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Versuchter Totschlag an Zöllner: Absicht oder Unfall?
Der Vorfall ereignete sich in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2013.

Versuchter Totschlag an Zöllner: Absicht oder Unfall?

Foto: Tania Feller / LW-Archiv
Der Vorfall ereignete sich in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2013.
Lokales 2 Min. 04.10.2016

Versuchter Totschlag an Zöllner: Absicht oder Unfall?

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Wegen versuchten Totschlages an einem Zöllner muss sich seit Dienstag ein Franzose verantworten. Er hatte bei einer Kontrolle im Oktober 2013 an der Aire de Capellen einen Beamten angefahren, der den Unfall nur knapp überlebte.

(SH) - War es Absicht oder ein misslungenes Ausweichmanöver? Auf diese Frage versuchen die Richter der Kriminalkammer des Bezirksgerichtes Luxemburg derzeit eine Antwort zu finden.

Wegen versuchten Totschlages an einem Zöllner muss sich seit Dienstag der 29-jährige Franzose Jérémy L. verantworten. Er hatte bei einer Kontrolle in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2013 an der Aire de Capellen einen Zollbeamten angefahren, der den Unfall nur knapp überlebte. Mitangeklagt ist Suleyan S., der Beifahrer. Ihm wird unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

Am ersten Verhandlungstag wurde mit Hilfe der Zeugenaussagen eines Ermittlers der Kriminalpolizei sowie eines Videos versucht, den Tathergang wiederherzustellen.

Gewusst ist, dass an der Kontrolle an der Aire de Capellen in der Tatnacht mehrere Beamte beteiligt waren. Weitere Zöllner befanden sich an der belgisch-luxemburgischen Grenze, von wo aus sie ihren Kollegen angaben, welche Autos kontrolliert werden sollten.

Erst abgebremst, dann beschleunigt

Gegen 23.30 Uhr wurden Letztere auf ein dunkelgraues Fahrzeug aufmerksam, welches mit solch hoher Geschwindigkeit unterwegs war, dass die Beamten es nicht mehr einholen konnten. Der Fahrer bog jedoch von sich aus auf die Aire de Capellen ein, um dort zu tanken. Nach dem Tankstopp wollten die Zollbeamten den Fahrer stoppen. Zwei von ihnen hatten sich hierfür am Ende des Parkplatzes in Richtung Autobahnauffahrt stationiert, ein weiterer - jener der während des Zwischenfalles schwer verletzt wurde - stand etwas weiter in einer Einbuchtung, um eine Nagelsperre zu werfen, falls der Fahrer die Signale seiner Kollegen ignorieren würde.

Einig sind sich die Angeklagten und die beiden Zollbeamten, dass Jérémy L. die Tankstelle mit erhöhter Geschwindigkeit verließ. Als er die ersten beiden Beamten erblickte, die ihm ein Haltezeichen gaben, bremste er kurz ab, deutete an, zum rechten Fahrbahnrand zu fahren, um dann wieder zu beschleunigen.

Anschließend weichen die Aussagen voneinander ab. Die beiden Zollbeamten, deren Haltezeichen Jérémy L. ignorierte, gaben während der Ermittlungen an, ihr Kollege hätte in der Einbuchtung gestanden und die Nagelsperre hätte sich noch nicht auf der Straße befunden. Jérémy L. habe das Auto demnach absichtlich nach rechts in Richtung des Zöllners befördert, um den Beamten anzufahren.

Schwierige Spurensuche

Die Angeklagten behaupteten unterdessen jedoch während der Ermittlungen, dass sich der Beamte etwas weiter in der Fahrspur gefunden hätte. Er habe den Zöllner auf keinen Fall anfahren wollen, so die Aussage von Jérémy L. im Video. Sowohl er als auch Suleyan S. wollen zudem die Nagelsperre gesehen haben.

"Ob er mit Absicht in die Einbuchtung gefahren ist oder ob er versucht hat auszuweichen, kann ich nicht sagen", meinte demnach auch der Ermittler.

Auch die Spurensicherung gestaltete sich als schwierig, dies auch da der flüchtige BMW, als er gut eine Woche nach dem Zwischenfall gefunden wurde, völlig abgebrannt war. Spuren des Aufpralls konnten demnach nicht mehr sichergestellt werden.

Zudem regnete es in der Tatnacht und bei der Nagelsperre handelte es sich um einen mobilen Gegenstand.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.



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