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Verunglückte Luxair-Q400: Abbruch in einer kritischen Phase
Lokales 11 2 Min. 30.09.2015

Verunglückte Luxair-Q400: Abbruch in einer kritischen Phase

Lokales 11 2 Min. 30.09.2015

Verunglückte Luxair-Q400: Abbruch in einer kritischen Phase

Der missglückte Start von LG9562 wirft Fragen auf, wie jeder ernste Zwischenfall in der Verkehrsluftfahrt. Die einzelnen Phasen eines Flugzeugstarts spielen beim Verständnis des Ablaufs womöglich eine entscheidende Rolle.

(rar) – Wie jeder schwere Zwischenfall in der Luftfahrt wirft der missglückte Start von Luxair-Flug LG9562 in Saarbrücken Fragen auf, wie es zu diesem Unglück kommen konnte. In ersten Mitteilungen nach dem Unfall war von einem „Abbruch des Starts“ die Rede, einem Ereignis, das in der Verkehrsfliegerei zwar selten, aber durchaus nicht ungewöhnlich ist.

Bei einem Startabbruch kommt ein Flugzeug in der Regel vor dem Ende der Landebahn sicher zum Stehen. Der misslungene Start der Luxair-Q400 in Saarbrücken, der mit einer Bauchlandung glimpflich endete, entspricht dagegen nicht diesem Verlauf.

Nach Angaben der deutschen Bundespolizei, die in der „Saarbrücker Zeitung“ zitiert wurde, war das Fahrwerk des Flugzeugs bereits eingefahren. Dies ist auch auf ersten Fotos von der Unglücksstelle deutlich zu sehen. Die Maschine befand sich demnach am Beginn des Steigflugs, in einer frühen Flugphase also, in der ein Startabbruch normalerweise nicht mehr möglich ist.

Jeder Start eines Flugzeugs folgt einem genau festgelegten Verfahren, das von Piloten immer wieder geübt wird. Zu diesem Training gehört auch, dass die Piloten befähigt sein müssen, innerhalb von Sekundenbruchteilen zu entscheiden, ob sie den Start sicher fortsetzen können oder abbrechen müssen und in diesem Fall die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen.

Mehrere Phasen beim Start

Ein Flugzeug durchläuft während des Startvorgangs verschiedene Phasen und Entscheidungsmomente, die genau beschrieben und geregelt sind.

  • Startabbruch (“Rejected takeoff” oder “aborted takeoff”): Eine Situation, in der die Besatzung eines zum Start beschleunigenden Flugzeugs die Entscheidung trifft, den Startvorgang zu beenden. Die Ursachen für einen solchen Startabbruch können sehr unterschiedlich sein, meist sind es plötzlich auftretende technische Defekte, wie etwa ein Triebwerksschaden. Aber auch ein Vogelschlag kann einen Startabbruch erzwingen. Die Crews sind dazu ausgebildet und werden darauf trainiert, diese Situation zu bewältigen. Darüber hinaus sind Verkehrsflugzeuge dafür konstruiert, den Belastungen eines Startabbruchs standzuhalten.
  • Entscheidungsgeschwindigkeit V1 (“Takeoff decision speed”): Bis zu dieser Geschwindigkeit des startenden Flugzeugs bleibt ausreichend Platz auf der Startbahn, um das Flugzeug abzubremsen und sicher zum Stehen zu bringen. Bei jedem Start müssen die Piloten bei Erreichen dieser Geschwindigkeit die Entscheidung treffen, den Startvorgang fortzusetzen. Jenseits dieser Entscheidungsgeschwindigkeit kann der Start nicht mehr risikofrei abgebrochen werden, weil die Gefahr besteht, dass die Maschine über das Ende der Bahn hinausschießt. Hat ein Flugzeug die V1-Geschwindigkeit überschritten, muss es abheben und eventuell zu einer Landung ansetzen. 
  • Rotationsgeschwindigkeit: Sobald das startende Flugzeug diese Geschwindigkeit erreicht, hebt der Pilot das Bugrad von der Piste. Wenig später wird das Fahrwerk eingezogen.
  • V2: Dies ist die Mindestgeschwindigkeit, ab der ein Flugzeug selbst bei einem Triebwerksausfall sicher von der Landebahn abheben kann.

Welche Umstände ursächlich zu dem verunglückten Start von Flug LG9562 in Saarbrücken führten, müssen die Untersuchungen ergeben. Ein ausführlicher Bericht dürfte wohl erst in einigen Monaten vorliegen.

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- Reportage vom Flughafen Saarbrücken: So reagieren die Passagiere auf die Flugausfälle

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