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Verschwender werden nicht unter Strafe gestellt
Lokales 2 Min. 31.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Lebensmittelverschwendung

Verschwender werden nicht unter Strafe gestellt

Tag für Tag werden in Luxemburg Lebensmittel verschwendet, die eigentlich verzehrt werden könnten.
Lebensmittelverschwendung

Verschwender werden nicht unter Strafe gestellt

Tag für Tag werden in Luxemburg Lebensmittel verschwendet, die eigentlich verzehrt werden könnten.
Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 31.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Lebensmittelverschwendung

Verschwender werden nicht unter Strafe gestellt

Maxime LEMMER
Maxime LEMMER
Jeder Einwohner wirft hierzulande 123 Kilo Lebensmittel pro Jahr weg. Die Regierung will den Großhandel nicht dazu zwingen, unverkaufte Waren an karitative Organisationen zu spenden.

(ml) - Der sogenannte "Brotskandal" hatte in den sozialen Netzwerken eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Zahlreiche Kunden zeigten sich schockiert, dass ein Mitarbeiter der Bäckerei Cathy Goedert in Luxemburg-Stadt altes Brot in eine Mülltonne geworfen hatte. Die Debatte um Lebensmittelverschwendung wurde dadurch neu entfacht.

Cathy Goedert forderte die Gemeinde zum Handeln auf. Lebensmittelhändler sollten gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um Restwaren zu spenden. Am Nachmittag findet diesbezüglich eine erste Unterredung zwischen Vertretern der Horesca und der Stadt Luxemburg statt.

Laut einer jüngsten Studie werden in Luxemburg jedes Jahr im Durchschnitt jedes Jahr 123 Kilogramm Lebensmittel pro Einwohner weggeworfen. Davon wären 56 Kilogramm vermeidbar. Anders als oft angenommen, gelten die Haushalte als die größten Verschwender. Erst danach folgen die Gastronomie und der Handel. Eine Mehrzahl der befragten Personen sei bereit, besser darauf zu achten, was sie gerade benötigen, heißt es in der Studie, die Anfang des Monats den betroffenen Akteuren vorgestellt wurde.

Keine Gesetzesänderung

Die oben genannten Zahlen belegen, dass Handlungsbedarf besteht. Unmittelbar nach dem Brotskandal hatte sich der LSAP-Abgeordnete Franz Fayot in einer parlamentarischen Anfrage erkundigt, ob eine Gesetzesänderung vorgesehen sei. Die Regierung fährt volles Geschütz auf. Mit Fernand Etgen (Landwirtschaft), Carole Dieschbourg (Umwelt) und Lydia Mutsch (Gesundheit) beziehen gleich drei Minister dazu Stellung.

Eine Arbeitsgruppe sei gebildet worden, um die Abfallverminderung zu steigern, betonen die drei Regierungsmitglieder. Ziel sei es, Strategien für die verschiedenen Sektoren auszuarbeiten. Des Weiteren organisieren das Umwelt- und Verbraucherschutzministerium am 27. Oktober in der Chambre de commerce eine Konferenz zur Abfallverminderung über die ganze Nahrungsmittelkette. In ihrer Antwort verweisen die Minister darauf, dass es bereits jetzt einen gesetzlichen Rahmen zur Vermeidung von Abfällen gibt.

Kampf gegen Übergewicht hat Vorrang

Ob dies die Bürger zufriedenstellt, sei dahingestellt. Erst neulich wurde eine Petition eingereicht, in der eine gesetzliche Änderung nach französischem Vorbild gefordert wird. In Frankreich darf der Großhandel unverkaufte Nahrungsmittel nicht mehr wegwerfen. Supermärkte sind verpflichtet, Abkommen mit karitativen Organisationen für Lebensmittelspenden zu schließen. Händler, die ihre unverkaufte Ware vorsätzlich zerstören, werden bestraft.

Das Gesetz sieht zudem vor, dass an den Schulen der Unterricht gegen die Verschwendung von Lebensmitteln in den Lehrplan aufgenommen wird. Eine derartige Maßnahme sei in Luxemburg nicht vorgesehen, unterstreichen die drei Minister. Der Kampf gegen Übergewicht genieße Priorität. Deshalb würde das gesunde Essen in den Schulen im Vordergrund stehen, heißt es in der Schule.



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