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Vertrauensmissbrauch und Ausnutzung: Trau keinem Enkel!
Lokales 2 Min. 01.09.2015 Aus unserem online-Archiv

Vertrauensmissbrauch und Ausnutzung: Trau keinem Enkel!

Senioren sind ob ihrer Gutgläubigkeit häufig Opfer von Betrug und Gaunereien.

Vertrauensmissbrauch und Ausnutzung: Trau keinem Enkel!

Senioren sind ob ihrer Gutgläubigkeit häufig Opfer von Betrug und Gaunereien.
Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 01.09.2015 Aus unserem online-Archiv

Vertrauensmissbrauch und Ausnutzung: Trau keinem Enkel!

Durch ihre Gutgläubigkeit, ihre hohe Vertrauensbereitschaft und auch unzureichende Vorsichtsmaßnahmen bieten ältere Mitbürger Angriffsflächen für Kriminelle, welche diese auch gezielt ausnutzen.

(rr) - Durch ihre Gutgläubigkeit, ihre hohe Vertrauensbereitschaft und auch unzureichende Vorsichtsmaßnahmen bieten ältere Mitbürger Angriffsflächen für Kriminelle, welche diese auch gezielt ausnutzen.

Insgesamt 944 Fälle von Betrug und Gaunerei werden im Jahresbericht 2014 der Polizei aufgelistet. Das ist ein Plus von 79,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Vertrauensmissbräuchen sind es 209 Fälle (-32,4 Prozent). Wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß die Polizei nicht, wohl aber, dass viele Bürger – hauptsächlich Senioren – nicht vor der Polizei zugeben wollen, dass sie Opfer von Trickdieben wurden.

Viele Varianten von Trickdiebstahl

„Der Trickdiebstahl hat viele Varianten. Das reicht vom sogenannten Enkeltrick via Telefon bis zur Cyberkriminalität“, erklärt Daniel Back, Pressesprecher der Polizei. Generell gehe es für den Betrüger darum, möglichst viel Geld vom Opfer zu kassieren. Senioren seien leichte Opfer, da ihre Gutgläubigkeit skrupellos ausgenutzt werde.

Erst am Wochenende hatte die Polizei vor dubiosen Arbeitern gewarnt, die Wucherpreise für unverlangte Arbeiten fordern. Erst vor kurzem wurde so einer älteren Dame eine höhere fünfstellige Summe abverlangt.

Die Polizei rät, von solchen Arbeitern keine Aufträge anzunehmen und sich im Zweifelsfall von Angehörigen oder Nachbarn beraten zu lassen bzw. die Polizei zu kontaktieren. Vertrauensmissbrauch und Ausnutzung von Schwäche sind laut Strafgesetzbuch strafbar. Laut Daniel Back ist es jedoch oft schwer, diese Tatbestände nachzuweisen, wenn die Gauner clever vorgehen.

Eine Reihe von Präventionskampagnen

Um die Bürger und insbesondere Senioren vor solchen Straftaten zu schützen, hat die Polizei eine Reihe von Präventionskampagnen gestartet. Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Seniorensicherheitsberater ist eine davon. Unter dieser Bezeichnung sind Senioren zu verstehen, die durch eine von der Polizei begleitete Schulung in die Lage versetzt werden, als Multiplikatoren anderen Senioren ehrenamtlich Tipps und Erfahrungen für die eigene Sicherheit weiterzugeben. Dies kann durch Gespräche mit Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn usw. geschehen, aber auch durch Vorträge in Altenheimen, bei Vereinen oder durch gezieltes Ansprechen bei beobachtetem Fehlverhalten anderer.

Die Seniorensicherheitsberater helfen auch, wenn ältere Mitbürger sich scheuen, allein mit ihren Problemen zur Polizei zu gehen. Die Berater begleiten sie in diesem Fall gerne zu einer Dienststelle oder können ihnen einen Ansprechpartner empfehlen. Bei diesem Projekt geht es darum, den Senioren zu vermitteln, wie sie sich schützen können, und zu verhindern, dass sie sich aus Angst zu Hause isolieren.

Diese Kampagne war 2008/2009 ins Leben gerufen worden. Rund 60 Bürger haben die Ausbildung durchlaufen, wovon heute noch ein Dutzend als Multiplikatoren fungieren. 2014 fand noch eine Weiterbildung statt. Zurzeit werden laut Jérôme Alesch von der Polizei keine Seniorensicherheitsberater mehr ausgebildet. Absoluter Renner seien im Moment die Selbstsicherheitstrainings, auch eine Methode, um sich zu behaupten.

Eine weitere Maßnahme findet in Zusammenarbeit mit Altersheimen, Club Seniors und mobilen Pflegediensten statt. Mitarbeiter werden darin geschult, bei alarmierenden Erlebnisberichten der betreuten Person hellhörig zu werden und einzuschreiten.

Laurent Goedert von der „Section Opérations“ der Polizeiregionaldirektion Grevenmacher, der regelmäßig Vorträge zum Thema Prävention hält, betont, dass es in der Hauptsache darum gehe, den Senioren die Unsicherheit und die Angst zu nehmen.


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