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Vor zehn Jahren: Robert Bievers große Stunde
Bei der Pressekonferenz machte Robert Biever auch keinen Hehl aus seinem Unmut über die Pleiten, Pech und Pennen während der Ermittlungen.

Vor zehn Jahren: Robert Bievers große Stunde

Marc Wilwert
Bei der Pressekonferenz machte Robert Biever auch keinen Hehl aus seinem Unmut über die Pleiten, Pech und Pennen während der Ermittlungen.
Lokales 21 1 3 Min. 24.11.2017

Vor zehn Jahren: Robert Bievers große Stunde

Eric HAMUS
Eric HAMUS
21 Anschläge, neun Einbrüche, ein Erpressungsversuch: In den Achtzigern halten die Bommeleeër das Land zwei Jahre lang in Atem. Die Justiz aber halten sie drei Jahrzehnte zum Narren. Bis Robert Biever an einem Sonntagmorgen im November 2007 vor die Presse tritt.

Von Eric Hamus

Es ist der 24. November 2007, kurz nach 19 Uhr. Ein Samstag. In der Jackentasche vibriert das Telefon. Unbekannter Teilnehmer. Auf dem hauptstädtischen Knuedler lassen die Pfadfinder gerade ihr Jubiläumsjahr Revue passieren. Die wohl bekannteste Jugendbewegung der Welt feiert ihren 100. Geburtstag. Geladen sind viele Vertreter aus Gesellschaft und Politik, dazwischen tummeln sich etliche Journalisten.

„Die Staatsanwaltschaft hat angerufen“, erklärt der Pförtner vom Verlagshaus am anderen Ende der Leitung. Man habe eine Pressekonferenz für den nächsten Morgen einberufen. Mehr wisse er nicht. Stirnrunzelnd lässt der Reporter des „Luxemburger Wort“ das Telefon wieder in der Tasche verschwinden.

Fragen über Fragen

Eine Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft an einem Sonntagmorgen? So kurzfristig? Das kann nur etwas Größeres sein. Ein Blick in die Gesichter der Kollegen genügt; es liegt etwas in der Luft. Binnen Minuten dann die ersten Gerüchte: Es gab Verhaftungen im Fall Bommeleeër. Zwei Polizisten. Die Stimmung schlägt um, es dominiert nur noch ein Thema.

Rückrufe bei der Staatsanwaltschaft sind vergebliche Liebesmüh an diesem Abend. Es ist Samstag, niemand geht ran. Im Justizpalast in der Altstadt sitzt nur noch ein Sicherheitsbeamter. Die Journalisten müssen sich bis zum nächsten Morgen gedulden. Verhaftungen im Fall Bommeleeër? Soll die Affäre doch noch aufgeklärt werden?

Tatsächlich war das Dossier etwas zuvor wieder in die Aktualität gerückt. Nach den obligatorischen „30 Jahre sind es her“-Berichten, waren die früheren Regierungsmitglieder Jacques Santer und Marc Fischbach im Frühling jenes Jahres von Untersuchungsrichterin Doris Woltz vorgeladen worden. Anschließend war es aber wieder ruhig geworden ums Thema.

Auftritt Robert Biever

Am Morgen des 25. November brennt im hauptstädtischen Justizpalast förmlich die Luft. Im großen Verhandlungssaal tauschen Journalisten die letzten Gerüchte aus, während sie nervös auf den Anwaltsbänken hin und her rutschen. Rasch werden die Laptops hochgefahren, Kugelschreiber und Notizblock zurecht gerückt. Dann, um 11 Uhr, verstummt der Saal.

Der Protagonist des Tages tritt ans Richterpult: „Dir Dammen an dir Hären, entschëllegt mech, dass ech Iech um Sonndegmueren dovun ofhalen ... déi eng fir an d'Mëss ze goen, déi aner fir an de Bësch lafen ze goen ...“, beginnt Robert Biever seine Ausführungen.

Der Staatsanwalt im Bezirk Luxemburg wirkt selbstsicher und zufrieden. „Ech verstoppen net, datt ech ëmmer sou e Gefill hat, dat heite wier eng Affär, wou mer eng Kéier misste Konte presentéieren, wou mer eng Kéier gefrot ginn, wat ass dat do.“ Und dann legt Biever die Fakten vor.

Mehr als eine Stunde dauert sein Vortrag. In chronologischer Reihenfolge geht er auf jeden einzelnen Einbruch, Erpressungsversuch und Bombenanschlag aus den Jahren 1984, 1985 und 1986 ein, skizziert die Pisten, die ohne Erfolg ausgelotet wurden und macht auch keinen Hehl aus seinen Unmut über die Fehlerserie, die sich wie ein roter Faden durch das Ermittlungsverfahren zieht.

Die Insiderspur

Immer wieder streicht Biever jene Erkenntnisse hervor, die schlussendlich den Verdacht auf die „stets gut informierte“ Brigade Mobile der Gendarmerie lenken sollten. Die Dreistigkeit, die Ausbildung, das Insiderwissen – die Verdachtsmomente seien so groß gewesen, dass es keine Alternative mehr zu einer Verhaftung gegeben hätte. Dies sei aber nicht mit einem Schuldspruch gleich zu setzen, zumal die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien.

Namen werden bei der Pressekonferenz keine genannt. Nur, dass es sich um ehemalige Mitglieder der BMG handelt und dass die Staatsanwaltschaft von insgesamt vier Tätern ausgeht. Der Prinz gehöre aber ganz sicher nicht dazu, so Biever.

„Aktiv und intensiv“

Knapp fünf Jahre später steht schließlich fest: Marc Scheer und Jos Wilmes werden sich wegen der Attentatsserie vor Gericht verantworten müssen.

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Allerdings wird nach dem Auftakt des Prozesses am 25. Februar 2013 rasch klar, dass die beiden Angeklagten nicht die einzigen Verdächtigen sind. Im Laufe des Prozesses werden weitere Mitglieder der BMG in die Mangel genommen, ebenso wie ihre Vorgesetzten.

Am 25. Juni 2014 erklärt die Staatsanwaltschaft, dass die Ex-Offiziere Guy Stebens, Aloyse Harpes, Charles Bourg, Pierre Reuland und Armand Schockweiler sowie Ex-BMG-Mitglied Marcel Weydert nicht mehr als Zeugen gehört werden könnten. Sie seien wegen ihrer Aussagen und ihres Benehmens fortan als Verdächtige zu betrachten.

Der Kriminalkammer bleibt nach 172 Verhandlungstagen keine andere Wahl, als den Prozess bis zum Abschluss der Ermittlungen auszusetzen. Und diese laufen bis heute auf Hochtouren, geleitet von Untersuchungsrichter Ernest Nilles. „Im Moment wird immer noch aktiv und intensiv am Dossier gearbeitet“, heißt es am Freitagabend aus der „Cité judiciaire“.