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Von Asche zu Asche
Rund 51.000 Verstorbene ließen sich bisher im Krematorium in Hamm einäschern.

Von Asche zu Asche

Guy Jallay
Rund 51.000 Verstorbene ließen sich bisher im Krematorium in Hamm einäschern.
Lokales 3 Min. 17.05.2019

Von Asche zu Asche

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Weil die Nachfrage zur Feuerbestattung sehr hoch ist, wurde im Krematorium in Hamm ein neuer Ofen installiert.

Mit der Neuinstallation eines zweiten Ofens im Krematorium in Hamm können künftig Engpässe verhindert werden. In den letzten Monaten war es immer wieder zu Wartezeiten von bis zu einer Woche gekommen, weil die Anlage an der Kapazitätsgrenze funktionierte. Besonders im zweiten Semester 2018 kam es zu belastenden Situationen sowohl für die Bestatter als auch für die Familienangehörigen. Feuerbestattung war in Luxemburg lange Zeit ein Tabuthema, doch in Zwischenzeit wird sie von mehr als der Hälfte der Verstorbenen bevorzugt. Auch die Aschenstreuung mit ziviler Zeremonie im Krematorium wird zunehmend populärer. Alleine von 2016 auf 2017 stieg die Zahl der Einäscherungen in Hamm von 2.454 auf 2.617 im Jahr. 2018 waren es fast genauso viele, nämlich 2.602 – dies trotz der Verzögerungen, weil nur ein Verbrennungsofen in Betrieb war.

Der neue Ofen wurde gestern in Anwesenheit von Innenministerin Taina Bofferding eingeweiht. „Es ist wichtig, dass die Menschen mit dem Krematorium und den verschiedenen Zeremonien und Bestattungsmöglichkeiten die Wahl haben, wie und wo sie nach dem Ableben ihre letzte Ruhe finden“, so Bofferding. Die Ministerin rief die Gemeinden in diesem Sinne dazu auf, weitere Angebote wie zum Beispiel Waldfriedhöfe zur Verfügung zu stellen.

Der neu installierte Ofen erlaubt eine Feuerbestattung in würdigem Rahmen.
Der neu installierte Ofen erlaubt eine Feuerbestattung in würdigem Rahmen.
Guy Jallay

Anlage erfüllt strikte Auflagen

Die neue Anlage verfügt über modernste, umweltschonende Filtertechnik. Die Anschaffung eines neuen Einäscherungsofens war laut dem Betereibersyndikat Sicec nicht nur angesichts der wachsenden Anzahl der Feuerbestattungen nötig, sondern noch aus einem weiteren Grund: Die Öfen in Hamm sind nur für die Verbrennung von Särgen mit einem Maximalgewicht von bis zu 180 Kilogramm ausgelegt – inklusive Leichnam. Ein Sarg wiegt dabei in der Regel etwa um die 30 Kilogramm. Schwerere Verstorbene mussten deshalb bisher im Ausland eingeäschert werden. An sechs Tagen der Woche führen die Mitarbeiter derzeit Feuerbestattungen durch. Pro Tag können in einem Ofen maximal acht Verstorbene eingeäschert werden.


Reportage Krematorium,Crématoire, Hamm. Foto:Gerry Huberty
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Räumlichkeiten für Zeremonien

Doch das Krematorium steht bereits vor der nächsten Herausforderung: es müssen zusätzliche Räumlichkeiten für die Familien der Verstorbenen und für die Zeremonien geschaffen werden. Damit soll auch in Zukunft sichergestellt sein, dass ausreichend Platz für zivile und und religiöse Trauerfeiern in Hamm zur Verfügung steht. Der Großteil der Mitgliedsgemeinden bietet mittlerweile zudem Streuwiesen und Waldfriedhöfe an, dies verbunden würdigen, zivilen Feiern auf ihren kommunalen Friedhöfen an. Diese werden immer öfter als Alternative zur Trauerfeier in Hamm angeboten.

Als Syndikat geführt

Das Krematorium in Hamm wird seit seiner Eröffnung 1995 vom Syndicat intercommunal ayant pour objet la construction, l'entretien et l'exploitation d'un crématoire (Sicec) geführt. Das interkommunale Syndikat wurde 1976 gegründet und betreibt das Krematorium ohne Gewinnzweck. Insgesamt 71 Gemeinden gehören dem Verbund heute an – Wenn ein Verstorbener nun in einer dieser 31 Gemeinden gewohnt hat, müssen Angehörige – oder die Flamma – mehr für eine Einäscherung zahlen als für die Einäscherung Verstorbener aus Mitgliedskommunen. Die Feuerbestattung kostet dann 600 Euro statt 400 Euro.

Mehrheit will Feuerbestattung

In Luxemburg entschließen sich immer häufiger Menschen zu Lebzeiten dazu, dass sie ihre letzte Ruhe durch eine Feuerbestattung finden wollen. Viele werden Mitglied bei der Société pour la propagation de l'incinération, kurz: Flamma. Im letzten Geschäftsjahr verzeichnete der Verein 282 Neuzugänge und zählte so insgesamt 13 299 Mitglieder. Sie alle wollen nach ihrem Tod eingeäschert werden – aus hygienischen und ökologischen Gründen, oder weil sie es sich nicht vorstellen können, unter der Erde zu liegen. Dabei sind Feuerbestattungen im Großherzogtum noch gar nicht lange erlaubt, die katholische Kirche lehnte die Verbrennung Verstorbener weltweit jahrhundertelang ab. Erst 1963 gab der Vatikan seinen Gläubigen die Erlaubnis.

Um Angehörigen zu helfen, wurde bereits 1906 die Flamma gegründet. 1972 wurde die Feuer- der Erdbestattung im Großherzogtum gleichgestellt. Trotzdem öffnete das erste und bislang einzige Krematorium des Landes erst 1995 in Hamm. Rund 51 000 Menschen wurden seither dort eingeäschert, mehr als 14 840 waren Mitglied der Flamma. Durch die Mitgliedschaft bei der Flamma entscheidet man sich zu Lebzeiten für eine Feuerbestattung.


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