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Was sich am 1. März 2020 für die Passagiere ändert
Ein Ticket muss in Bus, Bahn und Tram bald niemand mehr vorzeigen. Nur für die erste Klasse im Zug sowie für grenzüberschreitende Verbindungen brauchen Passagiere weiterhin ein Abonnement.

Was sich am 1. März 2020 für die Passagiere ändert

Foto: Chris Karaba
Ein Ticket muss in Bus, Bahn und Tram bald niemand mehr vorzeigen. Nur für die erste Klasse im Zug sowie für grenzüberschreitende Verbindungen brauchen Passagiere weiterhin ein Abonnement.
Lokales 5 Min. 22.01.2019

Was sich am 1. März 2020 für die Passagiere ändert

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Das Ticket können sich Nutzer von Bus, Bahn und Tram von Frühjahr 2020 an sparen. Die erste Klasse bleibt, die Schaffner ebenso. Mehr Fahrgäste erwartet man sich aber nicht.

Am Montag herrschte Stau – für einmal nicht auf den Straßen, sondern im Eingangsbereich des Mobilitätsministeriums. Zahlreiche Medienschaffende aus dem In- und Ausland hatten sich zur Pressekonferenz im Héichhaus eingefunden, um die Details über die Einführung des gratis öffentlichen Transports in Luxemburg zu erfahren – zweifelsfrei eines der Highlights in der blau-rot-grünen Regierungserklärung.

Verwirrung um Stadt Luxemburg

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Vom 1. März 2020 an sind sämtliche vom Staat finanzierten, öffentlichen Verkehrsmittel in Luxemburg für die Passagiere kostenlos, wie Mobilitätsminister François Bausch bekannt gab. Dabei liegt die Betonung auf „vom Staat finanziert“ – im Sinne der kommunalen Autonomie haben Gemeinden weiterhin das Recht, eigene Busdienste anzubieten, gegebenenfalls auch kostenpflichtig. „Theoretisch“, wie Minister Bausch betonte.

In jedem Fall betrifft die Maßnahme das Angebot der nationalen Eisenbahngesellschaft CFL, der Tramgesellschaft Luxtram, des regionalen Busdienstes RGTR, des Syndikats TICE, das mehrere Buslinien im Süden des Landes betreibt, – und des städtischen Busdienstes AVL, wie Bürgermeisterin Lydie Polfer dem „Luxemburger Wort“ am Montagnachmittag telefonisch bestätigte: „Natürlich wird sich die Stadt Luxemburg beteiligen. Alles andere wäre ja Unsinn.“ Zunächst war unklar, ob das Gratisangebot auch für die städtischen Busse gelten wird. Dem ist nun aber offenbar doch so – wenngleich die Details laut Polfer noch zu klären blieben. In den nächsten Tagen wolle man sich mit dem Minister zusammensetzen.

Auch die Stadt Luxemburg wird sich beteiligen - das stellte Bürgermeisterin Lydie Polfer am Montagnachmittag klar.
Auch die Stadt Luxemburg wird sich beteiligen - das stellte Bürgermeisterin Lydie Polfer am Montagnachmittag klar.
Foto: Chris Karaba

„Kein Wundermittel“

Bausch hob bei der gestrigen Pressekonferenz gleich mehrmals hervor, dass es sich bei dem Vorhaben um eine rein soziale Maßnahme handele. „Der gratis öffentliche Transport ist kein Wundermittel, um mehr Passagiere in die öffentlichen Verkehrsmittel zu bekommen. Vielmehr handelt es sich um die Kirsche auf dem Kuchen – wobei der Kuchen zunächst noch gebacken werden muss“, so Bausch.


Der Pont Buchler nach seiner Erneuerung im Jahr 2021: Zwei Spuren für die Tram, zwei Spuren für Autos und Busse Richtung Bahnhof und vier Spuren Richtung Bonneweg. Zudem ein Fahrradweg und mehr Platz für Fußgänger.
Im September 2021 mit der Tram nach Bonneweg
Er ist einer der heiklen Abschnitte für die Tram: der Pont Buchler, der von der Place de la Gare aus über die Gleise nach Bonneweg führt. Am Dienstag sind die Arbeiten zur Erneuerung der Brücke angelaufen.

