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Warum die „Minetter Schof“ so wichtig sind
Lokales 3 Min. 13.08.2022
Initiative „Mmmh...Minett“

Warum die „Minetter Schof“ so wichtig sind

Die Wanderherde soll den einzigartigen Charakter der Landschaft des „Lallengerbierg“ sichern.
Initiative „Mmmh...Minett“

Warum die „Minetter Schof“ so wichtig sind

Die Wanderherde soll den einzigartigen Charakter der Landschaft des „Lallengerbierg“ sichern.
Foto: Luc Deflorenne
Lokales 3 Min. 13.08.2022
Initiative „Mmmh...Minett“

Warum die „Minetter Schof“ so wichtig sind

Glenn SCHWALLER
Glenn SCHWALLER
Neben dem Erhalt der Biodiversität verfolgt das Projekt „Minetter Schof“ seit Neuestem ein weiteres Ziel.

Es sind mehrere Hundert Schafe, die am Freitagmorgen über den Trockenrasen des Naturschutzgebietes „Lallengerbierg“ zwischen Esch/Alzette und Schifflingen ziehen.

Ihre Aufgabe: der Schutz der Biodiversität und der Erhalt der außergewöhnlichen Landschaft des „Lallengerbierg“, der über Jahrzehnte vom Bergbau geprägt war, sich seit dessen Ende in den 1970er-Jahren aber erholt und allmählich wieder in seinen natürlichen Zustand zurückversetzt wird. 

Landesweit einzigartige Biodiversität

Das Ergebnis ist eine einzigartige Landschaft, die seit 2004 als Natura-2000-Zone klassifiziert ist. „Hier herrscht eine Artenvielfalt, die landesweit ihresgleichen sucht“, erklärt Laurent Schley, beigeordneter Direktor der Natur- und Forstverwaltung ANF, während einer Pressekonferenz am Freitagmorgen. „Das Gebiet ist wegen seines Artenreichtums und seiner Lage sinnbildlich für die Minett-Region“, schwärmt auch Umweltministerin Joëlle Welfring (Déi Gréng).

Angesichts der Klimakrise und des Rückganges der Biodiversität sei es wichtig, Naturreservate wie den „Lallengerbierg“ zu haben, fährt die Ministerin fort. „Es reicht jedoch nicht, lediglich Gebiete wie dieses auszuweisen, sie müssen auch aktiv bewirtschaftet werden“, so Welfring weiter.

ProSud-Präsident Georges Mischo, der Schifflinger Bürgermeister Paul Weimerskirch, Umweltministerin Joëlle Welfring, der beigeordnete Direktor der ANF, Laurent Schley, und Landwirt Pol Kail (v.l.n.r.) stellten das neue Projekt am Freitag vor.
ProSud-Präsident Georges Mischo, der Schifflinger Bürgermeister Paul Weimerskirch, Umweltministerin Joëlle Welfring, der beigeordnete Direktor der ANF, Laurent Schley, und Landwirt Pol Kail (v.l.n.r.) stellten das neue Projekt am Freitag vor.
Foto: Luc Deflorenne

Genau dabei kommen die Schafe ins Spiel. Die Herde der „Minetter Schof“, die aus rund 35o Ardennerschafen sowie ihren Lämmern und einigen Ziegen besteht, verfolgt nämlich das Ziel, das Naturschutzgebiet samt seinen Trockenrasen zu schützen.   

Dadurch, dass die Tiere beim Weiden das Gras herausreißen, kann eine Verbuschung, also eine starke Ausbreitung von Hecken und Bäumen, vermieden werden, erklärt Laurent Schley. „Ohne menschliches Einwirken würde das Gebiet wieder zuwachsen“, so Schley. Mit entsprechenden Folgen für Flora und Fauna: Mehr Bäume und Gebüsch würden auch zu mehr Schatten führen, der die am „Lallengerbierg“ lebenden Tiere und Pflanzenarten, die auf eine hohe Sonneneinstrahlung angewiesen sind, bedrohe.


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Darüber hinaus spielen die Schafe eine weitere wichtige Rolle im Naturschutz: Sie tragen dazu bei, Samen zu verteilen und somit dem Verlust der Biodiversität entgegenzuwirken.

Wanderbeweidung seit 20 Jahren

Seit 20 Jahren wird diese Art der Wanderbeweidung im Großherzogtum durchgeführt. Die Schafe, die zum Landwirtschaftsbetrieb Kail und Kail aus Bergem gehören, weiden abwechselnd an zehn unterschiedlichen Standorten, darunter eben auch auf den Trockenrasen des „Lallengerbierg“. Zweimal im Jahr passieren die Schafe unter Aufsicht eines Hirten jeden Standort, erläutert Schley.


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„Die Schafe sind meist von Anfang Mai bis Mitte November draußen“, berichtet Pol Kail, der jedoch darauf verweist, dass aufgrund der schlechten klimatischen Bedingungen in diesem Jahr früher Schluss sein wird. 

Dass die Wahl auf Ardennerschafe, die vom Aussterben bedroht sind, fiel, ist indes kein Zufall. „Diese Rasse eignet sich besonders gut für dieses Gebiet, da sie auch mit nährstoffarmen Gräsern gut zurechtkommt“, erklärt Kail, der das Projekt seit 2017 betreut. Zudem trage man durch die Züchtung zum Erhalt der bedrohten Schafsrasse bei.

Lokales Lammfleisch aus der Minett-Region

Mit der Initiative „Mmmh...Minett“ beschreitet das kommunale Syndikat Pro-Sud nun einen weiteren Pfad in der Geschichte der „Minetter Schof“. 

Dank einer Partnerschaft zwischen dem zuständigen Landwirt, der ANF, der „Minett UNESCO Biosphere“ und dem Großhandel La Provençale wird das Fleisch der Schafe seit diesem Sommer nämlich in ausgewählten Supermärkten und Metzgereien angeboten. In Zukunft könnten auch Restaurants als Abnehmer für das lokale Fleisch infrage kommen, so der Escher Bürgermeister und ProSud-Präsident Georges Mischo (CSV). 


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Ziel der Initiative ist es, mehr lokale Produkte anbieten zu können. „Wenn es schon Fleisch sein muss, dann wenigstens aus lokaler Produktion“, erklärt Welfring hierzu.

Ein Projekt, drei Ziele

Somit erfüllt das Projekt der „Minetter Schof“ nun drei unterschiedliche Aufgaben: Es trägt zum Erhalt der Natur und der Biodiversität bei, es hilft dabei, das Überleben einer bedrohten Schafsrasse zu sichern und zugleich soll es das Angebot an lokalen Lebensmitteln ausweiten.

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