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Vorernterundgang in der Apfelplantage: Ernte gut, alles gut!
Lokales 14 3 Min. 13.09.2016 Aus unserem online-Archiv

Vorernterundgang in der Apfelplantage: Ernte gut, alles gut!

Regional genießen: Luxemburgs Äpfel haben einen ausgezeichneten Geschmack.

Vorernterundgang in der Apfelplantage: Ernte gut, alles gut!

Regional genießen: Luxemburgs Äpfel haben einen ausgezeichneten Geschmack.
Foto: Christophe Olinger
Lokales 14 3 Min. 13.09.2016 Aus unserem online-Archiv

Vorernterundgang in der Apfelplantage: Ernte gut, alles gut!

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Auch wenn das Jahr 2016 kein einfaches für die Landwirtschaft war, dürfen sich die Obstbauern auf die Ernte freuen: Die Qualität der Äpfel soll exzellent sein. Kaum ein Konsument weiß jedoch, wie viel Arbeit dahinter steckt.

(SH) - Fans von frischen Äpfeln aus der Region dürfen sich auf die kommenden Wochen freuen. Denn auch wenn die Bedingungen die Obstbauern in diesem Jahr vor echte Herausforderungen stellten, sollen die Früchte dennoch von exzellenter Qualität sein. So lautete am Dienstag das Fazit eines Vorernterundgangs durch die Obstanlage "Juckelsbesch" der Gebrüder Hilgert in Kehlen.

In den kommenden Tagen sollen hier die ersten Früchte geerntet werden. Der Abschluss einer langen und mühsamen Prozedur. Denn wie viel Arbeit hinter dem Apfel steckt, ahnt wohl kaum ein Konsument, wenn er im Supermarkt nach einer Frucht greift.

Wetterkapriolen machen zu schaffen

Diese wird jedoch sichtbar, wenn man sich in die Obstanlage begibt. Hier hängen die  Bäume voll Äpfel der Varianten Gala, Esltar, Jonagold, Boskoop und andere mehr. Selbstverständlich ist dies nicht, heißt es. Denn das Jahr 2016 war wahrlich kein einfaches für die Obstbauern. Wie allen weiteren Landwirten, machten auch ihnen die Wetterkapriolen zu schaffen. Ein kühles Frühjahr, gefolgt von einem sehr nassen Frühsommer sind wahrlich keine Bedingungen, die sich die Anbauer wünschen. "Im Sommer mussten die Bauern mit Fungiziden gegen den Schorfpilz vorgehen. Der Regen erschwerte ihnen die Arbeit allerdings. Denn schüttete es am Tag nach der Behandlung, wie dies oft der Fall war, mussten sie von vorne anfangen. Irgendwann war dann aber die Anlage nicht mehr befahrbar", erklärt Franz-Josef Scheuer, Berater des Dienstleistungszentrum Rheinland-Pfalz.

Dennoch trugen die Bäume der Luxemburger Anbauer Früchte - viele Früchte, so dass eine Ausdünnung nötig wurde. Denn hängen zu viele Äpfel am Baum, kostet dies ihn Kraft und die einzelnen Früchte wachsen nicht so, wie sie es sollen. Allerdings ist hier Fingerspitzengefühl gefragt - und Erfahrung. Bleiben zu viele Äpfel hängen, wachsen die einzelnen Früchte nicht aus. Zudem riskiert der Baum im darauf folgenden Jahr weniger zu tragen. Werden hingegen zu viele Früchte entfernt, werden die verbleibenden Äpfel schnell zu groß.

Sonnenbrand auch für Äpfel

Mit der Ausdünnung waren jedoch noch längst nicht alle Probleme behoben. Denn Ende Juni wurde es ein erstes Mal besonders heiß, gefolgt von der Hitzewelle Ende August. Sonnenbrandgefahr - nicht nur für den Bauern, sondern auch für den Apfel. "Im Innern des Obstes stiegen die Temperaturen auf bis zu 40 Grad Celsius an. Dann kocht das Obst", weiß Franz-Josef Scheuer. Die Folge: Nach dem Sonnenbrand fault der Apfel. Bis zu 30 Prozent Ausfall kann es kommen. In der Anlage in Kehlen sind allerdings nur einige wenige Äpfel hiervon betroffen. Denn seit einigen Jahren verfügt die Plantage über Hagelnetze, die auch vor extremer Sonneneinstrahlung schützen.

Die Netze über den Plantagen schützen nicht nur vor Hagel sondern auch vor extremer Sonneneinstrahlung.
Die Netze über den Plantagen schützen nicht nur vor Hagel sondern auch vor extremer Sonneneinstrahlung.
Foto: Christophe Olinger

Stattdessen haben sich im "Juckelsbesch" Wühlmäuse ausgebreitet, die gerne an den Wurzeln der Obstbäume nagen und an einigen Stellen deutlich sichtbare Schäden angerichtet haben. Und auch Unkraut gilt als natürlicher Feind der Apfelbäume, da es zu viel Wasser und Nährstoffe aus dem Boden zieht.

Erst der Test, dann das Pflücken

Dank des Einsatzes der Obstbauern konnten die Schäden dennoch in Grenzen gehalten werden und die Früchte weiter reifen. Doch wie merkt der Profi nun eigentlich, wann ein Apfel richtig reif ist? Ein Jodstärketest schafft hier Abhilfe. Hierbei werden einzelne Äpfel gepflückt, aufgeschnitten und mit dem Mittel besprüht. Verfärbt sich der Apfel schwarz, sollten die restlichen Früchte noch hängen bleiben. Bleibt er hell, kann die Ernte beginnen. Fazit am Dienstag: Die Gala-Äpfel können in Kehlen ab, die Elstar-Äpfel brauchen noch ein paar Tage, ehe sie in die Hände der Pflücker geraten.

Denn einfach auf den Kalender wollen sich die Luxemburger "Eis Uebst - Us Uebscht"-Bauern nicht verlassen. Sie wollen genussreif ernten, auch wenn dies zu einem anderen Zeitpunkt ist, als es die Theorie vorsieht.

Deshalb liegt auf den Schultern der Pflücker in den kommenden Tagen besonders viel Verantwortung. Denn um dem Konsumenten genussvolle Früchte zu garantieren, müssen sie sorgfältig entscheiden, welche Äpfel zu welchem Zeitpunkt geerntet werden. Und welche gar nicht erst in eine Kiste gehören. Denn ein Apfel, der unter Sonnenbrand litt, riskiert, faul zu werden - und dies auf die restlichen Früchte zu übertragen.

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