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Video: Besitzerwechsel bei der „Friture Joslet“: Täglich frische Post aus Ostende
Lokales 1 4 Min. 28.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Video: Besitzerwechsel bei der „Friture Joslet“: Täglich frische Post aus Ostende

Lokales 1 4 Min. 28.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Video: Besitzerwechsel bei der „Friture Joslet“: Täglich frische Post aus Ostende

Die Friture Joslet gehört zu jenen Schaustellerbetrieben, die nicht aus dem Kirmesleben wegzudenken sind. Nun steht ein Inhaberwechsel an. Fotografin Anne-Sophie Lindström stellt die "Friture Joslet" in Video und Foto vor.

Von Sophie Hermes

Keine Kirmes ohne „Friture Joslet“. Paul Donven wird in den kommenden Tagen in Esch/Alzette erneut zahlreichen Stammkunden begegnen. „In den vergangenen zwölf Jahren habe ich viele ehemalige Freunde wieder getroffen, gar welche, mit denen ich in der Primärschule war“, erinnert er sich. 2003 hatte Paul Donven das Unternehmen zusammen mit seiner Frau Antonina übernommen. Zwar haben sie es mittlerweile an Mick und Marcello Loguercio übergeben, in dieser Saison wollen die ehemaligen Betreiber ihren Nachfolgern jedoch noch mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Fotografin Anne-Sophie Lindström stellt die "Friture Joslet" in Video und Foto vor:


Denn die Arbeitsabläufe kennen sie nach zwölf Jahren in- und auswendig. Und wie sich die neuen Betreiber spüren, weiß Paul Donven ebenfalls nur zu gut. Als er die „Friture Joslet“ im Jahr 2003 übernommen hatte, musste er in einem ihm komplett fremden Milieu Fuß fassen. 

Manchmal kommt im Leben einfach der richtige Moment für eine Veränderung

„Ich hatte vorher mit dem Schaustellerleben nichts zu tun, sondern ging einem Bürojob nach. Ich hatte jedoch darüber nachgedacht, mich neu zu orientieren, als ich das Angebot bekam, das Restaurant zu übernehmen. Es war eine Herausforderung, einer komplett neuen Beschäftigung nachzugehen. Doch manchmal kommt im Leben einfach der richtige Moment für eine Veränderung“, erklärt Donven, der sich bei seinen Anfängen über die tatkräftige Unterstützung von Roby und Sylvette Schmit-Weigel, von 1985 bis 2003 Besitzer der „Friture Joslet“, freuen durfte.

Auch Mick Loguercio arbeitete bis vor kurzem im Büro, dies beim nationalen Fußballverband FLF. „Es lief nicht ganz, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Gespräche haben einige Monate gedauert. Für mich war stets klar, dass ich, falls ich einem Leben als Schausteller nachgehen würde, dies nur als Inhaber der Friture Joslet tun würde“, erklärt er.

Denn das Restaurant ist Loguercio seit seiner Kindheit ein Begriff. Roby und Sylvette Schmit-Weigel führten neben der „Friture Joslet“ noch ganzjährig eine ähnliche Gaststätte auf der „Banzelt“ bei Roodt/Syr. „Ich kannte die Familie“, erklärt der neue Besitzer, der nicht ohne Stolz darauf hinweist, dass das Unternehmen nun wieder in der Gemeinde Betzdorf zu Hause ist. Zudem betont er: „Der Betrieb soll bleiben, wie er ist.“

Tradition und Qualität

Sanfter Übergang: Paul Donven steht Mick Loguercio (l.) in diesem Jahr zur Seite.
Sanfter Übergang: Paul Donven steht Mick Loguercio (l.) in diesem Jahr zur Seite.
Foto: Ann Sophie Lindström

Doch was genau macht die „Friture Joslet“ aus? „Tradition und Qualität überwiegen“, so Donven. Spezialitäten des Hauses sind seit Jahren der „Gebake Fësch“ sowie die „Fritten“.

