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Vor 30 Jahren: Der Papst in Luxemburg
Lokales 15 2 Min. 15.05.2015

Vor 30 Jahren: Der Papst in Luxemburg

Der Pastoralbesuch von Johannes Paul II. im Mai 1985 war für Luxemburg und die katholische Kirche des Landes ein historisches Ereignis. Zehntausende wollten den Papst aus Polen auf dem Glacis, in Echternach und Esch/Alzette erleben.


Von Jean-Paul Schneider*

32 Stunden, elf Etappen mit vier Höhepunkten und ein Gebet als Leitmotiv. So lässt sich rein äußerlich-numerisch betrachtet der erste Besuch zusammenfassen, den am 15. und 16. Mai 1985 ein Papst der damals genau 115 Jahre alten Diözese Luxemburg und dem Land Luxemburg in seiner heutigen Staatsform abstattet.

Große Begeisterung, ein sorgfältig geplantes Programm und sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen sind weitere äußere Zeichen dieser Visite des Bischofs von Rom im kleinsten Mitgliedsland der Benelux-Gemeinschaften.

Der Papst in Luxemburg. Auf seiner 26. Auslandsreise vom 11. bis zum 21. Mai 1985 besucht Johannes Paul II. neben den Niederlanden und Belgien das Großherzogtum. Luxemburg, Esch/Alzette und Echternach sind die Stationen seiner zweitägigen Pastoralvisite.

Der Papstbesuch ist ein historisches Ereignis für die Kirche von Luxemburg, die sich unter dem Leitthema „Dem Herrgott säi Räich – dem Mënsch säi Liewen“ auf den Besuch vorbereitet hat, wie für das Land und seine Bewohner. Sie ruft der Bischof von Rom auf, das Leben ihres Alltags Gott zu öffnen und entschieden für Gerechtigkeit in der Gesellschaft einzutreten.

Zehntausende Menschen nehmen an den verschiedenen Begegnungen mit dem Papst teil, der zunächst nach seiner Ankunft auf Findel am Vormittag des 15. Mai vor das Gnadenbild der Trösterin der Betrübten tritt und den alten, kranken und behinderten Mitmenschen im Mariendom begegnet, ihnen Trost und Hoffnung zuspricht.

Ein Besuch bei der großherzoglichen Familie im Palais sowie eine Begegnung mit den zivilen Autoritäten, dem diplomatischen Korps und den Vertretern der anderen Religionen im Stadttheater schließen sich am Nachmittag an.

Am Abend dann, nach einer halbstündigen Ansprache im Plenarsaal des Europäischen Parlaments auf Kirchberg, wird der Heilige Vater am Portal II von Arbed in Esch/Belval empfangen. Zusammen mit der Arbeiterschaft und Migranten aus ganz Luxemburg feiert der Pontifex aus Polen einen Gottesdienst vor der Hochofenkulisse. 

Johannes Paul II. betet am Grab des hl. Willibrord in der Krypta der Basilika.
Johannes Paul II. betet am Grab des hl. Willibrord in der Krypta der Basilika.
Foto: LW-Archiv

Christi Himmelfahrt, zweiter Tag der Papstvisite. Vor dem großen Gottesdienst auf dem Glacis-Feld ab 9.30 Uhr haben sich im Stadttheater der einheimische Klerus, Vertreter der Ordensgemeinschaften, Mitglieder der diözesanen Räte, Vertreter der katholischen Organisationen und Bewegungen in Luxemburg um das Oberhaupt der katholischen Kirche versammelt.

Das anschließende feierliche Pontifikalamt wird als größte Messe in die Geschichte Luxemburgs eingehen. 60 000 Menschen sind live dabei, viele andere verfolgen die Eucharistiefeier via Fernsehen und Radio.

Am Nachmittag dann die herzliche Begegnung mit der Jugend und dem heiligen Willibrord in Echternach; er ermutigt sie, auf den Spuren des großen Heiligen am Aufbau einer besseren Welt teilzunehmen.

Jede der insgesamt elf Etappen dieses Kurzbesuchs ist mit großen Emotionen, ergreifenden Begegnungen und prägenden Erlebnissen verbunden. Der Papst, der auf den beiden anderen Stationen seiner Auslandsvisite ein eher „kühles Klima“ erlebt, gewinnt in Luxemburg die Herzen der Menschen, die ihn begeistert begrüßen und den Besuch zu einem wahren Fest des Glaubens und der Freude werden lassen.

Johannes Paul II. geht offen auf alle Menschen zu und drückt seinen Dank bei der Abschiedszeremonie auf dem Flughafen auch durch die spontane Ernennung von Bischof Jean Hengen zum Erzbischof aus.

* Dieser Artikel erschien 2010 im "Luxemburger Wort" zum 25. Jubiläum des Papstbesuchs


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