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Von wegen goldener Herbst
Lokales 4 Min. 04.12.2019

Von wegen goldener Herbst

Grau in Grau präsentierte sich der Großteil des herbstlichen Wettergeschehens.

Von wegen goldener Herbst

Grau in Grau präsentierte sich der Großteil des herbstlichen Wettergeschehens.
Anouk Antony
Lokales 4 Min. 04.12.2019

Von wegen goldener Herbst

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Die Wetterbilanz der Herbstmonate zeigt überdurchschnittliche Niederschlagsmengen und zu wenig Sonnenschein.

Im Gegensatz zu den vergangenen Herbstsaisons, die sich eher golden, warm und sonnig präsentierten, war der Herbst 2019 nur durchschnittlich sonnig. Laut der Saisonbilanz des staatlichen Wetterdienstes Meteolux waren die Monate von September bis November auch zu mild und zu feucht.

Spätsommerlicher Beginn

Das erste Drittel des Monats September brachte zunächst noch recht ruhiges und teils spätsommerliches Wetter. Mit dem Durchzug eines Tiefs wurde es dann herbstlicher mit wolkenreicher und etwas kühlerer Luft. Dieser kurze frühherbstliche Witterungsabschnitt wurde in der zweiten Dekade von einem Bodenhoch mit trockener und warmer Luft abgelöst. Es bildeten sich lokale Dunst- und Nebelfelder.

Ruhiges Wetter bestimmte dann den mittleren Monatsabschnitt im September. Nachts trat bei wolkenlosem Himmel lokal in ungeschützten Muldenlagen allerdings bereits leichter Bodenfrost auf. 

Erster Schnee im November 

Die zweite Monatshälfte gestaltete sich stürmischer mit Tiefausläufern und gegen Ende des Monats sorgte ein Sturmtief verbreitet für stürmische Böen (Windstärke acht) und sogar Sturmböen (Windstärke neun). Dieser unbeständige Witterungsabschnitt setzte sich auch Anfang Oktober fort.


überschwemmungen - Ermsdorf -  aufräumarbeiten - Photo : Pierre Matgé
Sturzfluten und Früherkennung
Ein Forschungsprojekt untersucht die Vorhersagbarkeit von Sturzfluten. Mit einem komplexen Messnetz im Einzugsgebiet der Weißen Ernz soll das Phänomen unter die Lupe genommen werden und langfristig eine Vorwarnung möglich sein.

Nach einer milderen Phase erreichte zum Monatsende kühle Polarluft Luxemburg, welche langsam unter Hochdruckeinfluss gelangte. Gebietsweise kam es zu Bodenfrost und örtlichem Nebel. Feucht-kühles Wetter bestimmte anschließend die erste Novemberhälfte. Eine feucht-kühle Witterung mit verbreitet Nebel, aber auch leichtem Bodenfrost, bestimmte die zweite Dekade. Oberhalb von etwa 450 Metern gingen im Ösling die Niederschläge kurzzeitig in Schnee über.

Danach folgte eine Umstellung der Großwetterlage. Feuchte und wolkenreiche Luft sorgte für ruhiges aber teils neblig trübes Novemberwetter in Luxemburg. Danach stellte sich vorübergehend eine Westwetterlage mit Niederschlägen ein. Zum Monatsende etablierte sich ein kräftiges Tiefdruckgebiet über Skandinavien und sorgte für kalte und weniger feuchte Luft in Luxemburg.

Positive Niederschlagsbilanz

Die Lufttemperaturen im Herbst 2019 waren etwas höher als sie im langjährigen Mittel für diesen Zeitraum zu erwarten sind. Die mittlere Lufttemperatur lag mit 10,1 Grad Celsius um 0,7 Grad höher als in der Referenzperiode 1981 bis 2010 (9,4 Grad). Die Höchstwerte der Lufttemperaturen erreichten im Mittel 13,6 Grad, die Tiefstwerte 6,9 Grad. Das absolute Maximum wurde mit 25,9 Grad am 15. September registriert, der absolute Tiefstwert mit -2,3 Grad am 20. November.

Die Monatsmitteltemperaturen lagen im September bei 14,5 Grad, im Oktober bei 10,9 Grad und im November bei 4,9 Grad. Im Herbst 2019 traten zwei Sommertage mit mehr als 25 Grad an der Wetterstation auf dem Flughafen Findel auf. Es ereigneten sich zudem sieben Frosttage. Im langjährigen Mittel (1981 bis 2010) ist mit rund zehn Frosttagen zu rechnen. Bodenfrost wurde an insgesamt elf Tagen registriert.

Regenreicher Oktober

Die Niederschlagssumme für den Herbst betrug 275 Liter pro Quadratmeter. Damit ist das langjährige Soll des Niederschlags am Flughafen Findel, bezogen auf den langjährigen Mittelwert der Referenzperiode von 1981 bis 2010, um rund 15 Prozent überschritten. Besonders der Oktober 2019 war mit einer Niederschlagssumme von 128,9 Litern sehr regenreich. Insgesamt wurde die sonst übliche Menge an Niederschlag (86,8 l/m2) um 48,5 Prozent überschritten. Der November übertraf mit 87,6 Litern pro Quadratmeter ebenfalls das Soll.

Die höchste Tagessumme des Niederschlags, gemessen von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr morgens des Folgetages, wurde am 20. Oktober mit 31,9 l/m2 gemessen. Mit 48 Niederschlagstagen lag diese Anzahl im Herbst 2019 knapp über dem klimatischen Mittelwert von 46 Tagen. In diesem Herbst ereigneten sich keine Gewittertage.

Nur wenig Sonne

Im langjährigen Mittel (1981 bis 2010) sind statistisch 321,8 Sonnenscheinstunden zu erwarten. Der Herbst 2019 war durchschnittlich sonnig und hat mit 312,1 Stunden den langjährigen Mittelwert um etwa drei Prozent unterschritten. In diesem Herbst traten 22 Nebeltage auf. Dieser Wert lag etwas unter dem langjährigen Mittel (25 Tage). Insgesamt traten im September ein und im Oktober neun Nebeltage auf. Im November 2018 waren es zwölf Nebeltage.

Dankbar war die Landwirtschaft für den reichlichen Niederschlag, der während der gesamten Herbstmonate überdurchschnittlich war. Obwohl der Himmel seine Schleusen in diesem Herbst großzügig öffnete, reicht dieser Niederschlag laut den Experten der Administration des services technique de l'agriculture ASTA nicht aus, um das Defizit, das seit Januar 2019 besteht, auszugleichen.

Niederschläge reichen nicht aus

Wohl haben sich die oberen Bodenschichten wieder mit Wasser gefüllt und auch die Fließgewässer haben sich infolge der Niederschläge erholt. Die tieferen Bodenschichten und also auch das Grundwasser würden aber Jahre brauchen, um sich zu regenerieren. Laut ASTA bräuchte es weiterhin viel Niederschlag im Lauf des Winters, um die Trinkwasserreserven aufzufüllen, aber auch um den Zustand der Wälder und die Lage für die Landwirtschaft zu verbessern.


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