Und hierbei überlässt man nichts dem Zufall. „Auch wenn es sich um eine Friture handelt, wir servieren kein Fast Food. Wir geben nichts heraus, das wir nicht auch selbst essen würden“, lautet das Motto. Der Fisch kommt täglich frisch aus Ostende. Da kommt es schon einmal vor, dass der Eigentümer mitten in der Nacht aufstehen muss, da es Probleme bei der Lieferung gibt.

Auch bei den weiteren Produkten wird darauf geachtet, dass sie stets frisch sind – und aus der Region kommen. Für die Pommes werden täglich kiloweise frische Kartoffeln geschält. Während des „Oktavmäertchen“ waren alleine hierfür zwei Personen zuständig. Zubereitet werden die „Fritten“ in Rapsöl, das im Gegensatz zum Erdnussöl kaum Allergien hervorruft.

Die unregelmäßige Arbeit in den vergangenen zwölf Jahren hatte etwas Regelmäßiges an sich

Doch nicht nur das Essen macht das Besondere der „Friture Joslet“ aus. Es ist auch der Kontakt zu den Kunden, der speziell ist. Im Restaurant ist es eher eng. Besucher, die sich nicht kennen, müssen ab und an schon einmal einen Tisch teilen.

Wer in der „Friture Joslet“ isst, sitzt demnach auch manchmal neben einer bekannten Persönlichkeit. Minister waren zu Gast, aber auch die großherzogliche Familie. „Ich habe stets versucht, sie sozu behandeln wie alle anderen Gäste auch“, erzählt Donven, der den Kontakt zu seinen Gästen vermissen wird. „Emotional wird der Abschied von den Stammgästen schwer“, erklärt er, gesteht jedoch ein, dass er – wiedie Vorbesitzer auch – wohl auch nach dieser Saison noch regelmäßig im Restaurant zu Gast sein wird.

Ein ganz spezielles Leben

Die „Friture Joslet“ zählt zu den bekanntesten Kirmesbetrieben. Auch bei der Pfingstkirmes in Esch/Alzette darf das Traditionsunternehmen nicht fehlen.
Die „Friture Joslet“ zählt zu den bekanntesten Kirmesbetrieben. Auch bei der Pfingstkirmes in Esch/Alzette darf das Traditionsunternehmen nicht fehlen.
Foto: Ann Sophie Lindström

Für Paul und Antonina Donven bahnt sich nun ein Lebenswandel an. „Für uns hatte die unregelmäßige Arbeit in den vergangenen zwölf Jahren etwas Regelmäßiges an sich“, so Paul Donven. In der Tat wurde sein Leben von den diversen Veranstaltungen diktiert. Von Ostern bis zur Schueberfouer wanderte das Ehepaar mit der „Friture“ von Kiermes zu Kiermes und war im Dauereinsatz. Anschließend folgten sechs Monate Auszeit, die die beiden zu einem großen Teil in Sizilien verbrachten.

„Wir haben keinen Plan für die Zukunft“, erklärt Paul Donven, lenkt aber gleich wieder ein: „Vielleicht werden wir noch mehr Zeit in Sizilien verbringen.“ Ein italienischer Einfluss ist in der „Friture Joslet“ nicht zu verkennen. Verkauft wird Limoncello – hergestellt in Luxemburg mit Zitronen aus Sizilien. Auch das Olivenöl und der Kaffee stammen aus Italien.

Eine 115-jährige Geschichte

Das Restaurant blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Unter dem Namen „Friture Vénitienne“ wurde das Unternehmen 1900 gegründet. 1950 übernahm die Familie Josselet aus Ans-Lez-Liège (B) den Betrieb. Aus dieser Zeit stammt auch der Name, der bis heute Bestand hat.

14 Jahre später kam die Friture unter Roby Mertzig aus Junglinster in Luxemburger Hand. 1985 folgten Roby und Sylvette Schmit-Weigel aus Banzelt als Eigentümer, 2003 Paul und Antonina Donven. Seit diesem Jahr liegt die Verantwortung nun bei Mick Loguercio, der zusammen mit seinem Bruder eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (s.à.r.l.) mit Sitz in Roodt/Syr gegründet hat.