Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Von Militär- und Ausweichmanövern
Lokales 3 Min. 27.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Von Militär- und Ausweichmanövern

Von Militär- und Ausweichmanövern

Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 27.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Von Militär- und Ausweichmanövern

Die siebte Woche im Bommeleeër-Prozess, die am Donnerstag ihr Ende fand, war bestimmt durch erstaunliche Erinnerungslücken sowie ein auffälliges Desinteresse, sowohl in Reihen des Srel als auch an der Spitze der Gendarmerie, in Bezug auf die Spur „Ben Geiben“.

Von Gilles Sibenaler

Die siebte Woche im Bommeleeër-Prozess, die am Donnerstag ihr Ende fand, war bestimmt durch erstaunliche Erinnerungslücken sowie ein auffälliges Desinteresse, sowohl in Reihen des Srel als auch an der Spitze der Gendarmerie, in Bezug auf die Spur „Ben Geiben“. Daneben rückte auch der Stay Behind wieder mehr in den Fokus, und mit ihm die Luxemburger Armee.

Inwiefern besteht ein Zusammenhang zwischen Militärmanövern im Großherzogtum Mitte der 1980er-Jahre und dem Stay-Behind-Netzwerk? Und gibt es eine Verbindung zwischen diesen Manövern und der Bommeleeër-Affäre? Diese Fragen sind nicht neu, gewannen aber in der vergangenen Prozesswoche an Brisanz.

Informationen eines anonymen Soldaten

Hintergrund waren einerseits Informationen eines anonymen Soldaten, die das Gericht am Montag via den Srel erhalten hatte. Besagter Soldat hatte dem späteren Armee-Chef Colonel Armand Bruck attestiert, im Frühling 1984 ein auffälliges Interesse an den Sendemasten im Raum Beidweiler gehabt zu haben.

Bekanntlich waren am 30. Mai sowie am 2. Juni 1984 zwei Sprengstoffanschläge auf einen Sendemasten nahe Beidweiler verübt worden. Dieser anonyme Soldat soll nun identifiziert und vor Gericht gehört werden. Zudem beantragte die Verteidigung eine Hausdurchsuchung im Archiv der Armee. Andererseits war am Mittwoch ein „Tageblatt“-Foto aufgetaucht, das neben Luxemburger Soldaten und US-amerikanischen Special Forces auch Srel-Agenten im Anschluss an ein Manöver zeigen sollte.

Die Verteidigung wollte Srel-Operationschef Nicki Bock und „Plan“-Gruppenleiter Pierre Schiltz erkannt haben. Wie das „Luxemburger Wort“ aber aus zuverlässiger Quelle erfuhr, handelt es sich bei den Personen auf dem Bild aber nicht um die Genannten und auch nicht um Srel-Agenten.

Ben Geiben, die „beste Spur“

Neben dem Stay Behind bestimmte der Name Ben Geiben das jüngste Prozessgeschehen. Ermittler Carlo Klein gab nämlich vor dem Richterpult die Aussagen einstiger Srel-Spitzenleute und führender Gendarmerie-Offiziere zur „besten Spur“ wieder. Die Aussagen, vor allem aus Gendarmerie-Kreisen, bestachen durch erstaunliche Erinnerungslücken, augenscheinliche Ausweichmanöver auf konkrete Fragen und offenbarten ein verwunderliches Desinteresse der obersten Beamten der öffentlichen Sicherheit an der Spur „Ben Geiben“, immerhin einem Ex-Offizier der Gendarmerie und anerkannten Spitzenkraft.

Allen Protagonisten vor Gericht war aber auch klar, dass sich die Befragten im Nachhinein wohl an weniger erinnern wollten, als sie eigentlich wussten oder wissen. Darüber hinaus war am Donnerstag auch wieder der Weggang Geibens aus der Gendarmerie aufgrund einer mutmaßlichen Pädophilie-Affäre ein Thema. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob je Klage gegen den BMG-Gründer in so einer Sache geführt wurde.

Neuigkeiten aus dem Srel

Außerdem nahmen unter der Woche sowohl Premier Jean-Claude Juncker und Minister Luc Frieden als auch Generalstaatsanwalt Robert Biever Stellung zu den Enthüllungen, dass der Srel sie bei unterschiedlichen Gelegenheiten über seine Theorie zur Verstrickung des Stay Behind in die Attentatsserie informiert habe.

Alle drei – die Politiker gegenüber der Presse, Biever per Schreiben an die Kriminalkammer – wiesen Vorwürfe zurück, sie hätten in dieser Sache jemals konkrete Informationen erhalten, die sie nicht an die zuständigen Instanzen weitergereicht hätten. Des Weiteren wurden mittlerweile die Aussagen der Ex-Srel-Leute André Kemmer und Frank Schneider gegenüber der parlamentarischen Geheimdienst-Untersuchungskommission an die Kriminalkammer übermittelt, die diese nun sichten wird. 

„Stay Behind“ am Dienstag Thema vor Gericht

Am Montag soll vor Gericht die Spur „Ben Geiben“ abgeschlossen werden. Am Dienstag soll nämlich die „Stay Behind“-Piste behandelt werden. Erst am darauffolgenden Montag werden in dieser Sache dann voraussichtlich die ersten Zeugen gehört, unter ihnen Ehrenstaatsminister Jacques Santer, Premier Juncker, Minister Frieden sowie die einstige Srel-Führung.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Kaum ein Kriminalfall hat Luxemburg derart in Atem gehalten wie die Anschlagsserie, die das Großherzogtum von 1984 bis 1986 erschütterte.
20 Sprengstoffanschläge werden den beiden Beschuldigten angelastet.