Und dies geschehe in Form von massiven Investitionen in den Ausbau des Netzes. Allein in den Schienenverkehr würden zwischen 2018 und 2023 rund 2,2 Milliarden Euro investiert. „Kein Land investiert so viel in das Eisenbahnnetz wie Luxemburg“, unterstrich der Minister mit Nachdruck. In den Ausbau der Tramstrecke werden in den Jahren 2018 bis 2023 derweil rund 388 Millionen Euro investiert – und diese Summe betreffe lediglich den bereits vom Parlament gebilligten Streckenabschnitt von Findel bis Cloche d'Or. Parallel dazu plane man bereits an zusätzlichen Erweiterungen. Schließlich soll auch das nationale RGTR-Busnetz in den kommenden Jahren komplett reformiert werden.

mKaart und erste Klasse bleiben

Somit seien es vielmehr diese Investitionen und die damit einhergehende Qualitätssteigerung, die zu einem erhöhten Passagieraufkommen führten, als das Gratisangebot, so Bausch. Bei der Tram habe sich dies bereits bestätigt: Die Zahl der Fahrgäste sei dreimal so hoch als erwartet.

Die Tram ist beliebt - auch wenn das Ticket zurzeit kostet. Laut François Bausch wurden die Erwartungen bei den Passagierzahlen erheblich übertroffen.
Die Tram ist beliebt - auch wenn das Ticket zurzeit kostet. Laut François Bausch wurden die Erwartungen bei den Passagierzahlen erheblich übertroffen.
Foto: Chris Karaba

Das Stichdatum 1. März 2020 habe man übrigens gewählt, damit die Nutzer sich auf die Neuerung einstellen können und ihre Jahresabonnements bis dahin auslaufen. Ferner müssen noch einige organisatorische Vorbereitungen getroffen werden. So muss zum Beispiel die Tarifstruktur im Grenzgebiet zusammen mit den dort ansässigen Betreibern angepasst werden. Pendler zahlen nach dem Inkrafttreten nur noch bis zur Grenze.

Auf Luxemburger Gebiet werden die „Titres de transport“ komplett abgeschafft. Einen Ausweis müssen die Fahrgäste aber jederzeit vorweisen können. Die mKaart bleibt – sie gewährt den Nutzern auch Zugang zu den Fahrradunterständen mBox, zu den Chargy-Ladesäulen für Elektroautos und bietet gewisse Vorzüge für Nutzer der Park&Ride-Plätze.

Zusätzliche Aufgaben für Schaffner

Ebenfalls beibehalten wird die erste Klasse in den Zügen. Sie bleibt kostenpflichtig, wobei am aktuellen Tarif von 660 Euro für ein Jahres- beziehungsweise 75 Euro für ein Monatsabonnement nichts geändert wird. Demzufolge werden auch weiterhin Schaffner eingesetzt. „Es wird kein Personal abgebaut. Das ist wichtig für die Qualität des öffentlichen Transports“, unterstrich Bausch.

Fahrscheinautomaten wie diese werden künftig kaum noch benötigt. Die mKaart wird es aber auch weiterhin geben. Nicht zuletzt, da man mit ihr auch die mBox sowie andere Dienste in Anspruch nehmen kann.
Fahrscheinautomaten wie diese werden künftig kaum noch benötigt. Die mKaart wird es aber auch weiterhin geben. Nicht zuletzt, da man mit ihr auch die mBox sowie andere Dienste in Anspruch nehmen kann.
Foto: Chris Karaba

Die Schaffner würden schon heute mehrere Missionen erfüllen, lediglich zwei von fünf fielen durch den kostenlosen öffentlichen Transport weg. In Zukunft soll ihr Aufgabenbereich weiter ausgebaut werden. Im Sinne der Ordnung und Sicherheit in den öffentlichen Verkehrsmitteln sollen zudem die geltende Gesetzgebung sowie die Reglemente, die den öffentlichen Transport betreffen, überprüft und adaptiert werden.

Kostenpunkt: 41 Millionen Euro pro Jahr

Insgesamt soll der Gratistransport den Staat 41 Millionen Euro pro Jahr kosten. Mit Einsparungen durch den Wegfall der Ticketkontrollen rechnet man nicht. Eine Ausgleichszahlung für die Gemeinden, die sich mit ihren Busdiensten an den Gratisangeboten beteiligen, sei nicht vorgesehen.

Auf die Reform der Kilometerpauschale angesprochen, betonte Bausch, dass diese „nicht in direktem Zusammenhang mit dem gratis öffentlichen Verkehr“ stehe – und die Details dazu noch geklärt werden müssten.


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