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Vier Drogentote im Jahr 2018
Lokales 3 Min. 10.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Vier Drogentote im Jahr 2018

Inhalieren statt spritzen: In den Konsumzentren hat sich einiges verändert.

Vier Drogentote im Jahr 2018

Inhalieren statt spritzen: In den Konsumzentren hat sich einiges verändert.
Foto: Shutterstock
Lokales 3 Min. 10.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Vier Drogentote im Jahr 2018

Die Zahl an Drogentoten nimmt in Luxemburg weiter ab. Auch stecken sich immer weniger Konsumenten mit dem HIV-Virus an. Dennoch wurden 2018 so viele Drogen beschlagnahmt wie nie zuvor.

(SH) - Die Anstrengungen, die Luxemburg in den vergangenen Jahren im Kampf gegen den risikoreichen Konsum illegaler Drogen unternommen hat, scheinen weiter zu fruchten. Wie aus dem nationalen Drogenbericht Relis 2019 hervorgeht, starben im Jahr 2018 vier Konsumenten an einer Überdosis. Im Jahr 2000 waren noch 26 Todesopfer gezählt worden. 2017 waren es acht Menschen, 2016 fünf. 

Hatte es zwischen 2014 und 2016 ein Anstieg der HIV-Infektionen bei den Drogenkonsumenten gegeben - zum Teil wegen erhöhten intravenösen Kokainkonsums - so wurde in den vergangenen beiden Jahren ein Rückgang festgestellt. 21 Infektionen im Jahr 2016 stehen deren vier im Jahr 2018 gegenüber. 

Auch die Anzahl an Hepatitis-C-Erkrankungen unter den Drogenkonsumenten hat zuletzt etwas abgenommen. Allerdings bleibt die Verbreitungsrate mit 61,3 Prozent doch sehr hoch.

Rückläufige Tendenz

Insgesamt nimmt die Zahl der Risikokonsumenten illegaler Drogen in Luxemburg weiter ab. Wie aus dem Bericht hervorgeht, gingen zuletzt 2.250 Personen solch einem Verhalten nach. Dies sind in etwa 5,8 Risikokonsumenten auf 1.000 Einwohner in der Altersklasse zwischen 15 und 64 Jahren. Im Jahr 2000 wurden noch 9 Konsumenten auf 1.000 Einwohner gezählt. Damit befand sich Luxemburg in der Europäischen Union unter den Ländern mit den meisten Drogenkonsumenten. 

Der letzten repräsentativen Studie zufolge, die aus dem Jahr 2014 stammt, liegt die Zahl der Drogenkonsumenten innerhalb der Gesamtbevölkerung unter dem europäischen Durchschnitt. Zudem konsumieren in Luxemburg generell weniger Personen Drogen als in den direkten Nachbarländern. Dies gilt vor allem für Personen, die innerhalb des letzten Jahres Rauschmittel zu sich genommen haben. 

Cannabis als geläufigste Droge

Mindestens einmal in ihrem Leben haben 23,3 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren Cannabis konsumiert. Bei den Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren sind es 27 Prozent. Im Monat vor der Befragung hatten 13 Prozent der Personen Cannabis konsumiert. Das ist ein Anstieg: 2010 waren es noch elf Prozent. Auf Platz zwei der meist konsumierten Drogen folgt Kokain (2,5 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren). 


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Diese Resultate spiegeln sich auch in einer Umfrage aus dem Jahr 2018 zurück. Damals wurden 1.223 Personen zu ihrem Drogenverhalten befragt. Unter den Drogenkonsumenten gaben 81 Prozent an, Cannabis zu sich genommen zu haben. 13,9 Prozent hatten Kokain konsumiert, zehn Prozent MDMA.

Weniger Risikoverhalten

Bei den Risikokonsumenten sind Opioide wie Heroin die geläufigsten Drogen. Allerdings kennen die Opioide als erste Wahl eine rückläufige Tendenz, während der Konsum von Kokain sowie Mischungen, die Kokain enthalten, ansteigt. Die Polytoxikomanie, also der Umstand, mehrere unterschiedliche Arten von Drogen zu sich zu nehmen, ist bei dieser Bevölkerung recht häufig zu beobachten. 

Bei jenen Personen, die sich in Drogenkonsumzentren begeben, ist zu bemerken, dass der Drogenkonsum durch Inhalieren (51 Prozent aller Nutzer) im Vergleich zum Konsum durch Spritzen tendenziell zunimmt. Wie das Gesundheitsministerium in seinem Bericht festhält, sei dies vor allem auf eine aktive Arbeit zur Verminderung des Risikos zurückzuführen. Bei einem Konsum durch Inhalieren ist nicht nur das Risiko einer Überdosis vermindert, sondern auch jenes, sich übertragbare Krankheiten zuzuziehen. 

Überhaupt scheinen die Anstrengungen, die in den vergangenen Jahren unternommen wurden, zu fruchten. So stieg zuletzt die Anzahl jener Konsumenten, die sich behandeln ließen, sowie jener, die sich an eine Hilfsstruktur wandten. 2018 gab es 167.000 Kontakte, zwei Jahre zuvor waren es deren 150.937. Auch greifen immer mehr Personen auf sterile Nadeln zurück. Wurden deren 2013 "nur" 190.257 verteilt, so waren es 2018 exakt 492.704.  

Ältere Konsumenten

Das Alter der Konsumenten steigt unterdessen kontinuierlich an. So betrug 2018 das Durchschnittsalter der Drogenverbraucher 38 Jahre. 1997 war der durchschnittliche Konsument zehn Jahre jünger.

Bei 76 Prozent aller Personen, die Hilfe anfordern, handelt es sich um Männer. Die Anzahl an Verbrauchern, die Opioide konsumieren, hat über die Jahre abgenommen, jene, die von Cannabis und Kokain abhängig sind, hat hingegen zugenommen. 

Mehr Drogen beschlagnahmt

Diese Zahlen spiegeln sich auch bei den Drogen wider, die im Laufe des Jahres 2018 beschlagnahmt wurden. Cannabis machte hier 75 Prozent aus, wobei mit 216 Kilogramm so viel Cannabis beschlagnahmt wurde wie nie zuvor. 


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Auch beim Kokain ist ein Anstieg zu verzeichnen. Zwar lag die Zahl der Beschlagnahmungen 2018 unter jener des Jahres 2017, allerdings stellen 347 Kilogramm ein Rekord dar, was die Menge betrifft. Zu bemerken ist zudem, dass die Qualität des angebotenen Kokains trotz sinkender Preise stetig besser wird. Beim Cannabis stieg die Konzentration an THC von elf Prozent im Jahr 2010 innerhalb von acht Jahren auf 16 Prozent an.



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