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Vor dem Berufungsgericht: Angeklagte zeigen späte Einsicht
Lokales 20.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Vor dem Berufungsgericht: Angeklagte zeigen späte Einsicht

Das Urteil soll im Mai fallen.

Vor dem Berufungsgericht: Angeklagte zeigen späte Einsicht

Das Urteil soll im Mai fallen.
Foto: Marc Wilwert
Lokales 20.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Vor dem Berufungsgericht: Angeklagte zeigen späte Einsicht

Am Montag kämpften zwei Männer, die auf Facebook ausländerfeindliche Äußerungen und Morddrohungen gegen Asti-Verantwortliche veröffentlicht hatten, vor dem Berufungsgericht für einen Freispruch bzw. geringere Strafen.

(SH) - „Ich hatte in erster Instanz gesagt, ich hätte die Kommentare nicht selbst geschrieben. Ich war es aber“, erklärte Dan S. am Montag vor dem Berufungsrichter. Im Januar war er vor dem Bezirksgericht ebenso wie Francis S. wegen ausländerfeindlicher Äußerungen und Morddrohungen gegen die beiden Ausländerrechts-Aktivisten Serge Kollwelter und Laura Zuccoli verurteilt worden.

Nach einer Fernsehsendung am 31. März 2014 zur Problematik leerstehender Häuser hatten sich die Angeklagten in einer öffentlichen Gruppe auf Facebook dafür stark gemacht, physische Gewalt gegen Kollwelter und Zuccoli anzuwenden und darüber diskutiert, welches Kaliber Munition wohl angemessen sei, um sie zu erschießen.

Er sei zum Zeitpunkt der Facebook-Diskussion in keiner guten psychischen Verfassung gewesen, erklärte Dan S.. Ein Gutachten von einem Psychiater, bei dem er seit 1997 in Behandlung ist, bestätigt dies: „Ich habe nichts gegen Ausländer und besitze auch keinen Waffenschein. Ich bin kein schlechter Mensch.“

Sein Anwalt meinte, sein Mandant habe auf Facebook von einem „Fléihpeiter“ und „Cal. 50“ geschrieben. Ob dies genüge, um ihn zu verurteilen, sei fraglich: „Die ganze Diskussion ist nicht zusammenhängend. Eine ernste Drohung stellt sie nicht dar“, so der Anwalt.

Niedrigere Strafe gefordert

Der vorbestrafte Dan S. war in erster Instanz zu einer Haftstrafe von neun Monaten ohne Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt worden. Wird das Urteil bestätigt, muss er für eine längere Zeit ins Gefängnis. Dies sei problematisch, da seine beiden Enkelkinder bei ihm lebten, erklärte Dan S.

Gegen Francis S. wurden in erster Instanz neun Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe verhängt. Dass er verurteilt wurde, akzeptiere er. Die Höhe des Strafmaßes jedoch nicht: „Ich habe meine Fehler eingesehen“, so der Angeklagte: „Bei einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung steht jedoch meine Arbeit auf dem Spiel.“

Der Generalstaatsanwalt sah den Tatbestand als erwiesen an, forderte am Montag jedoch eine geringere Strafe von sechs Monaten – für Dan S. ohne Bewährung, für Francis S. mit – an. Das Urteil soll am 20. Mai fallen.


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