in der anderen Richtung zurückzulegen, denn das Ziel bleibt die Autobahnauffahrt in Sassenheim.

Anstelle von etwa 550 Metern, müssen die Lastwagen über drei Kilometer bis zur Autobahn zurücklegen. „Und sie fahren dabei zweimal an zwei Schulen vorbei“, so Traversini.

Quelle: Geoportal

Es stimme, dass momentan mehr Lastwagen unterwegs seien. Dies weil eine Deponie auf dem Standort des Unternehmens derzeit abgetragen werde. Doch handle es sich hierbei lediglich um eine Frage von Wochen, so Traversini noch.

Freitag um 16.17 Uhr

Sauer aufstoßen tut ihm, dass die Sassenheimer Gemeinde diese Entscheidung, die ab Montag gültig wird, erst am Freitagnachmittag mitgeteilt hat: „Um 16.17 Uhr ist die Mail angekommen“, sagt er. Dabei sei bereits im Vorfeld von der Thematik gesprochen worden.

„Wir hatten ausgemacht, erst eine Verkehrszählung durchzuführen“, so Traversini. Umso erstaunter sei er über die Entscheidung gewesen.

„Das ist nicht zu verstehen“, sagt er. Normalerweise funktioniere die Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde gut. So weist er darauf hin, dass ein gemeinsames Einsatzzentrum für Rettungskräfte derzeit in Zolver entsteht.

Bürger zweiter Klasse

Die Sperrung der Rue de l'Industrie führt er auf den Wahlkampf zurück. Auch wenn die Kritiken der Einwohner ernst zu nehmen seien, könne es nicht sein, dass Entscheidungen alleine nach den Gemeindegrenzen genommen werden. „Die Bürger aus der einen Gemeinde sind nicht mehr wert, als die der anderen“, so Traversini.

Er bemerkt auch, dass die Sassenheimer wegen der Umgehungsstraße von Niederkerschen im Streit mit Käerjeng sind. Dass es einen Streit mit Esch/Alzette um die Namensgebung einer Straße in Belval gibt. Und nun eine Auseinandersetzung um diese Straßensperrung mit Differdingen. „Da müssten sie sich vielleicht selbst einmal in Frage stellen“, so Traversini. Ihm gehe es immer noch darum den Dialog mit der Nachbargemeinde zu finden.

Infoversammlung einberufen

Reagiert hat der Differdinger Schöffenrat schnell. So wurde kurzerhand beschlossen, am Montag um 18.30 eine Informationsversammlung bei den Gebäuden der Firma CBL zu organisieren. Ein Faltblatt wurde bereits in den anliegenden Straßen verteilt.

Bürgermeister Georges Engel war am Sonntag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.