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Vorwürfe gegen Bürgermeister: Roberto Traversini: "Übernehme Verantwortung"
Lokales 3 Min. 02.02.2017

Vorwürfe gegen Bürgermeister: Roberto Traversini: "Übernehme Verantwortung"

Bürgermeister Roberto Traversini wird beschuldigt, gegen die Buchführung der Gemeinde verstoßen zu haben.

Vorwürfe gegen Bürgermeister: Roberto Traversini: "Übernehme Verantwortung"

Bürgermeister Roberto Traversini wird beschuldigt, gegen die Buchführung der Gemeinde verstoßen zu haben.
Foto: Claude Piscitelli
Lokales 3 Min. 02.02.2017

Vorwürfe gegen Bürgermeister: Roberto Traversini: "Übernehme Verantwortung"

Luc EWEN
Luc EWEN
Am Mittwoch ging es im Differdinger Gemeinderat um Vorwürfe der DP gegen den Bürgermeister, der Geld nicht ordnungsgemäß weitergeleitet habe.

(L.E.) -  2014 gab es in Differdingen mit dem Multikulturellen Festival und der „Fête de la musique“ zwei Veranstaltungen der Stadtverwaltung, bei denen nicht alle Einnahmen ordnungsgemäß verbucht wurden. Zudem wurden beim erstgenannten Fest Rechnungen für Gruppen, die aufgetreten waren, abends aus der Kasse bezahlt. Zwar mit Quittung und Auflistung, aber nicht der für Gemeinden vorgesehenen Prozedur entsprechend, also ohne Zahlungsmandat.

„Solch ein Fehler wird in Zukunft nicht mehr vorkommen.“ Mit diesen Worten entschuldigte sich Bürgermeister Roberto Traversini (Déi Gréng) am Mittwoch Morgen in der Gemeinderatssitzung und am Nachmittag noch einmal bei einer eiligst einberufenen Pressekonferenz. Traversini stellte sich ausdrücklich hinter die Stadtbeamten, denen kein Fehler in der Sache um die Vorwürfe – die gegen Mitternacht von der DP in einer Pressemitteilung geäußert worden waren – vorzuwerfen sei. Er übernehme die Verantwortung. Am Ende gab sich auch die DP-Fraktion mit Traversinis Erklärungen zufrieden. Nicht aber der lokale DP-Präsident. Doch der Reihe nach.

Einnahmen waren nicht verbucht worden

In der nächtlichen Pressemitteilung hatte es geheißen, auf Nachfrage hin hätten die kommunalen Behörden der DP mitgeteilt, dass Traversini Geld von einem Beamten erhalten habe. Statt es an den Einnehmer weiterzuleiten, sei ein Teil davon an einen anderen Mitarbeiter gelangt. Zweieinhalb Jahre später sei die Summe wieder im Safe der Stadt aufgetaucht, ohne dass die Gelder verbucht worden seien. Traversini erklärte am Mittwoch, woher das Geld stammt. Konkret geht es um zwei Geldsummen, eine in Höhe von 1 110,48 Euro und eine über 1 985 Euro.

Der erste Betrag stammt vom Multikulturellen Festival am 1. Juni 2014. Hier waren die besagten Rechnungen ohne Zahlungsmandat aus der Kasse bezahlt worden. Alle Belege seien vorhanden, so Traversini. Die Abrechnungen seien ordnungsgemäß durchgeführt worden. Diese seien danach mit dem Umschlag mit dem Geld klassiert worden.

Auch nach dem Musikfest am 21. Juni des gleichen Jahres seien die Einnahmen in einen Umschlag gelegt worden. Laut eigenen Aussagen hatte Traversini diesen Umschlag damals im stadteigenen Tresor deponiert, es aber auch hier versäumt, die zuständigen Beamten zu unterrichten. So seien die Beträge nicht als Einnahmen verbucht worden. Offenbar hatte auch niemand mehr danach gefragt.

Erst als dieser Tage die vom Gesetz vorgesehene Abrechnung der „Comptes administratifs et de gestion de l'exercice 2014“ anstand – über die am Mittwoch  im Gemeinderat abgestimmt werden sollte – fiel das Fehlen der Buchungen auf.

Laut Darstellung der DP sei der Fehler erst entdeckt worden, nachdem die DP damit begonnen habe, Nachforschungen anzustellen. „Sie hätten mich einfach fragen sollen, anstatt eine Pressemitteilung in der Nacht vor der Ratssitzung zu verschicken“, so Traversini an die Adresse der DP.

„Sturm im Wasserglas“ oder „gute Oppositionsarbeit“?

Am Ende wurden die Abrechnungen der „Comptes administratifs et de gestion de l'exercice 2014“ in der Ratssitzung mit den Stimmen der Kenia-Koalition von Déi Gréng, LSAP und CSV und überraschenderweise auch mit den Stimmen der DP angenommen. Lediglich die KPL und Déi Lénk stimmten dagegen.

Für die KPL betonte Aly Ruckert allerdings, dass das Nein seiner Partei nichts mit den Vorwürfen der DP zu tun habe, die er als „Sturm im Wasserglas“ bezeichnete, der dem anstehenden Wahlkampf geschuldet sei. Vielmehr sei seine Partei nicht mit der sozialpolitischen Ausrichtung der Abrechnung einverstanden. Ähnlich zu seinem Abstimmungsverhalten äußerte sich Gary Diderich (Déi Lénk), der allerdings im Gegensatz zu Ruckert die DP dafür lobte, dass sie ihre Kontrollfunktion als Opposition im Gemeinderat erfüllt habe.

Nach der Gemeinderatssitzung erklärte Ratsmitglied Martine Goergen (DP) dem LW auf Nachfrage, dass ihre Fraktion sich mit den Erklärungen des Bürgermeisters zufrieden gebe. Die Sache sei damit erledigt.

Deshalb, und weil die DP selbst bei der Ausarbeitung des Budget 2014 noch im Schöffenrat beteiligt war, habe man sich entschlossen, den „Décompte“ mitzutragen.

Unterschiedliche Aussagen von DP-Fraktion und DP-Präsident

Nicht so der DP-Lokalpräsident und designierte Spitzenkandidat für die Gemeindewahlen, François Meisch, der nicht der DP-Fraktion im Gemeinderat angehört. Er sprach im Interview mit dem Radiosender „Eldoradio“ von „schwarzen Kassen“ und nannte auch andere Beträge als Traversini. Meisch sprach von zwei Umschlägen mit je 5 000 Euro und bezeichnete das Geld als „schwaarz“.

Darauf angesprochen reagierte Traversini bei der Pressekonferenz am Nachmittag: Er könne nicht nachvollziehen, wie Meisch auf diese Summe komme.

Bereits am Morgen, nach der Sitzung, waren allen Ratsmitgliedern Kopien der Belege dafür ausgehändigt worden, dass beide Einnahmen in den Abrechnungen 2017 nachgebucht worden sind.

Kommentar:

Die Differdinger DP isoliert sich selbst

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