Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Wasserrechnung in exorbitanter Höhe
Das rot gestrichene Haus in Wasserbillig steht seit der Verhaftung der Drogenbande leer. Wegen einer 
Pfändung ist es versiegelt, sodass es niemand betreten darf.

Wasserrechnung in exorbitanter Höhe

Foto: Volker Bingenheimer
Das rot gestrichene Haus in Wasserbillig steht seit der Verhaftung der Drogenbande leer. Wegen einer 
Pfändung ist es versiegelt, sodass es niemand betreten darf.
Lokales 26.06.2018

Wasserrechnung in exorbitanter Höhe

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Jeder, der es schon einmal erlebt hat, kann es bezeugen: Wenn Leitungswasser nicht mehr zu stoppen ist, kann dies weitreichende Folgen haben. Ein Wasserleck der etwas speziellen Art hat die Gemeindeverwaltung in Wasserbillig auf Trab gehalten.

In einem Haus in der Grand-Rue floss das Wasser Tag und Nacht – und zwar in regelrechten Strömen. Nun gibt es ja gute Gründe für einen hohen Wasserverbrauch, aber in diesem Fall wurden die Verwaltungsmitarbeiter stutzig, denn auch nach Wochen flossen immer noch Unmengen durch die Leitung.


Opération coup de poing par la Police ainsi que la Douane à Wasserbillig, le 27 Octobre 2015. Photo: Chris Karaba
Brennpunkt Wasserbillig: Drogen aus dem "Freiheitszentrum"
Kommende Woche wird 21 mutmaßlichen Mitgliedern des bedeutendsten Drogennetzwerks aus dem hauptstädtischen Bahnhofsviertel der Prozess gemacht. Die Bande hatte ein regelrechtes Operationszentrum in Wasserbillig betrieben.

Die Gemeinde versuchte, den Hauseigentümer zu verständigen, doch da begannen die Schwierigkeiten. Dieser konnte nicht kommen und nach dem Rechten sehen, denn er saß und sitzt noch immer im Gefängnis. Eigentümer der Immobilie ist Joseph E., der als Drahtzieher eines nigerianischen Drogennetzwerkes zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde. Die wiederholten Kontaktversuche der Verwaltung scheiterten zudem daran, dass das Haus von Amts wegen versiegelt ist und von niemandem betreten werden darf. Durch das Gerichtsurteil wurde zudem das Haus beschlagnahmt und zu einem Betrag von 29.000 Euro gepfändet. Der Chef des Dealerrings hatte den „Bunker“, wie die Bande ihr Domizil nannte, als Unterschlupf für 18 Drogenhändler tageweise vermietet.

Techniker dreht Schieber zu

Als alle Kontaktversuche im Sande verlaufen waren und das Wasser ungehindert weiterfloss, entschied sich die Gemeindeverwaltung, das Wasser von außen abzustellen. Als ein Techniker den Schieber auf der Straßenseite zudrehte, rauschte das Wasser nicht mehr durch die Leitung, sondern tröpfelte nur noch. Bis dato waren allerdings stolze 2.500 Kubikmeter durch die Leitung geschossen – genug, um eine Badewanne 18.000 Mal volllaufen zu lassen. Die Gemeinde schrieb also eine Wasserrechnung über 14.260 Euro und schickte sie dem Eigentümer ins Gefängnis. 


Am 27. Oktober 2015 waren mehrere Dutzend mutmaßliche Drogenhändler in dem von Joseph E. betriebenen Haus, in der Grand-Rue in Wasserbillig, festgenommen worden.
Der Weg des „Paten“
Der Drahtzieher des Drogennetzwerks aus dem Drogenhaus G33 in Wasserbillig, will alle ihm zustehenden Rechtsmittel ausschöpfen, um einer Freiheitsstrafe zu entgehen.

„Bis jetzt hat er nicht bezahlt“, konstatierte der Gemeindeeinnehmer Robi Kremer und zeigte sich bei seinen Erklärungen im Gemeinderat zudem wenig optimistisch, die Forderung jemals eintreiben zu können. Er schlug vor, endgültig auf die Forderung zu verzichten. Einige Ratsmitglieder protestierten zwar und meinten, bei Joseph E. handele es sich nicht um den typischen verarmten Schuldner. Immerhin habe er mit seinem Netzwerk ziemlich viel Geld verdient. Letztendlich beschloss der Rat dennoch, die Forderung fallen zu lassen.

Ob der unkontrollierte Wasserfluss Schaden in dem Haus in der Grand-Rue angerichtet hat, weiß bisher offenbar keiner der Beteiligten. Einnehmer Robi Kremer sagt dazu nur: „Es war niemand in dem Haus, um nachzuschauen.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema