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Vor einem Jahr: Bauchlandung in Saarbrücken
Lokales 2 Min. 30.09.2016

Vor einem Jahr: Bauchlandung in Saarbrücken

Auf dem Flughafen Saarbrücken kommt es am Mittwoch (30.9.2015) zu einer Bruchlandung einer Luxair-Maschine. Der Flieger hatte Fahrwerksprobleme und machte eine Bauchlandung, verletzt wurde niemand. Die Fluggäste wurden in Sicherheit gebracht.

Vor einem Jahr: Bauchlandung in Saarbrücken

Auf dem Flughafen Saarbrücken kommt es am Mittwoch (30.9.2015) zu einer Bruchlandung einer Luxair-Maschine. Der Flieger hatte Fahrwerksprobleme und machte eine Bauchlandung, verletzt wurde niemand. Die Fluggäste wurden in Sicherheit gebracht.
Foto: Becker&Bredel
Lokales 2 Min. 30.09.2016

Vor einem Jahr: Bauchlandung in Saarbrücken

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Es waren die beiden Worte „Oops, sorry“ die diesen Zwischenfall verewigten. Die Fehlmanipulation einer Luxair-Copilotin verlief glimpflich. Ein Rückblick.

Von Jacques Ganser

Der 30. September 2015 ist ein sonniger, leicht böiger Tag in Saarbrücken. Auf der Startpiste 09 des Flughafens Saarbrücken-Ensheim steht eine startbereite Bombardier Q 400 der Luxair. Flug LG9562 soll die 16 Passagiere zum Heimatflughafen Luxemburg bringen. Die Checkliste wird abgehakt, die beiden Turboprops werden hochgefahren. Um 10:16 Uhr und 42 Sekunden passiert es dann:

Die 27-jährige Kopilotin entriegelt bei Erreichen der Abhebegeschwindigkeit  (VR in der Fliegersprache) den Fahrwerkshebel und zieht das Fahrwerk ein. Das Hauptfahrwerk, das werden die späteren Ermittlungen zeigen, hat zu diesem Zeitpunkt noch Bodenberührung.

Die Nase des Flugzeugs zeigte gerade einmal fünf Grad nach oben, erforderlich wären aber zehn Grad gewesen. Zudem hätte die Copilotin die Anzeige  „positive rate of climb“ und den Ausruf des Piloten „Gear up“ abwarten müssen.

Die Unterseite der Q400 wurde komplett aufgerissen.
Die Unterseite der Q400 wurde komplett aufgerissen.
Foto:BFU

„Oops, sorry“

Die Copilotin, die immerhin eine Flugerfahrung von 3295 Stunden hat, bemerkt ihren Fehler schnell, aber zu spät. „Oops, sorry“ entfährt es ihr. Der Aufprall ist heftig. Der Flieger schlägt hinten auf, danach berührt der Vorderteil des Rumpfes den Boden insgesamt drei mal.

Geistesgegenwärtig kann der Pilot die Maschine in der Mitte der Piste halten. Sie kommt nach einer insgesamt 875 Meter langen Rutschpartie zum Stehen.

Mannschaft und Passagiere bleiben unverletzt. Die Experten der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung richten ihr Augenmerk sofort auf das Fahrwerk. Technische Fehler können ausgeschlossen werden, der Fehler der Copilotin wird als einzige Ursache zurückbehalten werden.

Die Experten sprechen von einem Glitch, einem Lapsus also. Das Unterbewusstsein leitet dabei eine Handlung ein, die man sich bewusst verbietet. Laut Ermittler ist „Fehler machen so normal wie Sauerstoff atmen“. Der Copilotin wird es nicht helfen: sie wird von Luxair in den Bodendienst versetzt und wird wohl nicht wieder fliegen. Der Pilot, dem kein Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, durfte nach ein paar Wochen Pause wieder zurück in den normalen Flugdienst.

Justiz in Saarbrücken aktiv

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat unterdessen ein Ermittlungsverfahren gegen die Copilotin eingeleitet, dies wegen fahrlässiger Gefährdung des Luftverkehrs. Die für die abschließende Beurteilung des Falles maßgeblichen Untersuchungsergebnisse der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) stehen allerdings noch aus.

Wann mit einem Abschluss der Ermittlungen gerechnet werden kann, steht zurzeit noch nicht fest. Die Dash-8 indes wird schwer beschädigt, der Rumpf ist zerkratzt respektive durchgeschliffen. Die Propellerblätter sind verbogen und abgeschliffen. Eine Reparatur wäre zwar möglich gewesen, Luxair verzichtet aber und zieht es vor, die Maschine zu ersetzen. Mit immerhin 32 Millionen Dollar Listenpreis ist dieses Fliegermodell kein Schnäppchen. Während der Schaden durch die Versicherung abgedeckt war, sorgt der Ausfall der Maschine bei der Luxair-Planung für größere Probleme.

Der Fahrwerkshebel wird vom Copilot bedient, wenn der Pilot das Flugzeug steuert.
Der Fahrwerkshebel wird vom Copilot bedient, wenn der Pilot das Flugzeug steuert.
Foto: BFU

Umbau der Flotte

Eine Reihe von Flügen musste abgesagt werden, auf anderen Linien mussten die weniger rentable Boeing 737 eingesetzt werden. Vor allem aber wird das Erneuerungsprogramm der Luxair-Flotte gründlich durcheinander gebracht. Die letzen zweistrahligen Embraer ERJ-145 werden länger als geplant ihren Dienst verrichten müssen, im Oktober dieses Jahres wird das letzte Flugzeug dieser Modellreihe bei Luxair ausgemustert und verkauft. Die zehnte und vorerst letzte Bombardier wurde vor einer Woche an Luxair ausgeliefert.

Auf rechtlicher Ebene blieb Luxair ein Prozess erspart, weil niemand zu Schaden kam. „Was andere Formalitäten betraf, so konnten wir uns mit den Passagieren einigen“, so Luxair-Pressesprecher Marc Gerges.


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31.5. Findel / Ankunft neue Bombardier Q400 der Luxair /  foto: Guy Jallay
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