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Videoüberwachung: Die Kamera als Zeuge
Lokales 3 Min. 10.04.2019

Videoüberwachung: Die Kamera als Zeuge

 Derzeit gibt es 125 öffentliche Überwachungskameras in der Hauptstadt.

Videoüberwachung: Die Kamera als Zeuge

Derzeit gibt es 125 öffentliche Überwachungskameras in der Hauptstadt.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 10.04.2019

Videoüberwachung: Die Kamera als Zeuge

Nadine SCHARTZ
Nadine SCHARTZ
In einem Jahr dienten 175 Aufnahmen der hauptstädtischen Überwachungskameras als Beweis von Straftaten. Mehrere Täter wurden gar in flagranti gestoppt.

125 Kameras befinden sich derzeit in der Hauptstadt, 14 weitere Kameras werden demnächst im Bahnhofsviertel sowie auf der Fahrradbrücke unter dem Pont Adolphe installiert. Ein Thema, das in den vergangenen Wochen immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt hatte. Dies nach dem der Minister für innere Sicherheit, François Bausch (Déi Gréng), die Standorte der geplanten Kameras preisgegeben hatte.

Von jenen Kameras, die sein Vorgänger, Etienne Schneider, noch im Mai 2018 in Bonneweg vorgesehen hatte, gab es zu diesem Zeitpunkt keine Angaben. Und dies aus gutem Grund. Noch steht nämlich nicht fest, ob diese Pläne überhaupt umgesetzt werden. Auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“ hatte die Pressesprecherin des zuständigen Ministeriums, Dany Frank, erst vor kurzem erklärt, dass eine weiterführende Studie hierzu in Auftrag gegeben worden sei. Erst wenn dem Minister Resultate statt lediglich Statistiken vorliegen würden, könne über zusätzliche Standorte in anderen Stadtteilen nachgedacht werden, hieß es.


15.10.2018 Luxembourg, ville, Überwachungskamera, Sicherheit, protection des données, Videoüberwachung, Videoüberwachungstechnik, Überwachung per Kamera  photo Anouk Antony
Noch mehr Kameras im Bahnhofsviertel
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Weniger Kriminalität und ein besseres Sicherheitsgefühl

Laut LW-Informationen ist auch die Stadt Luxemburg über diesen Meinungswechsel nicht sonderlich erfreut. Dies zumal die Erweiterung der Videoüberwachung in dem ebenfalls sensiblen Stadtteil Bonneweg unter Etienne Schneider bereits als beschlossene Sache geklungen hatte. „Wir brauchen diese Kameras dringend“, hatte Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer diesbezüglich erst in der jüngsten Ratssitzung unterstrichen.

Dies zumal, da das vorrangige Ziel der Videoüberwachung ist, das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken sowie den Drogenhandel und die Kriminalität zu reduzieren. So wurden denn auch in der Zeit vom 1. August 2017 bis zum 31. Juli 2018 in insgesamt 175 Fällen Bilder des Visupol – eines eigens auf dem Gebiet der Videoüberwachung geschulten Team der Polizei – als Beweismaterial bei Gerichtsfällen genutzt, wie der Minister für innere Sicherheit, François Bausch (Déi Gréng) auf die parlamentarische Frage des Abgeordneten Sven Clement (Piraten) zu verstehen gibt.

Derzeit sind 14 weitere Überwachungskameras vorgesehen.
Derzeit sind 14 weitere Überwachungskameras vorgesehen.
Foto: Pierre Matgé

Im Gegenzug gibt es jedoch keine Statistiken in Bezug auf aufgeklärte Delikte, wie Taschendiebstähle, Körperverletzung, Vandalismus, Diebstahl (mit und ohne Gewalt) sowie Fahrerflucht.

Die Zahl der Taten, die durch die Videoüberwachung auf frischer Tat gestoppt werden konnten, beläuft sich unterdessen auf drei im Jahr 2018 und auf sieben anno 2017.

Analyse soll Klarheit bringen

Was die Effektivität der Vorrichtungen des Visupol betrifft, kann der Minister zurzeit keine Angaben machen. „Neben den jährlichen polizeiinternen Auswertungen, die dem hauptstädtischen Präventionsvorstand und dem Staatsanwalt auch jedes Jahr vorgelegt werden, gibt es dazu keine aktuellen Studien“, erklärt François Bausch. Allerdings sei die Generalinspektion der Police kürzlich damit beauftragt worden, eine diesbezügliche Analyse durchzuführen, heißt es weiter.

Die Befürchtung von Sven Clement, die Pressefreiheit könne dadurch gefährdet werden, da eine der geplanten Kameras in direkter Nähe zu einer Redaktion installiert werden soll, konnte Bausch jedoch zumindest teilweise entkräftigen. „Die Kameras werden stets so ausgerichtet, dass keine Aufnahmen im Innenbereich von Häusern oder Geschäften aufgenommen werden können“, gibt der Minister zu verstehen. Hierzu gebe es zwei modi operandi: Entweder sind Aufnahmen allein durch den Standort nicht möglich oder aber es wird ein sogenanntes „privacy masking“ genutzt, wodurch Häuser, Wohnungen und Lokale bei den Aufnahmen nicht berücksichtigt werden. Allerdings würden die Straße und der Bürgersteig vor einem Gebäude sehr wohl erfasst, so Bausch.

Daten werden nach zwei Monaten gelöscht

Bleibt zu erwähnen, dass die Bilder maximal während zwei Monaten zu präventiven und repressiven Zwecken aufbewahrt werden – mit Ausnahme, wenn diese im Fall einer juristischen Untersuchung beschlagnahmt wurden. Darüber hinaus werden die Aufnahmen auch nur von einem kleinen Team mit spezial ausgebildetem Personal kontrolliert werden. Die Verantwortlichen arbeiten in einer separaten Abteilung, zu welcher der Zugang denn auch strikt geregelt und limitiert ist.


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