Vom Weinberg ins Glas
Vom Weinberg ins Glas
(nas) - Auch wenn es derzeit in den Weinbergen und Kellereien etwas ruhiger ist, herrscht bei der Genossenschaftskellerei Vinsmoselle insbesondere auf administrativer Ebene emsiges Treiben. Der Grund: Die Umstellung vom Label „Marque Nationale“ auf die neue „Appellation d'origine protégée“ soll 2014 vollzogen werden. Welche Arbeit dies für Genossenschaft und Winzer bedeutet, erklärten Direktor Georges Schaaf und der technische Direktor Bernd Karl im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“.
- Wobei handelt es sich bei der "Appellation d'origine protégée“, kurz AOP?
Bernd Karl: Die AOP bedeutet im Prinzip eine komplette Umstellung der Qualitätsphilosophie in Luxemburg. Bis dato war es so, dass wir im Weinberg arbeiteten, unsere Weine unter verschiedenen Vorgaben herstellten und die Weine unter dem Label „Marque nationale“ aufbauten. Nur nach den Vorgaben der zuständigen Kommission wurde dann festgehalten, um welchen Wein, also „Marque nationale“, Premier cru, Grand Premier Cru oder Vin Classé, es sich handelt. Nun legen wir bereits im Weinberg fest, welchen Wein wir produzieren möchten. Daraufhin wird danach definiert, welcher Ertrag im Weinberg erlaubt ist. Kurz: Man geht vom Weinberg aus und steuert den gesamten Prozess von dort. Dies ist schon fast ein fundamentaler Wechsel vom bisherigen System, der uns vor wichtige Aufgaben stellt.
Georges Schaaf: Bleibt zu bemerken, dass die aktuelle „Marque nationale“ noch aus dem Jahr 1935 stammt. Von dieser „Appellation contrôlée“ gehen wir nun in die „Appellation protégée“ über. Dies bedeutet, dass wir künftig den Weinberg und den Winzer in den Fokus setzen. Die Region soll noch mehr geschützt und mit ihren unterschiedlichen Spezifitäten hervorgehoben werden.
- Was bedeutet diese Umstellung für die Winzer?
Bernd Karl: Für die Winzer, die bis dato schon Spitzenweine produziert haben, wird sich nichts wesentlich ändern. Das Problem ist, dass die Kontrolle sich komplett ändert. Fortan bezieht sich alles auf die Parzelle, sodass der Winzer bereits vor der Lese entscheiden muss, in welcher Parzelle er welchen Wein herstellen möchte. Nach der Traubenlese wird ein Abschlussbericht erstellt, in dem festgehalten wird, wo welche Weine realisiert wurden. Dies bedeutet dann auch, dass die Bürokratie weitaus umständlicher ist.
- Welche Arbeiten kommen auf die Vinsmoselle zu?
Bernd Karl: Für die Vinsmoselle, die die Arbeit der Genossenschaftswinzer managen muss, ist es sehr aufwendig alles zu kontrollieren. Wir müssen schließlich mit jedem Winzer abklären, was er auf den einzelnen Parzellen herstellen möchte, uns die Weinberge ansehen, kontrollieren, ob die einzelnen Auflagen eingehalten werden, und die Daten speichern. In dem Moment, in dem der Winzer seine Trauben liefert, muss klar sein, aus welcher Parzelle die Beeren stammen und welcher Wein gemeldet wurde. Daraufhin wird kontrolliert, ob dies auch umsetzbar ist. Demnach ist der administrative Aufwand für uns massiv. Hinzu kommt die Umstellung mit der Weinbaukartei-Erhebung. Es folgen Gespräche mit den Winzern, Informationsversammlungen und vieles mehr.
Georges Schaaf: Als Genossenschaft spielt bei uns ja auch der Solidaritätsgedanke eine wichtige Rolle. Deshalb wollen wir, dass die Mehrheit der Winzer sich an der neuen Philosophie beteiligen kann. In Bezug auf die neue AOP versuchen wir die besten Weinberge, verbunden mit dem Wissen der Winzer, in die Qualitätscharta einzubinden.
- Ist eine Qualitätssteigerung bei den Weinen zu erwarten?
Georges Schaaf: Langfristig werden die Spitzenweine sich sicher noch mehr unterscheiden, dies auch dadurch, dass es mehr Kontrollen gibt und die Arbeit in den Weinbergen nach objektiven Kriterien abläuft. Wir gehen davon aus, noch gehaltvollere Weine zu produzieren. Sicher wird auch der Unterschied zwischen den normalen und den Spitzenweinen noch größer.
- Gibt es schon Pläne, wie die Vermarktung ablaufen soll?
Georges Schaaf: Erst vor Kurzem wurden die Budgets verabschiedet. Zurzeit sind wir mit der Umsetzung beschäftigt. Vonseiten der Domaines Vinsmoselle werden wir im Jahr 2015 die AOP als Hauptthema nehmen. Auf der anderen Seite müssen die „Commission de Promotion des Vins et Crémants“ und die „Marque Nationale“, die das Kontrollorgan der AOP ist, Mittel zur Verfügung stellen. Werbe- und Informationskampagnen spielen bei der Umsetzung eine wesentliche Rolle. Aber: Der beste Werbeträger ist die Flasche selbst.
Lesen Sie das vollständige Interview in der Samstagsausgabe (22. März) des "Luxemburger Wort".
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