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Vor dem Kebab niedergeschlagen
Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Vor dem Kebab niedergeschlagen

Foto: Serge Waldbillig
Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.
Lokales 2 Min. 14.01.2019

Vor dem Kebab niedergeschlagen

Scheinbar ohne Grund wird ein Mann im März 2016 in Mersch von zwei Männern niedergeschlagen. Einer der mutmaßlichen Täter muss sich nun wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten.

(SH) - „Gegen 23 Uhr verließ ich das Restaurant. Nachdem ich mich zu meinem Wagen begeben hatte, bemerkte ich zwei Personen, die sich von einer Baustelle aus näherten. Ich schöpfte keinen Verdacht. Dann fingen sie jedoch gleich an, auf mich einzuschlagen, dies ohne ein Wort zu sagen.“ Mit diesen Worten schilderte das Opfer vor Gericht, was ihm am Abend des 22. März 2016 vor seinem eigenen Kebab-Restaurant in Mersch zugestoßen war.

Der Mann wurde bei dem Angriff mit einer Holzlatte, die die Täter vermutlich auf der Baustelle entwendet hatten, auf den Kopf geschlagen und mit einem Messer drei Mal in den Rücken gestochen. Dabei wurde er so schwer verletzt, dass er mehrere Tage auf der Intensivstation verbringen musste. Fast ein Jahr lang konnte der Mann seiner Arbeit nicht nachgehen. Die Folgen des Angriffs machen ihm bis heute körperlich zu schaffen.

Der Anwalt des Opfers forderte für den körperlichen, psychischen und materiellen Schaden, den sein Mandant erlitten hat, denn auch eine Entschädigung von 136 500 Euro.

Dass sich derzeit nur ein Mann wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung vor den Richtern der Kriminalkammer verantworten muss, erklärt sich dadurch, dass die Ermittler mit Jammar A. nur einen mutmaßlichen Täter ausmachen konnten. Von ihm waren nicht nur DNA-Spuren an jener Latte, die als Tatwaffe gedient hatte, ausgemacht worden. Auch sein Mobiltelefon war am Abend der Tat in Mersch eingeloggt.

Muskulöse Männer

Weitere DNA-Spuren oder Handydaten konnten nicht ausgewertet werden, sodass die Fahndung nach dem zweiten mutmaßlichen Täter bisher erfolglos blieb.

Dass mindestens zwei Männer am Angriff beteiligt waren, hatte nicht nur das Opfer erklärt, sondern auch zwei Zeugen. Sie hat-ten zwei vermummte, muskulöse Männer – eine Beschreibung, die auf den Angeklagten zutrifft – vom Kebab-Restaurant in Richtung eines Parkplatzes laufen sehen. Etwa zeitgleich sei ein dunkler BMW auf den Parkplatz gefahren und habe ihn dann gleich wieder verlassen. Am Steuer des Wagens habe sich ebenfalls ein muskulöser Mann befunden.

„Der Angriff sah nach einem Einschüchterungsversuch aus“, mutmaßte der Ermittler der Polizei über ein mögliches Motiv. Gestohlen sei nichts geworden. Auch habe es keinen Versuch gegeben, in den Imbiss einzubrechen.

Der Ermittler fuhr fort: „Das Opfer gab den Eindruck, dass es nicht wollte, dass der Täter überführt wird.“ So hatte der Mann bei der Polizei gesagt, dass der nun Angeklagte, den er zuvor ein paar Mal in seinem Restaurant gesehen hatte, nichts mit der Tat zu tun haben könnte.

Eine Spur nach einem anderen mutmaßlichen Täter war im Nichts verlaufen. Verdächtigt wurde zunächst nämlich ein Geschäftspartner des Opfers, mit dem dieses in Streit geraten war. Der Mann gab bei der Polizei zu, es auf das Opfer sitzen zu haben, stritt jedoch ab, eine solche Tat begangen zu haben. Handydaten und DNA-Spuren sprachen ebenfalls dagegen, dass er einer der Täter gewesen sein könnte.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Neben dem Gerichtsmediziner kommen dann auch der Angeklagte, seine Verteidigerin und die Staatsanwaltschaft zu Wort.

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