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"Viele denken nicht über die Gefahren nach"
Lokales 3 Min. 06.06.2016 Aus unserem online-Archiv
Piloten fordern strenge Regeln für Besitzer von Drohnen

"Viele denken nicht über die Gefahren nach"

Immer mehr Drohnen bevölkern den Himmel. Die kleinen Wunderwerke lassen sich für vielfältige Aufgaben einsetzen.
Piloten fordern strenge Regeln für Besitzer von Drohnen

"Viele denken nicht über die Gefahren nach"

Immer mehr Drohnen bevölkern den Himmel. Die kleinen Wunderwerke lassen sich für vielfältige Aufgaben einsetzen.
Foto: Shutterstock
Lokales 3 Min. 06.06.2016 Aus unserem online-Archiv
Piloten fordern strenge Regeln für Besitzer von Drohnen

"Viele denken nicht über die Gefahren nach"

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Drohnen verkaufen sich derzeit wie warme Semmeln. Die Luxemburger Pilotenvereinigung ALPL setzt sich dafür ein, die kleinen Flugobjekte von Amateuren besser zu regulieren – sonst könne es zu gefährlichen Zwischenfällen kommen.

Für Preise ab 100 Euro verkaufen sich Drohnen derzeit wie warme Semmeln. Die Luxemburger Pilotenvereinigung ALPL setzt sich dafür ein, die kleinen Flugobjekte von Amateuren besser zu regulieren – sonst könne es zu gefährlichen Zwischenfällen kommen.

Drohnen sind als Freizeitgeräte äußerst beliebt. Auch professionell werden sie vielfältig eingesetzt – ob für Luftaufnahmen von Immobilienverkäufern oder in der Landwirtschaft. Doch im Luftraum sind die ferngesteuerten Multikopter nicht allein. Schon mehrmals ist es zu Beinahe-Zusammenstößen gekommen – letztes Jahr auch in Luxemburg. Die Vereinigung der Luxemburger Verkehrspiloten (ALPL) ruft deshalb nach stärkerer Regulierung. Ein Interview mit ALPL-Generalsekretär Dirk Becker.

Herr Becker, ist Ihnen beim Start oder bei der Landung schon mal eine Drohne in die Quere gekommen?

Becker: Nein, ich persönlich habe das noch nicht erlebt. Aber ich habe von mehreren Beinahe-Zusammenstößen gehört, so zum Beispiel kürzlich in Amsterdam oder am Flughafen Heathrow. Zudem muss man hinzufügen, dass eine Drohne aus dem Cockpit heraus schwer zu sehen ist. Zum einen sind die Drohnen ziemlich klein, zum anderen ist es auch eine Frage der unterschiedlichen Geschwindigkeit. Ein großes Verkehrsflugzeug fliegt bei der Landung mit rund 200 km/h, eine Drohne hat maximal 6 km/h.

Pilot und ALPL-Generalsekretär Dirk Becker warnt vor den Risiken, die von privaten Drohnen ausgehen.
Pilot und ALPL-Generalsekretär Dirk Becker warnt vor den Risiken, die von privaten Drohnen ausgehen.
Foto: Gerry Huberty

Worin genau besteht das Risiko?

Becker: Die Drohnen bewegen sich im niedrigen Luftraum unter 150 Meter. In dieser Höhe befinden sich auch andere Luftfahrzeuge, zum Beispiel Hubschrauber der Luxembourg Air Rescue. Viele Drohnenbesitzer denken nicht daran, dass sie nicht alleine im Luftraum sind. Da fehlt es an Training und Kenntnis über die anderen Teilnehmer im Luftraum.

Welche Folgen könnte denn ein Zusammenstoß zwischen einer Drohne und einem Flugzeug haben?

Becker: Das kommt darauf an, wo die Drohne einschlägt. Gerät sie in ein Triebwerk, wird das einen Ausfall verursachen. An anderer Stelle könnten Sensoren für Flughöhe oder Fluggeschwindigkeit beschädigt werden oder – im schlimmsten Fall – die Cockpitscheibe durchschlagen. Noch gefährlicher wäre eine Kollision mit einem Hubschrauber, weil die Technik dort empfindlicher ist. Dann wäre ein Hubschrauber unter Umständen nicht mehr flugfähig und müsste notlanden.

Was muss sich denn nach Meinung der ALPL ändern?

Becker: Wir streben eine europäische Lösung an und haben als Teil der „European Cockpit Association“ eine Reihe von Forderungen erhoben. So sollten zum Beispiel beim Kauf alle Drohnen registriert werden, damit man bei einem Zwischenfall den Besitzer ermitteln kann.

In Luxemburg ist es so, dass eine Zone von fünf Kilometern rund um den Flughafen für Drohnen tabu ist. Wie kann man das denn überwachen?

Becker: Wer sich registriert, gibt seinen Namen bekannt. Damit verbunden sollte die Verpflichtung sein, sich mit den Regeln im Luftverkehr zu beschäftigen. Dazu gehört eben auch die Kontrollzone rund um den Flughafen. Wir denken übrigens nicht, dass die Besitzer von Drohnen absichtlich diese Zone verletzen. Das ist wohl eher auf Unkenntnis zurückzuführen – auch Unkenntnis über die Gefahren, die daraus entstehen können.

Es gibt derzeit Überlegungen, das Problem technisch zu lösen. So könnten Techniken die Drohnen daran hindern, in verbotene Zonen zu fliegen.

Becker: Das klingt erst einmal gut, aber was geschieht mit den vielen Drohnen, die schon jetzt im Besitz von Privatleuten sind? Es wird sicherlich nicht einfach, diese nachzurüsten. Es die Frage, wie man das regulatorisch in den Griff bekommt. Drohnen sind ein rapide wachsender Markt. Wenn man sich im Internet anschaut, wie viele Modelle und zu welch günstigen Preisen es gibt, kommt man schon ins Staunen. Viele Menschen kaufen sich die Drohnen als nettes Spielzeug, denken aber nicht über die Konsequenzen nach. Da muss etwas passieren. Für uns als Piloten steht die Flugsicherheit an erster Stelle. Denn jeder Unfall ist einer zu viel.

Interview: Volker Bingenheimer


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