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Vermisstenfall Baby Bianka: Staatsanwaltschaft will Mutter anklagen
Lokales 8 Min. 02.07.2020

Vermisstenfall Baby Bianka: Staatsanwaltschaft will Mutter anklagen

Fünf Wochen lang dreht die Polizei jeden Stein rund um den Weiher „am Wäissebrill“ in Petingen um. Nachdem auch die Taucher keinen Leichnam finden, wird der Teich leergepumpt.

Vermisstenfall Baby Bianka: Staatsanwaltschaft will Mutter anklagen

Fünf Wochen lang dreht die Polizei jeden Stein rund um den Weiher „am Wäissebrill“ in Petingen um. Nachdem auch die Taucher keinen Leichnam finden, wird der Teich leergepumpt.
Foto: Polizei / LW-Archiv
Lokales 8 Min. 02.07.2020

Vermisstenfall Baby Bianka: Staatsanwaltschaft will Mutter anklagen

Fünf Jahre nach dem Verschwinden eines Säuglings in Linger will die Staatsanwaltschaft die Mutter nun vor Gericht stellen. Wie die Anklagepunkte belegen, gehen die Ermittlungsbehörden vom Tod des Kindes aus.

(str) - Seit Ende 2019 sind die Ermittlungen im Vermisstenfall Baby Bianka abgeschlossen. Aufgeklärt ist der Fall nicht. Denn bislang kann nicht nachvollzogen werden, was mit dem neun Tage alten Säugling geschehen ist.

Die Staatsanwaltschaft wird dennoch demnächst vor einer Ratskammer eine Anklage gegen die Mutter des vermissten Mädchens einbringen. Dabei sind Tatvorwürfe gegen Sarah B. weit gefächert: vom Kindesentzug bis hin zum Kindsmord. Der Ratskammer obliegt es dann, zu entscheiden, ob das Ermittlungsdossier in den Anklagepunkten stichhaltig genug ist, um einen Prozess gegen die Beschuldigte zu führen.


Linger - Suchaktion Bisdorff Bianka - Photo : Pierre Matgé
Themendossier: Der Vermisstenfall Bianka B.
Seit dem 15. Juni 2015 fehlt jede Spur des neun Tage alten Säuglings Bianka B. Was mit dem Baby geschehen ist, bleibt unklar. Der Tatverdacht gegen die Mutter reicht von Kindstötung bis Kindesentzug.

Die Staatsanwaltschaft beantragt demnach, einen Prozess gegen Sarah B. vor einer Kriminalkammer führen zu können, wo diese sich für das Verschwinden ihres Neugeborenen verantworten soll.  Das teilt die Behörde an diesem Donnerstag mit und nennt weitere Details zum Verlauf der Ermittlungen – die so bislang nicht bekannt waren. 

Zeitschiene mit offenem Ende

Bianka B., die am 6. Juni 2015 geboren wird, gilt offiziell seit dem 2. Juli 2015 als vermisst. An diesem Tag will die Jugendschutzabteilung der regionalen Kriminalpolizei aus Esch/Alzette das Kind zu dessen Schutz auf Anweisung eines Jugendrichters in Fürsorge unterbringen. Doch die Beamten können das Kind nicht antreffen. 

Zeugenhinweis für Anklage entscheidend

Am 3. Juli 2015 leitet die Staatsanwaltschaft dann Ermittlungen wegen Kindesentzugs gegen die Mutter ein, da diese den Beamten weder den Säugling übergeben, noch Angaben zu dessen Aufenthaltsort machen will.


Suchaktion Kleinkind in Linger Weiher. Foto:Gerry Huberty
Vermisstenfälle: Neue Entwicklungen, bleibende Ungewissheit
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Am 9. Juli 2015 werden die Ermittlungen auf die Tatbestände der Kindstötung, des Mordes, des Totschlags, der Verletzung der Rechte des Kindes und der Kindesvernachlässigung erweitert. Hintergrund für diese Entscheidung ist die Beobachtung eines Zeugen. 

Dieser hat Mutter und Säugling am 15. Juni – also neun Tage nach dessen Geburt – zum Weiher „am Wäissebrill“ zwischen Petingen und Linger gehen sehen. Später kehrt die Mutter ohne das Kind zurück. 

Einzigartiger Ermittlungsaufwand

Dass diese Beobachtung bereits am 15. Juni erfolgt, erfährt die Öffentlichkeit erst jetzt durch die Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Bislang wurde zudem stets angenommen, dass die Beobachtungen direkt zu den Ermittlungen geführt hätten und, dass diese demnach auf den 3. Juli zurückginge. 

 Als die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufnimmt, werden gleich sehr umfangreiche Mittel eingesetzt. Wie die Presse drei Tage später von der Polizei erfährt, wird sofort mit einem Großaufgebot in und um den Weiher nach Spuren und gegebenenfalls nach einer Leiche gesucht. Dabei wird das gesamte Unterholz gemäht und der Weiher leergepumpt.  

DNS-Spuren in der Arbed-Ruine 

LW-Informationen zufolge werden in der Ruine eines ehemaligen Arbed-Pumpenhäuschens Gegenstände sichergestellt, auf denen DNS-Spuren gesichert werden, die dem Kind zugeordnet werden können. Dieses Element im Dossier soll untermauern, dass sich das Kind tatsächlich vor Ort befunden hat. 

Doch Baby Bianka bleibt auch nach fünf Jahren und sehr umfangreicher Ermittlungsarbeit verschwunden. Ob die Ratskammer einer Mordanklage in einem Kriminalprozess stattgeben wird, ist ungewiss. Die Tatvorwürfe belegen allerdings, dass die Ermittlungsbehörden vom Tod des Säuglings ausgehen. 

Für die angeklagte Mutter wird es einen fundamentalen Unterschied machen. Es gibt nämlich eine große Spannweite in Bezug auf die möglichen Tatvorwürfe und deren Strafmaß. Diese reichen von der Aussetzung eines Kindes, über Vernachlässigung, Kindesentzug nach einer richterlichen Anordnung bis hin zu Mord, Totschlag und Infantizid – demnach von einer geringen Haftstrafe bis hin zu lebenslänglich. Sarah B. hat bereits 14 Monate - vom 3. Juli 2015 bis zum 9. September 2016 -  in Untersuchungshaft verbracht. 

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