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Verschmutzung der Korn: Trübe Aussichten
Das verschmutzte Rückhaltebecken unterhalb des "Kronospan"-Werks. Foto: Guy Jallay

Verschmutzung der Korn: Trübe Aussichten

Guy Jallay
Das verschmutzte Rückhaltebecken unterhalb des "Kronospan"-Werks. Foto: Guy Jallay
Lokales 2 Min. 23.08.2014

Verschmutzung der Korn: Trübe Aussichten

Es könnte ein Fallbeispiel sein für vernachlässigten Gewässerschutz: Die Verschmutzung der Korn wirft viele Fragen auf. Mitverursacher soll eine Spanplattenfirma aus Sanem sein.

(jag) - Erst als mehrere anliegende Gemeinden und das Abwassersyndikat SIACH am 6. Juni Alarm schlugen, weil die Wasserqualität der ohnehin belasteten Korn dramatisch abgenommen hatte, begann die Politik zu reagieren.

Das Wasserwirtschaftsamt nahm sich der Affäre an, schnell wurde der Ursprung der Verschmutzung ausfindig gemacht. Die Art der Rückstände, Holzspäne, Harz, Ammonium, Stickstoff und vor allem Toluen sowie die Lage des Rückhaltebeckens ließen nur einen Schluss zu: Der Spanplattenproduzent Kronospan aus Sanem musste zumindest einer der Verursacher sein.

Keine Interviews

Die Firma, die jegliche Interviewanfragen unbeantwortet ließ, erhielt von Umweltministerin Carole Dieschbourg ein gepfeffertes Schreiben: In einem „Arrêté ministériel“, das dem „Luxemburger Wort“ vorliegt, wurde die Firma aufgefordert, jegliches Ablassen von Abwässern zu unterlassen und den entstandenen Schaden im Becken und in der Korn auf eigene Kosten zu beheben. Dabei beruft sich das Ministerium auf Proben, die am 10. Juli entnommen wurden. Seitdem fließt offenbar wieder klares Wasser aus dem Rückhaltebecken.

Vorwürfe zurückgewiesen

Die Verantwortlichen von Kronospan weisen gegenüber den Behörden jegliche Vorwürfe zurück. Keineswegs sei es absichtlich zu dieser Verschmutzung gekommen. Regen- und Oberflächenwasser hätten wohl Schadstoffe ausgespült. Zudem würde in das betreffende Becken auch Oberflächenwasser aus firmenfremden Arealen einfließen. Zwei Vertreter der Firma sind Mitglied im „Comité d'accompagnement“, das nach Lösungen suchen soll. 

Die Schuldfrage wird sicherlich für reichlich Diskussionsstoff sorgen, denn Experten zufolge ist der Schaden beträchtlich. Sieben- bis achttausend Tonnen Schlamm müssen entfernt werden. Die Kosten werden voraussichtlich mehrere 100.000 Euro betragen. Hinter vorgehaltener Hand sagen die gleichen Experten, dass die Verschmutzung sich seit Jahren angesammelt hat. Sie verweisen auf Luftaufnahmen, die dies belegen sollen.

Komplexes Problem

Das Problem ist komplex und vielschichtig, sagt der Staatssekretär im Nachhaltigkeitsministerium Camille Gira. Der grüne Politiker hat das Dossier geerbt. „Eine von vielen Leichen im Keller“, meint Gira, der zugleich kritisiert, dass der Gewässerschutz in den letzten 20 Jahren sträflich vernachlässigt wurde. Der Zustand der Korn sei eine Schande.

Gira kritisiert zudem, dass der Gewässerschutz überhaupt ins Innenministerium ausgelagert wurde. „Das hätte nie passieren dürfen“, ärgert sich Gira. Das Wasserwirtschaftsamt litt lange Zeit unter chronischem Personalmangel. Systematische Kontrollen von Genehmigungsprozeduren sind auch weiterhin nicht möglich. Dazu passt, dass Kronospan nicht einmal über eine sogenannte Wassergenehmigung verfügt, wie sie seit 2008 vorgeschrieben ist. Dies hätte mit dem neuen Wasserrahmengesetz spätestens bis Ende 2012 erfolgen müssen.

Gira verspricht, die gesamte Problematik in Zukunft energischer anzugehen. Dem Wasserwirtschaftsamt sollen kurzfristig mehr Personal zugeteilt und die Kontrollen verstärkt werden. Schon am kommenden Montag will Gira die zuständigen Verwaltungen sehen und sich absprechen. Für Mittwoch ist dann eine weitere Sitzung des „comité d'accompagnement“ geplant.